Hallo liebe Leute.
Nicht dass ihr mich falsch versteht, ich will hier nicht etwa Unruhe oder eine ungemütliche Stimmung verbreiten, aber verdammt nochmal: „In 12 Tagen ist Weihnachten“! Hey, Sonntag zünden wir die 3. Kerze an! Der Countdown läuft. Was ist los? Wacht auf und schraubt mal eure Valium forte Dosierung etwas zurück.
Gestern Donnerstag schlendere ich am traditionellen Abendverkauf durch unsere wunderschöne Barockstadt mit ihrer genialen und überschaubaren Einkaufs- und Flaniermeile und bekomme grosse Augen. Ich sag’s euch, ich bin schon zu hause mit einem unguten Gefühl gestartet. Und als ich dann noch problemlos einen Parkplatz an vorderster Front fand, schwante mir schon Ungutes. Und dabei habe ich mir extra 3 dicke Pullies und eine Daunenjacke unter meine Heavy Duty Carhartt Winterjacket gezogen - damit ich beim Weihnachtsverkauf keine blauen Flecken bekomme. Die extra Polsterung habe ich dann gleichmal im Auto gelassen.
So schnell kann mich nichts erschüttern und ich bin noch immer luftig locker und voll freudiger Erwartung auf Glühweindüfte und Zimtstangen durch die Solothurner Altstadt geschlendert. Durch die Vorstadt schlendern bringt eh nichts. Im Bermudadreieck zwischen Gassenküche, Bahnhof und Methadonabgabestelle macht Shopping keinen Spass.
Wie gesagt: Ich schlendere durch die Altstadt und meine Euphorie schmilzt wie die Gletscher im Winter 2014 zusammen.
Bei dieser Trostlosigkeit wabert mir ein Song durch mein trübes, von spärlicher Weihnachtsbeleuchtung erhelltes Hirn:
Sag mir wo die Mädchen sind.
Wo sind sie geblieben?
Sag mir wo die Mädchen sind.
Was ist geschehn?
Wann wird man je verstehn?
Sag mir wo die Männer sind.
Wo sind sie geblieben?
Sag mir wo die Männer sind.
Was ist geschehn?
Wann wird man je verstehn?
…

So steh ich da, genau wie Marlene Dietrich: Unbeweglich, frustriert und ratlos. Eine tiefe Melancholie macht sich in mir breit:
Hey, es ist Weihnachten. Wo sind die lärmenden Weihnachtsessen, das emsige Geschenke-Kaufen, die entspannten Weihnachtsfeiern im Freundeskreise? Wo sind sie geblieben? Wo ist der alt bekannte „Weihnachtsstress“? Eigenartigerweise höre ich alle klönen: „Weihnachtsstress, Weihnachtsstress“. Ähh, von welcher Weihnacht und von welchem Stress reden die?
Okay, wir haben noch 12 Tage Zeit bis zu Weihnachten. Das kann ja noch einpendeln. Hoffentlich. Ich wünsche es mir. Ich vermisse die Herrscharen von Menschen, das emsige Treiben und das ganze Weihnachtsgefühl. Da hilft nur eins: Glühwein trinken. Einen guten Glühwein mit Zimt (Diabeteskiller und Fatburner), Nelke (antibakteriell, krampflösend), Muskat (anregend, nervenstärkend) und Sternanis (antibakteriell, entspannend). Ah Voilà: Glühwein macht euch gesund und locker und Weihnachten kann kommen. Aber Achtung - immer nur in Massen geniessen!
Übrigens: Weihnachten findet unter Menschen statt - zur Not auch noch in einem Stall. Aber niemals im WWW. Also raus in die Stadt, stürmt die Läden und die Beizen. Ihr seid unter euresgleichen.
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Glühwein-Flasche
Euer Flaschengeist
Markus
Ja, Weihnachten steht definitiv vor der Tür. Woran erkennt man das? Klar doch, sagt nun der Dödel: „An den billig dekorierten Schaufenster und der peinlichen Weihnachtsbeleuchtung“.
Nein, es ist noch viel schlimmer. Weihnachten erkennt man an Instagram. Instagram? Okay, es feiern nicht alle Menschen Weihnachten und können daher auch nicht allzuviel über das „Fest des Schenkens ähhh der Liebe“ wissen. Und es gibt auch tatsächlich noch Menschen die ein intaktes Immunsystem gegenüber Instagram haben.
Für alle Instagram-Resistenzen: "Instagram ist ein Foto- und Video Sharing im Internet". Auf Deutsch: Man kann sich an meist grotteschlechten Fotos und Videos von wildfremden Menschen ergötzen und diese sogar mittels sogenannten #Hashtags suchen.
Auf Instagram ist Weihnachten - und zwar das ganze Jahr. Instagram ist die Weihnachtsplattform schlechthin. Es ist sozusagen das WWWW: Der World Wide Web Wunschliste.
Instagram ist der Weihnachtsstrumpf des 21. Jahrhunders.
Die weibliche Instagram-Community postet im Sekundentakt ihre Bling Bling-, Perfect Body- und Kitty Cat-Träume und die holde Männlichkeit ergötzt sich an Muskel-, PS-, Big Booty und Titty-Träumen. Da wird einem eine Scheinwelt mit einer so hohen Dichte projiziert, dass selbst das Schwarz Loch darin verschwindet.

Auf Instagram posten gewöhnlichste Menschen, also Menschen wie Du und vor allem Ich, Schweinwelten, dass daneben die Sonne erblasst. Aus Katalogen werden teuerste Markenartikel abfotografiert und gepostet und mit den obligaten #Hashtags: #loveit, likeall, #likeforlike und dergleichen Gedöns versehen. Oft werden auch schon leere Einkaufstüten liebevoll drapiert und gepostet. So armselig sind wir schon. Wo soll diese Scheinwelt hinführen?
Ich gebe zu: Ich bewege mich oft auf Instagram und „beobachte“ dort unter anderem 13-Jährige Girlies, wie sie den ganzen Tag ihre Wunschträume von Channel, Ralph Lauren, YSL, Michael Kors, etc posten - während der Schule wohlverstanden.
Wir haben uns längst damit abgefunden, dass 18-Jährige ihre teuren Neuwagen leasen. Zum Kaufen reicht schliesslich das Geld nicht und sich mit einer billigen Occasion abgeben ist unter jeder Würde. Auf Instagram gaukeln wir uns selbst eine High Society Welt für Jedermann vor. Genau deshalb boomen wohl auch die Pauschalferien in Dubai und den Arabischen Emirate. Da kann man für wenig Geld vor protziger Kulisse posieren - und dafür auf Instagram und Facebook ein paar "Likes" seiner "Freunde" erhoffen.
Früher haben wir Kinder mit grossen Augen den Spielzeugkatalog angeschaut. Heute haben wir Instagram. Aber vielleicht ist das heute gar nicht mal so anders als früher. Als Kinder haben wir auch das Spielzeug, das wir uns wünschten, ausgeschnitten und auf den Wunschzettel aufgeklebt. Heute machen wir Copy/Paste und posten es auf Instagram. Wir selbst werden zum viralen Multiplikator. Bravo!
Fazit: Poste nur das, was Du wirklich selbst besitzt - dann findest Du zu Deinem wahren ich.
Insta#ich
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus
Sonntag ist es wieder soweit und wir dürfen gemäss dem christlichen Glauben eine Kerze am Adventskranz anzünden. Wenn’s interessiert, ihr braucht nicht lange suchen: Das steht nirgends in der Bibel, die ist schliesslich über 2000 Jahre alt und der Adventskranz-Brauch werde erst 1839 „erfunden“.
In der Weihnachtszeit werden in „christlichen“ Haushalten oder vielleicht auch in „anderen“, die die Gemütlichkeit des Kerzenscheins, den Duft von frischen Tannenzweigen und Misteln lieben, Kerzen angezündet. Tja, und somit bricht das Unheil über uns herein:
- Wer von den Kindern darf die Kerze anzünden? - Ein ausgewachsener Geschwisterstreit entsteht.
- Niemand setzt sich an den liebevoll dekorierten Tisch mit dem Adventskranz - Die Mutter ist frustriert und fragt sich, für wenn sie sich überhaupt Mühe gibt.
- Das Streichholz rutscht ab und versengt den Perserteppich - Papi ist wütend auf sich selbst und die ganze Welt.
- Endlich brennt der Adventskranz - Er brennt noch lange nachdem schon alle im Bett sind. Die Wohnung auch.
Wer ist schuld daran? Es ist der Mensch. Der Egoist.
Egal ob Christentum, Islam oder irgend eine andere Religion. Alle haben immer etwas mit Symbolik zu tun. Und es ist der Mensch, der diese Symbolik definiert und ein Brauchtum etabliert. An Advent eine Kerze anzuzünden ist eine Brauchtum. Es ist das Symbol, dass es noch 4 Wochen bis zu Weihnachten geht.
Es gibt wunderschöne Brauchtümer aber es gibt auch ganz schlimme Interpretationen. Die Christen haben im düsteren Mittelalter ganz schlimme Symboliken blutrünstig gelebt. Denken wir da nur an die Hexenverfolgung. Die letzte „Hexe“ wurde in der Schweiz 1782 hingerichtet.
Nun gibt es Gruppierungen im Islam (z. B. Islamischer Staat) die behaupten die heilige Schrift gelesen zu haben. Sie analysieren und interpretieren die Symbolik ihrer heiligen Schrift nach ihrem Gutdünken. Die Umsetzung ist blutrünstig und menschenverachtend.
Es ist immer der Mensch, der dank der ihm verliehen Macht noch mehr Macht anstrebt. Blinder Fanatismus ist da ein Stichwort. Blinden Fanatismus findet man nicht nur in der Religion. Blinden Fanatismus findet man auch beim Sport oder in der Wirtschaft. Denken wir nur an den blinden Glauben unserer Banker, dass die Börse nur noch oben gehen kann und muss.
Blinder Fanatismus und die damit verbundene Macht einzelner Personen, wird oft mit einer Schreckensherrschaft gefestigt und ausgebaut. Solange bis der einzelne Mensch die Augen öffnet und seine müden, verdorbenen Hirnwindungen anstrengt. Dann wird er nämlich erkennen, das jede Symbolik nur so viel taugt, wie er selbst mit seinem gesunden Menschenverstand hineininterpretiert. Leider sind Symbole immer interpretationsbedürftig - aber da sind ja gewiefte Führer schnell zur Hand und legen die Zeichen zu ihrem materiellen oder religiösen Vorteil aus.
In diesem Sinne liebe Schafe:
Es ist nicht immer der Hirte der die Herde in eine Richtung lenkt - es kann auch der böse Wolf sein. Es ist an euch ihn zu erkennen.
Wow - das war nun aber schon beinahe ein biblisches Gleichnis.
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus
Und ewig grüsst die Weihnachtsdeko.
Ich schicke es mal gleich vorneweg: Auch ich simples Gemüt rege mich chronisch und in immer wiederkehrenden Zyklen über den selben Müll auf. Da bin ich nicht besser.
Jedes Jahr fange ich von vorne an zu lamentieren. Zum Glück bin ich da nicht allein. Mein Empfinden ist es, dass sich Jeder, aber wirklich Jeder über die (viel zu) früh startende Weihnachtsoffensive aufregt. Na gut, es gibt wohl ein paar Wenige, denen der Schuss abgeht, wenn sie schon anfangs Oktober das Weihnachtssortiment präsentieren können. Das sind die Firmenbosse von den grossen Kaufhäusern, die den Hals nicht voll genug kriegen und aus Angst, dass die Konkurrenz ihnen die Show stiehlt, die „Frohe Festtage Leier“ noch eine Woche eher ansetzen.
Im Denner habe ich schon anfangs Oktober, prominent im Eingangsbereich, grosse Aufsteller mit „Frohe Festtage“, „Joyeuses Fêtes“ mit dem passenden Sortiment von „HUG - Weihnachtsguetzli“ gesehen. Bravo!

Da frage ich mich doch gleich: „Sind das noch die alten Guetzli von letzten Weihnachten oder sind das schon die Frischen“?
Aber lasst uns mal in Ruhe überlegen. Vielleicht sind mit „Frohe Festtage“ gar nicht Weihnachten gemeint, sondern im Sinne der fortschreitenden Völker-Vermischung und Verständigung, das islamische Opferfest (Id al-adha) am 5. Oktober oder das Fest zum Islamischen Neujahr am 25. Oktober. Ja das muss es sein. Das finde ich mutig von „HUG“. Hut ab! Könnte natürlich aber auch sein, dass wir zusammen mit unseren Brüdern und Schwestern aus dem 27. Kanton am 3. Oktober den „Tag der Deutschen Einheit“ feiern.
Egal, Gründe zum Feiern gibt es immer. Ja, so muss es sein. Das würde mich extrem beruhigen. Zu feiern gibt es immer was. Damit kann ich leben. Denn es ist absolut nutzlos jährlich dieselbe Diskussion zu führen:
„Fängt das Weihnachts-Gedöns zu früh an“?
Ja, es fängt zu früh an, das wissen wir alle. Nur können wir nichts dagegen tun. Die Gier der Menschen, das einem Anderen etwas nicht gönnen können, ist zu gross. Da müsste ein Gesetz her. Aber wie wir ja inzwischen auch schon alle gemerkt haben, ist unser Rechtssystem zu starr, zu zementiert, dass wir da noch etwas mit unserer direkten Demokratie ändern könnten. Also bleibt uns weiterhin nichts weiter übrig, als darüber zu reden und jährlich dieselben Umfragen mit denselben Resultaten zu starten.
In diesem Sinne schon mal „Frohe Weihnachten“!
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus
Nicht mal mehr eine Woche dauert es und das Solothurner Oktoberfest geht los! Viele freuen sich: „Sauguàd, endli geht di Gaudi los“. Natürlich werden jetzt auch ein paar wenige „Gimpel“ sagen: „Nicht schon wieder so ein blödes Volksfest“. Tja, das ist Ansichtssache und jeder soll davon denken was er will.
Nur eines sei allen und vor allem den „Loàmsiàdà“ verraten:
Geselligkeit macht sexy und glücklich!
Das Solothurner Oktoberfest ist und bleibt ein Ort der Geselligkeit und Gemütlichkeit. Aber warum ist das so, warum braucht der Mensch Geselligkeit (mal ausgenommen der paar griesgrämigen „Gimpel“)?
Dopamin, Serotonin und Endorphine sind wichtige Botenstoffe für unsere Glücksgefühle. Diese Glückshormone werden unter anderem entweder beim Verzehr von Schokolade oder beim Sex ausgeschüttet. Nachdem man aber zum glücklich sein, nicht ständig Sex haben oder Schokolade essen kann, muss da noch ein anderer Faktor entscheidend mitspielen. So fanden Forscher der University of Cambridge kürzlich heraus, dass Menschen die sozial aktiv sind, vermehrt „Glückshormone“ ausschütten.
A Prosit! Da haben wir’s! Geselligkeit macht glücklich. So lässt sich auch die kollektive Fröhlichkeit der Besucher des Oktoberfestes Solothurn beschreiben. Ein Oktoberfest - oder schlicht und einfach auch „Volksfest“ genannt - sprengt die Grenzen der sozialen Realität. Ein Oktoberfest ist ein einfaches Fest für das Volk. Es genügen einfache Bänke, einfache Musik (Volksmusik) und einfache Speisen (Hendl, Würstl oder Haxn) und schon sehen die Menschen über ihre persönlichen Grenzen hinaus und verbrüdern sich mit links und rechts. Die Realität wird für einen Moment vergessen - egal welcher sozialen Schicht und Bildung man angehört. Und genau das ist das Wunderbare und Befreiende.

Unlängst ist auch bekannt, dass Schlagermusik - oder eben auch Volksmusik genannt - bei Jung und Alt tüchtig auf dem Vormarsch ist. Was bei uns mit Francine Jordi begann und sich mit Helene Fischer, Andreas Gabalier und Beatrice Egli fortsetzt, ist Popmusik. Das Wort „Popmusik“ kommt von „Popular Music“, „Music for the Population“. Am Oktoberfest wird Musik für das Volk gespielt. Lustig, sympathisch und eingängig. Musik, die gleichermassen Enkelkinder und Grosseltern mitsingen können. Das verbindet. So einfach ist das.
Ein weiterer sympathischer Faktor ist, dass alle Madln und Buam im Dirndl und Lederhosen aufs Oktoberfest gehen. Eine Tracht verbindet und sieht erst noch sauguàd aus. Und wir Solothurner lieben es eh, uns zu verkleiden. Sind wir doch eine Hochburg der Fasnacht und des närrischen Treiben.
Ihr seht: So einfach ist es Glückshormone auszuschütten. Springt über eure dunklen Schatten und seid gesellig, überwindet eure selbst errichteten Barrikaden und feiert ohne soziale und kulturellen Schranken. Das macht glücklich!!
Oans, zwoa, gsuffa
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus
Heute berichte ich mal über was, was es gar nicht gibt. Das wäre also so etwas wie Science Fiction, Fantasy oder ein Gebrüder Grimm Märchen. Nun, ganz so schlimm ist es nicht. Es hat schon einen funken Wahrheit - so wie alle Märchen, die haben auch immer einen wahren Kern. Aber eben: Man muss ihn finden.
Genauso verhält es sich mit dem Solothurner Nachtleben. Seitdem der einzige echte und wahre Solothurner Club von den Veranstalungseiten von "Partyguide", "Freak", "Eventbooster" und "20minuten" verschwunden ist und die Beobachtungslisten vom AWA, Stadt- und Kantonspolizei, Lebensmittelkontrolle und Feuerpolizei eine gähnende Lücke aufweisen, ist es in Solothurn richtig ruhig und langweilig geworden. Ja zweifellos, das Fehlen vom ELEVEN merkt man. Ob man Lover oder Hater ist - jeder im paarungsfähigen Alter realisiert, dass da ein Vakuum entstanden ist.
Die Kantonshauptstadt hat keinen Club mehr!
Das ist eine bittere Tatsache. Und nichts scheint diese Lücke ausfüllen zu können. Klar, wir haben das Kofmehl, eine wunderbare Konzertlocation oder das Volkshaus das sporadisch versucht im Säali Partystimmung aufkommen zu lassen, das Solheure sowie noch 2-3 coole Szenebeizen die im Sommer mit Jams und Outdoorbonus am Landhausquai ein Hauch „savoir vivre“ aufkommen lassen.
Aber täuscht euch nicht, der nächste Winter kommt bestimmt und dann wird in Solothurn die Ausgeh-Eiszeit reinbrechen.
Städte wie Zürich, Bern, St. Gallen oder Lausanne verkraften ohne weiteres den Verlust eines Clubs. Dort gibt es duzende Clubs und hunderte In-Treffpunkte. Dort verlagert sich halt die Gästeschar einfach in andere Locations. In Solothurn geht das nicht. Wir müssen zähneknirschend erkennen: „In Solothurn gibt es keine Alternativen“! Keine Hilfe, nur Kopfschütteln.
In der kleinen Ambassadorenstadt ist sich die überwältigende Mehrheit einig:
- Es braucht einen neuen Club
- Das ELEVEN fehlt, ob man persönlich dort war oder nicht
- Es müsste doch möglich sein einen Club zu eröffnen
- Solothurn schläft ein ohne Club
- Wohin soll denn jetzt das Ausgehvolk?
Diese Meinungen sind eindeutig. Doch leider ist das Ganze nicht so einfach. Soviel sei von Insidern verraten:
Die Macher des ELEVENS sind seit 3 Jahren intensiv auf der Suche nach einer neuen Location. Jedes noch so kleine Kellerabteil oder Besenkammer ist ihnen bekannt. Bei den Vermietern oder Verkäufern von potentiellen Liegenschaften waren die ELEVEN-Macher jeweils mehrfach vorstellig - man kennt sich inzwischen - aber leider immer ohne Erfolg.
Es ist Jedermann sein gutes Recht eine Liegenschaft zu vermieten oder eben auch nicht. Falls sie nicht an einen Kulturveranstalter (wahlweise auch Partyveranstalter genannt) vermietet wird, kann ich das ja noch irgendwie nachvollziehen.
Eigenartig ist aber, dass auf Immoscout sind Zehntausende Quadratmeter in Solothurn und Umgebung zu vermieten sind - aber niemandem erhält den Zuschlag. Viele dieser Liegenschaften sind Dauerbrenner und bereits 5 oder mehr Jahre auf der „Suche“ nach Mieter oder Käufer. Das ist eigenartig und ich wage zu behaupten, dass es anscheinend rentabler ist, eine Liegenschaft leerstehen zu lassen, als sie zu vermieten...?!
Die Macher vom ELEVEN sind weiss Gott nicht die Einzigen, die versuchen eine Location in Solothurn oder Umgebung aufzumachen. Geschafft hat es bisher noch keiner. Auch wenn das ELEVEN einen tadellosen Leumund hat, genutzt hat es nicht. Auch der Stadt, Gemeinden, Behörden und Ämter sind offensichtlich die Hände gebunden. Ausser aufmunternden Sprüchen und der Bekräftigung, dass es ein ELEVEN brauche, gibt es keine zugeworfene Strohhalme.
Tja, so stehen die Macher vom ELEVEN also da und wollen Solothurn unbedingt etwas Kultur zurückgeben und hoffen weiterhin, das ein Patron oder ein Konzern mal seine Mühlen in Gang setzt, 2-7 Hierarchiestufen auslässt und einen mutigen Entscheid fällt: Solothurn braucht Nachtleben und Kultur.
ELEVEN - Ihr braucht uns / Wir brauchen euch!!
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus
Der sogenannte Sommer ist nun endlich vorbei und wir können wieder offiziell von Herbst reden. Ja, die vergangene Jahreszeit hatte von Beginn weg die Tendenz zum Herbst. Aber egal, vorbei ist vorbei, reden wir nicht mehr drüber. Ist Schnee von gestern.
Bin ich froh, lassen die Badeanstalten das Wasser wieder aus den Bassins. So kommt auch auch keine holde Weiblichkeit mehr in Versuchung, ihren neuen knackigen Bikini zu präsentieren. Besser so. Denn das heutige Thema wird mal wieder die Gemüter hochkochen lassen und zu heftigen Diskussionen führen. Also nicht, dass ihr jetzt meint, ich sei daran schuld. Mir gefällt es selbstverständlich.
Nein, wie immer sind die Amerikaner schuld. Besser gesagt: Zwei Amerikanerinnen.
Christy Sugrue and Kelly Heyniger haben mal wieder, wie es typisch für Amerikaner ist, das total Überflüssige erfunden. Die schaffen es sogar, dort wo es nichts mehr zu erfinden gibt, etwas zu erfinden. Ein Bikini ist bekanntlich dafür da, mehr Körper zu verhüllen als nicht. Ein Bikini besteht aus ein paar Quadratzentimer Erotic und fertig. Was kann man dem noch hinzufügen?? Aber Christy und Kelly haben das Unmögliche geschafft und haben den „Cuchini“ erfunden. Ähhh, Cuchini?? Was ist denn das nu?
Die amerikanische Definition für einen „Cuchini“ ist:
„The Cuchini is a device designed to prevent camel-toe“.
Was heisst nun das wieder? Okay, hier kommt für alle Mitleser die nur „Fuck, Bitch, Police und Gangster“ verstehen, die Übersetzung:
- „The Cuchini“ ist eine Wortschöpfung also ein Eigenname
- „Device“ bedeutet „Gerät“
- „Prevent“ ist ein Verb also ein „Tuwort“ und bedeutet „verhindern“
- „Camel-Toe" heisst „Kamel-Zehe“
Nun hängen wir alle übersetzten Wörter zusammen und bilden einen vollständigen Satz. Der könnte wie folgt lauten: „Der Chuchini ist ein Gerät, das Kamel-Zehen verhindert“. Alles klar? Nix verstanden?
Gut, man muss natürlich noch wissen was Camel-Toe umgangssprachlich heisst. Das wird schon etwas schwieriger. Aber ich zitiere hier einfach mal Wikipedia, damit nicht ich der Verdorbenheit beschuldigt werde.
Cameltoe oder auch Camel Toe (englisch wörtlich für "Kamelzehe") bezeichnet in der amerikanischen Umgangssprache die Verformung der Kleidung im Schritt bei Frauen, die bei sehr eng getragener Kleidung auftreten kann und einem "W" gleicht.
So, nun wäre auch das geklärt und wir alle sind ein kleines Stück weiser.
Da haben Christy und Kelly mit ihrer Slipeinlage einen echten Coup gelandet. Sowas braucht gemäss diesen beiden Damen nämlich jede Frau, die sich nicht schon der Religion wegen komplett verhüllt.
Nun kommt was ja in so einem Fall kommen muss: Wozu das denn? Das ist doch Natur pur! Brauchen die Damen bald auch einen "Device“ um ihre Brüste zu verhüllen? Oder ein Brett damit man ihren wundervollen Booty (Hintern) nicht sieht. Das wäre dann der "Elephant-Toe".
Mir graut schon davor. Wozu dienen denn die ganzen Silikon-Implantate? Silikon vorne, hinten, am Bauch, überall. Sogar Männer sollen immer häufiger zu Implantaten greifen, wenn die Resultate im Fitnesscenter nicht denen von den "Fit Shredded Vikings" entsprechen.
Apropos Männer - müssen wir jetzt alle einen "Glöggeler" tragen? "Glöggeler" ist berndeutsche Umgangssprache und heisst: "Ein Tiefschutz für den männlichen Genitalbereich". Ne, da stehe ich lieber zu meiner Beule in der Hose.
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus
Zwischendurch geht es selbst im Leben eines Flaschengeistes mal ruhig zu und her. Dann sitze ich einfach da und gucke Löcher in die Luft. Wobei heutzutage muss man wohl eher sagen, gucke ich Pixels aus dem Display oder anders formuliert: Scrolle mir den Finger wund.
Ja also eben, ich sitze so da und scrolle. Der Sonnenuntergang ist wunderschön und malerisch - ich hab ihn schon 5 mal fotografiert und gepostet, aber leider keine Likes bekommen. Also scrolle ich halt weiter. Meine Augenmuskeln müssen sich nicht mal mehr bewegen - sie starren nur noch auf die 960 x 640 Pixelfläche, die sich ständig wunderschön in Farben und Anordnung ändert. Ich scrolle so im totalen Nonsens herum und fühle mich immer leerer, gelangweilter und unglücklicher. Meine Quintessenz: Scrollen macht unglücklich!

Also lege ich den Pixelhaufen zur Seite und atme mal tief durch. Frische Luft und Sonnenuntergang durchfluten mein trübes Hirn. Meine grauen Hirnzellen verfärben sich wie der Abendhimmel von einem anfänglichen Grau zu einem zarten Rosa bis hin zu einer glutroten Himmelsexplosion. Endlich ist mein Denkmuskel auf Betriebstemperatur. Ahhh, was waren das eben für Topnews aus der Pixelwelt? Da hab ich doch völlig sinnentleert zur Kenntnis genommen, dass die ständige Schweizer Wohnbevölkerung letztes Jahr - das ist 2014 minus 1 - um sage und schreibe 100’000 Personen auf 8.14 Millionen gewachsen ist! Wow, Wahnsinn! Das geht ab in der Schweiz.
Und plötzlich geht ein Film in meinem zartrosa Hirn ab:
- 100’000 Personen, sagen wir mal immer 4 Personen pro Haushalt, dann wären das Plus 25’000 Wohnungen oder Häuser
In meinem Hirn dreht es weiter:
- In der Schweiz gibt es sage und schreibe 2’352 Gemeinden. Somit wären wir um 4 Gemeinden gewachsen.
- Bei einem Plus von 100’000 Personen würde ich schätzen, dass jetzt ungefähr 50’000 Autos mehr unsere Strassen verstopfen. Aber effektiv sind letztes Jahr 1.6% mehr Autos in Verkehr gesetzt worden. Das ein Plus von 89’000 Autos. Wahnsinn!
Nun ist mein armes Hirn nicht mehr zu stoppen:
- Tatsache ist, dass die Schweiz eine ungebremste Popularität geniesst.
- Ich scrolle in meinem Hirn 10 Jahre vorwärts.
- Die Schweiz wird 9.14 Millionen Einwohner haben und 1 Million mehr Autos. Jaaaaa, da wird es mir leicht drümmlig…!
Ich träume bei diesem tollen Sonnenuntergang einfach weiter:
Die Schweiz hat alles richtig gemacht. Wir haben rechtzeitig unsere Strassen und öffentliche Verkehrsmittel für ein Plus von 1 Million Bewohner ausgebaut. Auch an die Infrastruktur wie genügend Spitäler, Altersheime, Universitäten, Kindertagesstätten, Arbeitsplätze und Freizeitmöglichkeiten wie Clubs, Kinos und Theater wurde rechtzeitig gedacht und ausgebaut.
Die Schweiz ist einfach super!
Shit, da bin ich wohl kurz eingenickt. Kein Wunder bei diesem tollen Sonnenuntergang. Aber schön war er der Traum. Jetzt müssen nur noch die Politiker aufwachen!
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist - in einem Meer aus Spucke
Markus
Es ist schon eigenartig: In allen Hochglanzferienprospekte gilt die Schweiz noch immer als das schönste und sauberste Land weltweit. Und darauf sind wir auch noch stolz. Aber sind wir auch wirklich stuben- und gassenrein?
Aus welchem Grund haben wir dann wohl unser lächerliches „Littering“ Gesetz eingeführt? Genau, damit die Schweiz wieder sauberer wird.
Warum ist das nötig?
Damit ihr nicht zulange eure grauen Hirnzellen anstrengen braucht (was ihr ja eh nicht tut) verrate ich euch’s ungeschminkt. Es gibt 3 Gründe:
- Wir sind eine Billig, Billig, ich bin doch nicht Blöd-Gesellschaft
- Wir sind eine Wegwerfgesellschaft
- Die Erziehung unserer Kinder haben wir nach ihrem ersten Tobsuchtsanfall ersatzlos aufgegeben
So, und nun soll das Fehlverhalten unserer Konsumgesellschaft durch gut gemeinten Werbekampagnen und entsetzte Presseberichte korrigiert werden? Also an den Samichlaus glaub ich nicht mehr.
Ändern wir unser Verhalten wenn wir erschreckende Fotos von Plastikinseln im Meer oder zurückgelassenen Zelt- und Abfallberge an Openairs sehen? Als Antwort gibt es wohl nur ein kleinlautes NEIN!
Wir alle müssen umdenken. Soweit ist das mal klar. Aber wer denkt schon gerne freiwillig um? Veränderungen schmerzen, das weiss jedes Kind. Aber so schlimm ist es auch wieder nicht, schielen wir doch einfach mal über den Hag und schauen wie Andere die Probleme lösen.
- In Dänemark hat jede Büchse und jede Flasche Pfand drauf. Jede!
- Litteringbussen sind im Ausland ein Zigfaches höher als bei uns.
- In den USA kann man einen „Highway adoptieren“: Man ist verantwortlich für die Reinigung eines Strassenabschnittes und bekommt dafür Werbefläche. Funktioniert astrein!
- In Singapore wird Spucken mit $500 bestraft.
- Wenn Teenager und Studenten es sich leisten können, Zelte und Schlafsäcke am Openair zurückzulassen, dann ist das traurig und billig. Ich schlage vor, eine empfindlich hohe „vorgezogene Recyclinggebühr“ auf solche Wegwerf-Massenware zu erheben.
- China hat Plastiktüten gänzlich verboten.
- Frisches Brot kann man nur noch auf Vorbestellung beim Bäcker kaufen.
Jeder von uns, der schon auf Reisen war, kennt solche Gesetze. Man ist halt in einem fremden Land und passt sich auch ganz schnell an die neue Situation an. Kein Problem. Aber im eigenen Land?!? Da fehlt der Mut.
Werden unsere Politiker jemals den Mut haben, einschneidende Änderungen anzuordnen?
Wollen wir weiterhin als das sauberste Land der Welt gelten, dann ist jedenfalls höchste Zeit.
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus
Jetzt muss ich doch wirklich mal ernsthaft nachfragen.
Tja, auch ich komme an einen Punkt, wo ich nicht mehr weiter unbekümmert durchs Leben stolpern kann, ohne mich aufzuregen.
Es gibt viele Dinge, die sind einfach wie sie sind, und es lohnt sich nicht darüber nachzudenken. Es war schon immer so und wird immer so bleiben. Zum Beispiel wenn man im Restaurant Pfeffer bestellt, dann macht man automatisch mit beiden Händen diese gegenläufige Drehhandbewegung als ob alle Kellner dieser Welt gehörlos wären. Oder wenn man jemandem die Hand gibt, stellt man sich immer aufs rechte Bein, oder warum kratzt man sich am Kopf, wenn man etwas nicht weiss? Es gibt hunderte solche Phänomene und von mir aus brauchen die auch keiner Erklärung. Mit diesen Phänomenen oder Angewohnheiten kann ich prima leben. Tut mir nicht weh.
Aber da gibt es etwas, da kann ich einfach nicht mehr. Da reg ich mich richtig auf, aber wirklich so richtig auf! Es gibt nur noch wenige Dinge in meinem bescheidenen Leben, die mir einen solchen Adrenalinschub verpassen. Aber diese Angewohnheit von gewissen Mitmenschen ist für mich jedenfalls so schlimm, dass ich irgendwann wohl mal die Beherrschung verliere. Die Beherrschung verlieren heisst, die Kontrolle über seine Gefühle verlieren. Und das ist schlimm. Aber auch ich werde mal wütend. Langsam aber sicher!
Da tröstet es mich wenig, dass es eine offensichtlich immer stärker wachsende Anzahl Menschen gibt, die schon lange die Kontrolle über ihren Körper verloren haben. Es scheint mir ein Virus oder Parasit zu sein, der vor allem Jugendliche befällt. Ärzte sprechen in diesem Fall von „Tics“. Typische Symptome dieses Viren- oder Parasitenbefalls ist der Kontrollverlust von gewissen körperlichen Eigenschaften. Wenn alte Menschen anfangen zu zittern, unkontrollierte Zuckungen haben oder anfangen zu sabbern, dann ist das altersbedingt und nicht vermeidbar. Unschön aber medizinisch erklärbar.
Wenn aber Jugendliche die Kontrolle über gewisse Hirnfunktionen und den damit verbundenen körperlichen Fähigkeiten, bewusst oder unbewusst abschalten, dann verstehe ich das nicht und muss ernsthaft nachfragen.

Also meine Frage: Warum stehen Jugendliche im Kreis herum, reden miteinander oder rauchen genüsslich eine und öffnen dann von Zeit zu Zeit ihren Mund - wie eine Taube ihren Hintern - und lassen genüsslich einen weissen, schaumigen Rotz auf den Boden platschen?? Stehen da und spucken alle paar Sekunden auf den Boden. Zuerst dachte ich, dieser Virus habe nur die männlichen Jugendlichen befallen, aber nein: Das holde weibliche Geschöpf das eigentlich so liebreizend wäre, tut es denn Männern gleich und öffnet ihre wollüstig aufgeschürzten Duckface-Lippen und rotzt unflätig auf den Boden. Bähhhh Nein, mein Gott, ich kann nicht mehr. Warum bloss? Was soll das?
Liebe Psychologen, Philosophen, Neurologen, Sterndeuter und Mike Shivas dieser Erde, helft mir eine Erklärung zu finden. Ich kann nicht mehr. Aber kommt mir ja nicht mit den „Vorbildern“ vom Fussballfeld. Die Basketballspieler, Tennisspieler, Golfer und die rhythmische Sportgymnastik tun es schliesslich auch nicht.
WTF?
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist - in einem Meer aus Spucke
Markus
Ja, das verflixte 7. Jahr! Es hat wohl was, dass man im 7. Jahr hart auf die Probe gestellt wird. Egal - ich kämpfe. Unsere Beziehung ist mir wichtig. Ich habe in diese Beziehung investiert und so schnell gebe ich nicht auf.
Ja ich erinnere mich noch gut zurück. War es Liebe auf den ersten Blick? Nein, das war es ganz bestimmt nicht. Lange haben wir einander umkreist wie Hund und Katz, haben nicht gewusst ob wir Reissaus nehmen sollen, mit dem Mut des Verzweifelten angreifen oder eine Vernunftbeziehung eingehen sollen.
Nein, ein Quicki war das wirklich nicht. Zwei Jahre haben wir uns beschnuppert, bis es endlich offiziell wurde:
Das DEEP UNDERGROUND und das 2ND FRIDAY gehen eine Partnerschaft ein. Ganz langsam, mit viel Gefühl, Kreativität und ganz viel Ehrgeiz sind wir Macher die Beziehung angegangen. Aus dieser magischen Beziehung ist dann das ELEVEN entsprungen. Aber schon, nach nicht einmal 2 Jahren, mussten wir schmerzlich mitteilen, dass eines unserer Kinder ganz still und heimlich während der Sommerpause von uns gegangen war: Den Todesstoss hat es hinterrücks von den Vermietern erhalten. Die Vermieter hatten den Vertrag mit dem Kultclub DEEP UNDERGROUND über Nacht gekündet. Aus und Vorbei. Heute ist diese Kultstätte ein Gerümpellager und Archiv und Solothurn hat einen Publikumsmagneten weniger.
Tja und wie es in jeder Beziehung so ist, haben wir uns dann umso intensiver um unser verbliebenes Baby gekümmert - das ELEVEN. Sieben Jahre lang ist es gediehen und gewachsen, ist richtig gross geworden. Der Ruf des ELEVEN wird zwischen Bern und Zürich ganz deutlich gehört, so kräftig und selbstsicher ist seine Stimme geworden.
Doch auch bei unserem verbliebenen Baby, dem ELEVEN, wurde vor 3 Jahren eine unheilbare Krankheit diagnostiziert - Ein Geschwür im Endstadium. Der Fachbegriff für die unheilbare Krankheit heisst: „Cras amet tenens“ was soviel heisst wie: „Der Club passt nicht mehr zur zukünftigen Mieterstruktur“. Welche zukünftige Mieterstruktur da gemeint ist, entzieht sich unseren Kenntnissen und hat uns auch nicht zu kümmern. Diagnose ist Diagnose. Wer hört schon gerne die Wahrheit wenn sie schmerzt?
Dieses Wochenende gehen also auch beim letzten Solothurner Club die Lichter aus. Das ELEVEN wird nicht mehr sein wie es heute war. Ein düsteres Tal wird sich vor uns auftun und der Weg hindurch wird steinig und dornig sein. Aber wir werden ihn beschreiten, denn welche Eltern lassen schon ihre Kinder im Stich? Das Jammertal wird sich vor uns auftun und wir werden den Weg wieder hinaus finden. Es gibt nie nur einen Weg. Es gibt immer Kreuzungen mit neuen Richtungen. Und wegweisend waren wir schon immer.
Also werden wir dieses Wochenende feiern als gäbe es kein Morgen mehr. Wir werden nichts bereuen. Jedes Ende ist automatisch der Anfang von etwas Neuem. Wir freuen uns auf das Neue, auf das Ungewisse. Wir freuen uns, dass wir mit der Kraft einer Löwenmutter die nichts zu verlieren hat, für ein neues ELEVEN kämpfen dürfen. Der Übergang wird nicht naht- und spurlos sein. Aber keine Angst, ab September sind wir wieder für Euch da. Lasst Euch überraschen.
Die Eltern Markus & Olcay
ELEVEN - We love You!
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus
Hallo, ja ihr da draussen, wenn ihr euch mal von den Bildschirmen und Handys erhebt und nach draussen geht, dann könnt ihr mit etwas Glück am Sonntag vielleicht eine weisse Taube sehen. Wer als Erster eine weisse Taube sieht, hat gewonnen!
Und wer diese weisse Taube sieht (bitte nicht mit dem weissen Hasen verwechseln), der hat noch viel mehr gesehen als nur eine weisse Taube. Wer die weisse Taube am Sonntag sieht, hat den Schlüssel zum Leben und Tot, zum Hier und Dort, zu Liebe und Krieg entdeckt. Die weisse Taube ist das Symbol für den heiligen Geist.
Oh Mann, und was ist nun wieder der Heilige Geist? Bisher bin ich immer nur diesen leckeren Himbeergeist-Pralinen begegnet.
Also Pfingsten heisst das Fest, wenn der Heilige Geist kommt, respektive die weisse Taube. Die Krux dabei ist, dass man wissen muss, dass Pfingsten 50 Tage nach Ostern ist. Und Ostern ist wiederum das Fest mit den farbigen Eiern und den lustigen Hasen. Da wir alle wissen, dass Hühner und Hasen keine farbigen Eier legen (und weisse Eier auch ganz schön langweilig sind) kommen die Tauben ins Spiel. Die Tauben sind das Symbol für den Heiligen Geist. Der Heilige Geist hat sich angeblich vor genau 2014 Jahren durch ein mächtiges Rauschen in der Luft bemerkbar gemacht. Allen Partipipel die damals an dem Fest waren, wurde es plötzlich ganz Sturm in der Birne und sie redeten wirres Zeugs, das ein jeder Verstand. Diese Symptome (nicht Symbole - wobei doch der weisse Hase…) lassen eindeutig einen ungesunden Konsum von irgendwelchen Rauschmittel erkennen. Ich tippe da mal auf Lysergsäurediethylamid, kurz auch LSD gennant. Die Partipipel, sie nannten sich „Jünger“, hatten damals eindeutig Unfug mit LSD getrieben.

Wir kennen es aus eigener Erfahrung: Wenn erst einmal der Rausch einsetzt, dann macht der Mensch immer lustige Sachen. An dieser Stelle ist auch gleich die Herkunft des Wortes „Rausch“ erklärt: Die Jünger hörten ein „mächtiges Rauschen“, wie wenn ein Sturm vom Himmel herabweht. Fortan, und das seit mindestens Zweitausendundvierzehn Jahren, wird so ein Suff mit leichten Vergiftungserscheinungen „Rausch“ genannt.
Also, nun hatten diese Jünger ihren Rausch und haben plötzlich weisse Hasen und weisse Tauben gesehen. Auch haben sie miteinander lustiges Zeugs geredet und furchtbar gelacht. Wer nüchtern dabei gewesen wäre, hätte den Kopf geschüttelt von alledem nicht ein Wort verstanden und folglich auch nichts zu lachen gehabt. Alle waren an diesem Fest gut drauf und ein Volk von einig Brüdern. Sie haben sich gegenseitig auf die Schultern geklopft und ewige Liebe versprochen und munter weitergesoffen.
Den Jüngern ging es auch trotz weisser Taube am nächsten Tag nicht anders als einem anderen Zechbruder: Man hatte Kopfweh, Sehbeschwerden, noch immer ein leichtes Rauschen in den Ohren und sonstige Sinnestrübungen. Die Jünger erinnerten sich noch vage an den lustigen Abend und das sie alle geredet und geredet hatten, dass sich alle miteinander prima verstanden und dass man sich brüderlich in den Armen gelegen ist.
Warum? Das wussten sie am nächsten Morgen auch nicht mehr. Aber das Fest war so hirnrissig gut, dass sie beschlossen, jedes Jahr ein Revival zu machen.
Auch dieses Jahr gibt es wieder ein Revival, wo wir den Tauben, Hasen, dem Sturm und der ewigen Liebe gedenken. Natürlich wird auch heuer das Fest wieder weltweit mit Unmengen von Lustigmachern begangen.
In diesem Sinne - keine Macht den Drogen!
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus
Wohin bewegen wir uns? Bewegen wir uns überhaupt noch? Bewegen wir uns nur noch, wenn uns der Yoga- oder Zumba-Instruktor anschreit, ein Schritt- oder Pulszähler motiviert oder uns 20x Cumulus-Punkte oder 10’000 Superpunkte locken?
Was stimuliert uns noch, dass wir unseren Allerwertesten aus dem Chillmodus erheben? Was braucht es, dass wir in den den Ausgang gehen oder in die Stadt zum Lädelen?
Sind unsere Reize so überstrapaziert, dass wir zu hause nur noch abhängen und sinnentleertes Zeugs machen? Kann es sein, dass die Evolution vorsieht, dass der Mensch zu einem zweidimensionalen Wesen mutiert? Morgens aufsteht, dann Computerarbeit, Touchscreen und Controlpanel bedient? Abends auf dem Heimweg sich mittels iPad und iPhone ablenkt und zu Hause auf Gameconsole, Flatscreen, iPad und iPhone Inhalte und Reize sucht? Haben wir keine Motivation und Kraft mehr für den sozialen Austausch aus Fleisch und Blut.
Sind wir eventuell selber schuld an dieser Misere? Ja, und es gibt nur einen einzigen Ausweg aus dieser Sackgasse:
Wir müssen das Ranking abschaffen!
Die ganze Welt ist indexiert und bewertet:
- Die reichsten Menschen
- Der beste Mitarbeiter
- Das schnellste Auto
- Die besten Restaurants
- Hitparade
- Miss / Mister Universe, World, Schweiz
- Best Club
- Best Film
- Best Act
- Best DJ
- Best Partypic
- Top 10 of…
Kein Wunder getraut sich niemand mehr anders zu sein - jeder ahmt wie ein blökendes Schaf diesen „Besten“ nach. Wer hat noch Mut etwas gut zu finden was nicht in den Top 10 ist? Wer hat Charakter und schwimmt gegen den zähen, stinkenden Strom des stumpfen Einheitsbreis?
Man hört nur noch Musik die in der Hitparade ist und die meisten Likes hat.
Man chillt nur noch in hippen Szene-Bars und Lounges mit dem ewig gleichen, flauen Design ob New York, Shanghai oder Berlin.
Shoppen tut man nur noch in den angesagten Modehäuser von Zara, H&M, Esprit oder Calvin Klein mit der selben Auslage egal ob in Boston, Zürich oder Singapore.
In die Clubs geht man höchstens noch wenn man auf der Gästeliste steht, eine Rose erhält und in den Genuss von Freeflow von irgend einer neokultigen Plörre kommt.
Die Deejays oder nennen wir sie fortan „unfreiwillige Agenten der Musictycoons“ spielen nur noch was gestern, heute oder morgen in den globalen Charts rangiert.

Aber der Mensch und Konsument hat es unbewusst schon längst durchschaut. Warum soll er sich noch die Mühe machen und in den Ausgang gehen? Alles ist berechen- und vorhersehbar. Alles ist Copy/Paste.
Unsere Reize sind überstrapaziert. Was nutzt es da, wenn man mit immer schnellerer Kadenz immer wieder die Plätze 1 bis 10 zelebriert? Nichts ausser, dass sich das Rad noch schneller dreht und noch mehr frustrierte Konsumenten den Kreis der Abstumpfung verlassen.
Was es braucht es der Mut des „Andersseins“. Auf Facebook entdeckt man nur noch, was Millionen Andere schon vor einem entdeckt haben. Wer die Hitparade hört, reizt höchstens noch Rezeptoren, die schon vor langer Zeit abgestumpft sind. Und wer bei H&M einkauft, trägt höchstens das was gestern In war, heute kaputt und morgen in der Kleidersammlung nach Bangladesch.
Also habt Mut anders zu sein: forscht, probiert, schmeckt und hört anderes als die andern. Lehnt euch auf und glaubt keinem Ranking, das nicht von euch selbst ist.
Be different!
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus
Man kann von Fussball halten was man will, aber ich bin wirklich froh darüber, dass die Fussball-WM schon sehr bald losgeht. Und dabei bin ich nicht einmal ein Fussballfan.
Die Fussball-WM in Brasilien ist die letzte Chance der Menschheit. Danach ist Schluss, Ende, Aus, Zappenduster.
Wenn wir das nicht hinkriegen, dann wird die Menschheit zu Zombies. Da bin ich mir ganz sicher. Wir werden zu Untoten, zu Hirntoten Lebewesen die nur noch sinnentleert in den Social-Medias rumscrollen und nach Leben suchen. Und … natürlich in der digitalen Welt nie finden werden. Das Ende der Menschheit, der Menschlichkeit.
Aber noch ist es nicht so weit - eine Chance (vielleicht auch 2-3 mehr) haben wir noch.
Die Fussball-WM wird schaffen, was das Social Network (Deutsch auch gemeinschaftliches Netzwerk genannt) nie schaffen wird. Und dabei sollten doch gerade die sozialen Netzwerke wie z.B. Facebook mit 1 Milliarde Mitgliedern, die Menschen miteinander verbinden. Aber alles was Facebook und Co. schaffen, sind Menschen die sozial vereinsamen, sich selbst administrieren, nach virtuellen Freunden und Ereignissen im Netzwerk suchen … und nicht finden. Arme Online-Welt.
Also: zum Glück geht in 4 Wochen die Weltmeisterschaft los! Dann vereinen wir uns vor den Fernsehern und partizipieren an echten Emotionen, an Freundschaft, am perfekten Fussballabend mit Chips, Bier und Grillwürsten. Wir bekennen Farbe: jubeln und schreien, fallen uns um den Hals und ziehen stolz farbige Fussballdress über. Egal welches Alter, welche Religion, welche Kultur, wieviele Likes wir haben - vor den Fernsehern der Nationen sind wir alle gleich!
Die Fussball-WM wird in über 200 Länder auf über 250 Kanälen live übertragen. Vor den flimmernden Altaren werden täglich über 700 Millionen Menschen die Spiele verfolgen. Das ist sozial, das ist Netzwerk. Da kommt kein Facebook, Instagram, Whatsapp, Path oder wie das ganze Gedöns auch heisst gegen an.

Frei nach dem römischen Zitat von Luvenal: „Panem et Circenses“ also Chips und Spiele, ist die Fussball-WM unsere letzte Chance, mal für einen kurzen Moment die kalten Smartphones stecken zu lassen und der Geselligkeit zu frönen.
Ihr da draussen - Ja, ihr Smartphonebesitzer und Social-Network Junkies:
Freut euch auf die Fussball-WM, seid gesellig und nehmt an der Grundform des menschlichen Miteinanders und Austauschs teil, partizipiert, seid dabei und spürt das echte und warme Leben.
Macht Party!
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus
Was ist los mit unserer schönen Barockstadt? In Solothurn rockt ausser dem Kofmehl und dem ELEVEN so gar nichts mehr. Da wartet man auf die HESO und redet sich ein, dass Besucher von Nah und Fern in die Stadt strömen und wird bitter enttäuscht, dann hofft man, dass das Weihnachtsgeschäft Mensch und Geld in die Stadt spült, hofft auf einen tollen Frühling und damit auf Menschentrauben vor den Schaufenstern. Man hofft und hofft und hofft.
Was ist los mit Solothurn, seinen Geschäften und Beizen, die den Impuls geben und die Lebensader unserer schönen Stadt sind?
Donnerstag Abend, Wetter schön, Temperaturen angenehm: Ich mache einen Bummel durch die Stadt. Es ist 20 Uhr. Oder halt, ist es doch schon nach 21 Uhr? Ich checke nochmals meine Uhr. Nein, es ist 20 Uhr. Was ist passiert? Ein Epedemie? Bin ich der letzte Überlebende? Oder wurde das WM-Finale vorgezogen? Solothurn ist wie ausgestorben, leer und gespenstig still.
Donnerstag Abend: Seit ich denken kann hat Solothurn als einzige Stadt weit und breit Abendverkauf. (Für diejenigen die es nicht wissen oder wieder vergessen haben: Die Geschäfte haben bis 21.00 Uhr geöffnet). Solothurn war mit diesem Ladenöffnungskonzept trendsetting in der Schweiz. Man könnte behaupten Solothurn war wegweisend und vorausschauend und hat unsere Konsum- und Zerstreuungsgesellschaft und die Liberalisierung der Öffnungszeiten vorausgesehen und hat in weiser Voraussicht gehandelt. Ja, das war einmal.
Und was ist heute? Der Treffpunkt am Manorbrunnen ist verwaist, der Märetplatz ist leer. Okay, vielleicht findet Solothurn am Landhausquai statt. Nein, auch nicht. Es ist wohl doch noch etwas zu feucht und kühl. Solheure? Für einen Donnerstagabend… trostlos. Gasbar, Tiger, Wengihaus dito. Aber okay. Es ist ja auch noch nicht Ladenschluss. Oder doch? Die Ladenbesitzer machen das was jeder macht wenn es schlecht läuft: Protektionismus. Jeder schaut auf sich und nicht mehr auf die andern. Es wird kurzerhand oder vielleicht eher schleichend der Solothurner Abendverkauf boykottiert. Die Ladenöffnungszeiten sind nicht mehr geregelt. Nein, jeder macht was er für richtig hält. Viele Geschäfte schliessen schon um 18.30 Uhr andere um 19.30 wieder andere um 20.00 Uhr, einer sogar um 20.45 Uhr. Ein paar Tapfere halten bis um 21.00 Uhr durch. Wie lange noch? Aber auch die Beizen sind nicht besser. An bester Lage werden bei Ladenschluss flugs die Tische hochgeklappt.
Nein, das ist kein Einkaufs- Stadterlebnis mehr. Das ist deprimierend. Da begehen die Läden Selbstmord auf Raten und die Mutter aller Läden, die Stadtvereinigung, unternimmt nichts. Traurig. Keine Innovationen, kein Gegensteuer. Hauptsache gäng wie gäng. Ganz nach dem Motto: Wer sich als erster bewegt fliegt raus.
Jetzt ist natürlich guter Rat teuer. Nein, ist er nicht. Solothurn braucht das Rad nicht neu zu erfinden. Es gibt genügend Städte und gute Beispiele wie es funktionieren könnte. Wir alle sind viel gereist und wissen was toll und gut ist.
Ja aber: … das ist nicht so einfach, das geht in Solothurn nicht, ja aber der Märet am Samstag, das braucht neue Gesetze, da mach ich nicht mit… Eben, wer sich zuerst bewegt hat verloren.
Solothurn, meine Heimatstadt verlass mich nicht, ich liebe Dich! Wir tun alles dafür, dass es nicht wieder heisst: „Psst, Solothurn schloft“.
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus
Eigentlich wollte ich ja über den 1. Mai und seine Konfrontationen schreiben. Wenn ich nun aber einen Text über den 1. Mai schreiben würde, ja dann würde ich mir selbst ins Bein schiessen und wäre genau die selbe Pfeife wie alle andern. Also lasse ich es. Der 1. Mai hat nicht stattgefunden und wenn schon, dann nur in den Medien bei den Heerscharen von Schreiberlingen, Journalisten und Weichspülern wie mir.
Also erspare ich mir diese Schmach und greife das nächste Top-Thema auf: Die Abstimmung über das neue Schweizer Kampfflugzeug - den Gripen. Wobei: Auch das sollte ich mir gut überlegen. Da würde ich mich mal wieder weit aus dem Fenster lehnen. Ach was soll’s, lehne ich mich halt aus dem Fenster. Frische Luft tut schliesslich gut.
Wenn ich mich aus dem Fenster lehne dann hat das drei entscheidende Vorteile und das empfehle ich allen vor allem den Militärgrinden:
1. Ich sehe den Horizont besser
2. Frische Luft hellt meine umnebelten Gedanken auf
3. Ich sehe klarer
Also Augen auf und tief durchatmen. Und plötzlich rieselt mir die Erkenntnis durch mein schwammiges Hirn, ich bin erleuchtet und sehe das ganze Panorama vor mir:
Aber Hallo, wir reden von der Schweizer „Luftwaffe“. Von sage und schreibe ganzen
22 Gripen! Diese 22 Gripen wären dann Bestandteil einer unschlagbaren „Schweizer Air Force“ von total 54!! Kampfflugzeugen.
Wobei diese 54 Kampfflugzeuge nur auf dem Papier und nur zu Bürostunden existieren. Die Realität sieht eher so aus, dass von diesen 54 Flugzeugen etwa 27 im ordentlichen Wartungszyklus sind, 3 derzeit defekt sind, bei 15 gerade Schweizerische Eigenentwicklungen eingebaut werden, von den 9 verbleibenden Kampfflugzeugen 5 Piloten ihre Überzeit kompensieren und es sowieso nach 17.00 Uhr und Feierabend ist und alle nach hause gegangen sind.
Tja, man erinnere sich nur an das entführte äthiopische Flugzeug, das am 17. Februar 2014 um 5:30 Uhr auf Genf zusteuerte, und unsere sagenhafte „Luftwaffe“ noch nicht einsatzbereit war (die Büros waren noch geschlossen). So musste die Maschine der Ethiopian Airlines erst von italienischen Kampfjets abgefangen und später von französischen Militärjets bis zur Landung auf dem Genfer Flughafen eskortiert werden. Bravo Militärgrinde!

Und die ganze Kommunikation dreht sich um die Wehrhaftigkeit der Schweiz im Ernstfall. Gerade heute steht wieder in der Zeitung „Keine ernst zu nehmende Nation gibt freiwillig ihre Luftwaffe auf". (Jonas Grätz, Senior Researcher am Center for Security Studies der ETH).
Ist denn die Schweizer Armee ernst zu nehmen? Eine Luftwaffe von 54 Flugzeugen, die nur zu Bürostunden einsatzbereit ist? Lächerlich!
Die Schweiz sollte erst einmal ihre Hausaufgaben machen und es vermeide sich auf solche „emotionale“ Fragen wie: "Gibt es ohne Schweizer Luftwaffe auch keine Patrouille Suisse mehr"? reduzieren.
Wacht auf, atmet tief durch und seht das ganze Bild:
Es geht nicht um die Beschaffung von 22 Gripen, es geht um den effizienten und sinnführenden Einsatz von 3,2 Milliarden Franken.
Stimmt ab was ihr wollt - Bedrohungen halten sich nicht an Bürostunden.
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus
Die Werbeartikelbranche ist am Boomen wie noch nie. Kein Wunder, sind doch die Produkte oder Dienstleistungen immer transparenter und vergleichbarer. Da muss schon ein Alleinstellungsmerkmal her.
Wenn nun die Produkte und Services immer ähnlicher und damit auch immer emotionsloser werden, dann kommt die Werbebranche ins Spiel. Mit Werbung macht man aus einem schnöden Seat ein "Auto Emocion". Oder aus einem millionenfach verkauften 0815 BMW ein "Freude am Fahren". Seht ihr - man impft uns Emotionen ein, die ab Werk nicht vorhanden sind. Es ist schliesslich nur "Langeweile gepresst in Blech".
Bei den Dienstleistungen und Services ist es übrigens nicht anders. Eine Versicherung spielt mit unseren Ängsten und macht und weis, dass wir ständig und überall, alles aber auch alles verlieren könnten: Hab und Gut, Gesundheit, Leben, Bonusstufen, Arbeit, Ferien etc.
Das sind alles wunderbare Produkte die wir alle benötigen brauchen. Bei der Wahl haben wir oft die Qual. Welches ist nun das Beste? Welches Versprechen das Grösste? Welches ist das momentan angesagteste? Es gibt Freunde, Berater und Comparis die uns alle gut gemeinte Ratschläge geben. Doch wie so oft, ist das Zünglein an der Wage eine kleine simple Aufmerksamkeit.
Und da wären wir bei den Werbegeschenken.
Früher haben wir uns über einen Kugelschreiber oder ein Sackmesser gefreut. Auch eine Kalender mit halbnackten Schönheiten hat unsere Begehrlichkeit geweckt und so manchen Kaufentscheid beschleunigt. Heute ist das nicht anders. Doch werden die Werbekonzepte immer ausgeklügelter, globaler und teurer. Heute verdrängen Konzerne, Ketten und multinationale Unternehmen den kleinen Dorfladen, die freundliche Garage oder den netten Versicherungsberater. Alles wird dem "Corporate" Gedanken untergestellt. Das Corporate steht für "Die Identität, der Auftritt nach aussen" und wird von oben herab, also von der Konzernspitze, von einer Heerschar von externen Beratern und Administratoren rein theoretisch und hoch virtuell entworfen und dann an die Basis zur Umsetzung delegiert.
Verstanden? Also mit der Basis sind die armen Verkäufer und Berater gemeint mit denen es der Kunde tagtäglich zu tun hat. Wie oft haben wir den Spruch schon gehört: "Das geht leider nicht - das haben die da "oben" entschieden".
Also Werbung, Marketing und somit Kundenbindung verkommt langsam aber sicher auf rein digitales Marketing. Die Emotionen werden nur noch via Smartphone, Tablet, Computer oder Fernseher in unsere Köpfe transportiert.
Früher war Kundenbindung noch eine persönliche Sache. Damit meine ich wirklich persönlich: Von Verkäufer zu Kunde. Der Versicherungsberater hatte noch Kalender zu verschenkt und der Autohändler hat eine Flasche Wein zum Geburtstag vorbei gebracht.
Aber zum Glück kann man auch heute noch beim guten Confiseur ein Praliné probieren. Auch der Metzger oder Käser im Dorf reichen ein Stück zum Probieren oder geben den Kindern etwas. Mit Speck Mäuse! Aber das haben wohl die Meisten vergessen.
Jetzt kommt's: Insbesondere die Banken haben es vergessen.
Wo ist das Marketing, die Kundenbindung der Banken?
Eine tiefe Hypothek? Das ist keine Kundenbindung - das ist ein Vertrag. Die Sparzinsen? Das ist ein geradezu lächerlicher Vertrag. Ich gebe ihnen mein Geld und bekomme dafür 0.01% Zins - wahnsinnig grosszügig. Die Gebühren für Kontoführung, Kontokärtli und Kreditkarten? Eine Frechheit.
Hier eine kleine Anregung für die Banken:
Anstelle von millionenteuren Corporate Image- und Werbekampagnen könnten die Banken wieder dem Kunden am Schalter gedenken. Wie wär's mit: Einem Versucherli? Ich hebe Fr. 100.00 vom Konto ab und die nette Dame am Schalter gibt mir noch einen 5-Liber dazu, ein Versucherli. Das wäre Kundenbindung. Oder wenn's Mami mit den Kindern an Schalter kommt - jedem Kind ein pinkiges Füfzgi geben - fürs Kässeli. Das wär doch mal sympathisch und keiner würd's vergessen.
Macht was draus, ich kann mich nicht um alles kümmern.
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus
Solothurn, genauer gesagt der Kanton Solothurn, macht seinem Ruf als Trittbrettfahrer wieder mal alle Ehre. Okay, wir könnten auch sagen Solothurn, die Stadt Solothurn - also die Kantonshauptstadt - macht ihrem Ruf als verschlafenes, langweiliges Städtchen wieder mal alle Ehre. Ich vermische mal munter Solothurn und Solothurn - das ist einfacher und kümmern tut's eh niemanden.
Solothurn rühmt sich, idealer Standort für die Medizinaltechnik zu sein. So stehen bei uns Weltfirmen wie Synthes, Stryker, Ypsomed oder Mathys und entwickeln und produzieren hier ihre Produkte, weil sie bei uns die notwendigen Kompetenzen für Innovation, Material und Präzision finden. Genial! Ich bin wirklich froh glauben diese Firmen an unseren Wirtschaftsstandort.
Gemäss unserer Wirtschaftsförderung bietet Solothurn der Zukunftsbranche den idealen Nährboden. Ergo ist es dann auch ganz wichtig, dass dieser Nährboden ständig gedüngt wird. Andere Branchen sind auf unserem Boden elendiglich eingegangen. So verschwanden in den letzten Jahren zum Beispiel die Papierfabrik Biberist, der Maschinenhersteller Sulzer und die Zellulosefabrik Attisholz. Um nur einige der ganz grossen zu nennen. Mit ihnen verschwanden ein paar Tausend Arbeitsplätze.
Jeder Boden - vor allem der, der uns ernährt - muss gehegt und gepflegt werden. Aber anscheinend sieht das unsere Regierung nicht so und hat es verpasst, sich als Standort für einen Innovationspark zu bewerben. Solothurn hatte es notabene als einer der einzigen Kantone nicht nötig sich zu bewerben. Alle anderen sahen in der Bewerbung eine Riesenchance.
Es kommt mir vor wie damals, genauer gesagt 2007, als Solothurn es verpasste sich im Zuge der "Neuen Regionalpolitik" (NRP), für Bundesgelder in der Höhe von ca. 3 Millionen zu bewerben. Davon wären 1,4 Millionen à-fonds-perdu gewesen. Einfach vergessen.
Jetzt erzählt uns, unsere Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler, man habe es überprüft, aber tatsächlich nicht mitmachen wollen. Es wäre zu teuer. Aber selbstverständlich würde man gerne als Trittbrettfahrer mitmachen, wenn der Standort in einem Nachbarkanton wäre. Aber dies natürlich auch nur unter gewissen Bedingungen.
Tja, armes Solothurn! Wir sind zwar Standort von ein paar Weltfirmen, und weltmännischem Personal, aber haben weder eine Universität im Kanton noch sind wir Willens eine Denkschmiede und Forschungszentrum zu bauen. Woher sollen dann bitte diese Innovationsfirmen ihr Know-how herholen? Von der Strasse oder von den paar Fachhochschulen im Kanton?

Da braucht es schon mehr. Die Schweiz isoliert sich immer mehr und wir haben nunmal keine natürlichen Ressourcen - ausser dem Faktor Menschen und Kapital. Und diese beiden Faktoren sollten wir schleunigst effizienter einsetzen. Wenn wir uns nicht weiter abgrenzen wollen, dann müssen wir einen Nährboden für Forschung und Entwicklung schaffen. Und das beginnt mit der Regierung und der Ausrichtung ihrer Wirtschaftspolitik. Wenn man einem Innovationspark vorneweg eine Absage erteilt, dann kommt das einer Kapitulation gleich. Armes Solothurn.
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus
Richtig: Es gehört nicht zu den Aufgaben der Post Schoggi, Gummibärchen, Bücher, Post-it, oder Duschköpfe zu verkaufen. Es ist aber auch nicht die Aufgabe der Tankstellen, oder?
Aber warum sollen die das nicht tun? Es ist doch einfach nur die logische Konsequenz seit dem Lädelisterben und ist eine nette Dienstleistung.
Seit dem Vormarsch von Coop und Migros und dem anschliessenden Feldzug von Lidl und Aldi ist in den Dörfern nur noch verbrannte Erde übrig geblieben. Dort wo es früher Quartierlädeli gab und jedes Dorf seinen Metzger und Bäcker hatte, sind heute verlotterte, seit 30 Jahren leerstehende Gewerbeflächen oder es ist unlängst eine Versicherungsfiliale oder ein Coiffeur drin.
Ja, die Grossen haben die Kleinen vertrieben. Und so ein Grossverteiler wie Migros oder Coop schneidet sich natürlich nur das Sahnestück aus dem Kuchen. Die sind sich schon längst viel zu Schade, um in einem kleinen Dorf ein Lädeli zu führen. Entweder es rentiert und es kommt ein "Super-Center" hin oder man gibt die Filiale im Dorf auf. Ja, wo sollen nun alle die Menschen hin, die noch schnell, ein paar Sachen brauchen? Da bleibt oft die einzige Möglichkeit die Tankstelle oder die Post. Wobei die Post den entscheidenden Nachteil hat, dass sie nur normale Ladenöffnungszeiten hat.
Denken wir mal ein bisschen weiter: Bei der fortschreitenden Überalterung sind bald einmal 25% der Schweizer Bevölkerung über 65 Jahre alt. Mit dem fortschreitenden Alter sinkt die Mobilität. Altersheime werden bald zum Dorfbild gehören wie die Strassenbeleuchtung. Wo sollen dann bitte diese netten, alten Menschen ihr Schoggistängeli holen, wenn sie mit dem Rollator unterwegs sind? Die Kraft reicht höchstens noch bis zur Post. Die letzte Bastion im Dorf. Ja, die Post macht das richtig. Als Quasi-Staatsbetrieb hat sie auch das Monopol bei den Postfilialen und muss ein flächendeckendes Poststellennetz anbieten. Da würde selbst ich, als gelangweilter Postschalterbeamte in meinem verwaisten Dorf gerne ein paar Zusatzdienstleistungen anbieten. Erstes würde meine Aufgabe spannender und abwechslungsreicher und Zweitens würde ich meinem Dorf einen echten Gefallen tun. Ich würde sogar um verlängerte Öffnungszeiten anfragen und Bier, Brot und Käse verkaufen. Poststellen sollen bis um 00.00 Uhr offen haben.

Wenn nun die Post diese Dienstleistungen nicht mehr anbieten darf oder soll, dann bräuchte es unbedingt eine Gesetzesänderung, die den geänderten Bedürfnissen nach längeren Öffnungszeiten gerecht würde. Der Gewerbeverband soll doch bitte nicht diese Dienstleistung der Post nicht als Dorn im Auge sehen sondern eher als Motivation es ihr gleich zu tun und etwas in Richtung Liberalisierung unternehmen. Neid und Missgunst und Verhinderungsstrategien sind kein Konzept. Ich bin überzeugt, dass viele Kleinunternehmer gerne einen Dorfladen betreiben würden. Ebnet denen den Weg. Schaut mal in England oder den USA. Dort gibt es alle paar 100 Meter ein Quartierlädeli, das auf 10m2 einfach alles, vielleicht mit Ausnahme vom Rasenmäher, anbietet.
Wäre es möglich, hätte ich sofort ein Quartierlädeli. Am Besten gleich neben der Alterssiedlung.
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus
Schwarzmalen ist wunderbar. Das mache ich wahnsinnig gerne. Da kann man in allen Facetten die Abgründe unserer Gesellschaft und deren Seele farbenfroh ausleuchten. Dabei bin auch dann auch gleich noch gerne piätätslos. Schwarz-Weiss Malen nimmt halt keine Rücksicht auf Verluste. Dafür entschuldige ich mich schon mal vorneweg. Sorry.
Nun, ich entführe euch mal in ein Gedankenspiel - und Gedanken sind ja bekanntlich frei. "Entführen" das ist das richtige Stichwort. Es ist zweifellos eine schreckliche Sache, dass diese Boing MH 370 mit 239 Menschen plötzlich fehlt, einfach weg ist, vom Radar verschwunden. Mein Beileid an alle Betroffenen.
Aber was sind schon 239 Menschen? Ein Riesengeschrei und mediale Aufmerksamkeit für eine statisches Ereignis. Plötzlich fehlen 239 Menschen und wahrscheinlich kommen die nie wieder zurück. Traurige, nicht rückgängig machbare Tatsache.
Nun stellt euch aber vor, dass in nicht allzu fernen Zukunft, nämlich genau in der Nacht vom 14. auf den 15. Juni ein Club verschwinden könnte. Was wäre das für eine Tragödie wenn ein Club mit seinen 600 Gästen einfach plötzlich verschwände. Pufff - einfach weg. Das Ausmass der Tragödie hört aber nicht mit der riesigen Lücke auf die in der Landschaft entstehen würde. Nein! Was wird mit den jährlich 40'000 Besucher geschehen, die plötzlich vor einer gähnenden Leere stehen? Wer kümmert sich um diese Leute, welches Care-Team nimmt sich ihrer an? Psychologische Betreuung von traumatisierten Gästen mit Verlustangst?
Wenn ein Club verschwindet, dann verschwindet auch ein Teil der Identität einer Region. Es verschwindet ein Meltin' Pot - ein Schmelztiegel der Gefühle. Wieviele Liebesbeziehungen werden in einem Club gegründet? Wieviele Beziehungen werden in einem Club auf die Probe gestellt? Wieviele Kinder entspringen einer ausgelassenen Clubnacht? Wieviele Geschäftsbeziehungen werden in einer lustigen Runde in der Lounge beschlossen? In einem Club werden Charakteren gebildet, Menschen geformt. Ein Club übernimmt oftmals mehr Erziehung und Horizonterweiterung als so manches Elternhaus oder Ausbildungsplatz. Ein Club ist ein Transportmittel der Gefühle.

Wenn ein Club verschwindet, dann verschwindet eine identiätstiftende Institution. Party kommt von "be part of something". Beim Party machen ist man ein Teil eines Ganzes. Man teilt seine Interessen, seine Freude, seine Lebenserfahrung mit anderen und das in einer friedlichen, entspannten Atmosphäre frei von Leistungsdruck.
Der Club ELEVEN wird vom 14. auf den 15. Juni vom Radar verschwinden. Wir haben unsere Suchtrupps schon vor 3 Jahren losgeschickt einen alternativen Landeplatz zu finden. Die Suchtrupps waren sehr fleissig und bedienten sich modernster Hilfsmittel, doch leider ist noch immer kein Land in Sicht. Der Sprit wird langsam knapp und die Notsignale wurden abgesetzt. Wir hoffen, dass sie rechtzeitig erhört werden.
Ansonsten verschwindet ein Club mit seinen 40'000 Gästen und wird eine grosse Lücke hinterlassen. Diese Lücke wird auch Facebook nicht füllen können.
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus
Ist das herrlich: Frühling, Sonne, Wärme, und keimende Knospen lassen unsere Herzen höher schlagen. Dieser Frühling wirkt Wunder auf Körper und Geist. Nach diesem miesen Winter ist das auch mal nichts als Fair von den Jahreszeiten.
Diese Tage steigt unsere Motivation wieder ins Unermessliche. Wir werden hyperaktiv, die Baumärkte und Gartencenter verzeichnen Besucherrekorde, Autoverkäufer erfreuen sich einer immer länger werdenden Warteschlange und verteilen Luftballons und unser, vom Winterschlaf eingerosteter Sexualtrieb, bekommt einen kräftigen Biobooster.
Und wer ist an diesen ganzen Glücksgefühlen schuld?
1, 2 oder 3 ob ihr recht habt oder nicht, sagt euch gleich das Licht!
Genau, das Lich! Denn mit zunehmendem Sonnenschein und steigender UV-Strahlung nimmt nämlich die Ausschüttung von Endorphin zu, das wiederum für die Produktion der sogenannten "Glückshormone" Serotonin und Dopamin zuständig ist. Und diese Glückshormone lieben wir. Kaum ein bisschen wärmendes Sonnenlicht und wir fühlen uns gleich viel gesünder, ausgeglichener, unternehmungslustiger, stärker, attraktiver, ja sogar euphorischer! Danke liebe Sonne!
Serotonin wird zu etwa 90 % im Magen-Darm-Trakt gespeichert. Aha - daher kommt wohl auch der Ausdruck "Liebe geht durch den Magen"!
Zu den wichtigsten Funktionen des Serotonins zählen die Steuerung oder Beeinflussung der Wahrnehmung, des Schlafs, der Temperaturregulation, der Sensorik, der Schmerzempfindung und Schmerzverarbeitung, des Appetits, des Sexualverhaltens und der Hormonausschüttung.
Serotonins bekannteste Wirkung ist aber seine Auswirkung auf unsere Stimmungslage. Nicht umsonst wird Serotonin auch als "Glückshormon" bezeichnet. Serotoninmangel kann Angst, Aggression oder Depression auslösen. Genügend Serotonin hebt die Stimmung und kann zu leichter Euphorie führen. Aber Achtung: Eine Überdosis Serotonin kann wie LSD zu Unruhe bis gar zu Halluzination führen.
Aber Serotonin hat auch seine Schattenseiten. Hat es doch primär eine hemmende Wirkung auf das Sexualverhalten und die Sexualfunktionen. Aber keine Angst wir haben ja noch das Dopamin!
Dopamin ist auch ein "Glückshormon" und ist hauptsächlich für unseren Antrieb und die Motivation zuständig. Es ermöglicht Fantasie und Spontanität. Daher kommt wohl im Frühling unsere Unternehmungslust und unsere verrückten Ideen.

Also meine Empfehlung: Raus an die Sonne, fülle Deinen Tank mit Selbstvertrauen, Glücksgefühlen, Attraktivität und Ausgeglichenheit. Dann bist Du der umwerfende Mittelpunkt jeder Party.
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus
Guten Morgen liebe sonnige Schweiz. Ich wünsche allen einen wunderbaren Tag und Dankbarkeit dafür, dass wir arbeiten können, etwas zu arbeiten haben und dafür gerecht entlöhnt werden. Hallelujah!
Was nun folgt, ist wohl eher nicht mehr lustig. Wer also lieber etwas lustiges und oberflächliches lesen will, der soll jetzt ein paar Cartoons von Bart Simpson reinziehen und abschalten.
Ja, besteht eigentlich unser ganzes Leben nur noch aus abschalten? Aus chillen, rumhängen, sich gehen lassen und der Verantwortung entziehen?
In der Schweiz kommen langsam aber sicher Züge eines degenerierten Feudalstaates zum Vorschein. Hier wird nicht mehr redlich gearbeitet sondern es werden einander "unter Freunden" Arbeiten zugeschanzt die entweder schludrig oder gar nicht ausgeführt werden und dies zu total überrissenen Preisen. Selbstverständlich gibt es überall Kontrollmechanismen, Schwellenwerte, Kostendächer, Vergabegrundsätze, Geschäftsprüfungskommissionen, Revisionsstellen, Eidgenössische Finanzkontrolle etc etc etc.
Es liegt mir fern irgend jemanden in die Pfanne zu hauen. Das können gern andere tun. Nein es geht mir um das Grundsätzliche. Es gibt wohl kein Land auf der Erde wo alles sooooo durchorganisiert und reglementiert ist. Da bleibt eigentlich kein Spielraum für Interpretationen mehr. Auf Schritt und Tritt treffen wir auf Gebote und Verbote. Total nervend.
Ich illustriere das mal anhand von einem anderen Beispiel: Dem Verkehr. Wer auf unseren Strassen geht oder fährt der trifft mindestens alle 20 Meter auf eine Gebots- oder Verbotstafel oder eine Markierung am Boden. Wir werden vom logischen Mitdenken total entmündigt. Wenn ich bei einer geschlossenen Bahnschranke einfach aus der Seitenstrasse rausfahre ohne beim Stopp-Schild anzuhalten werde ich gebüsst. Ja, ist mir passiert. Ich habe mitgedacht: Wenn die Bahnschranke unten ist, kann mich schliesslich gar kein Verkehr gefährden. Aber Gesetz ist Gesetz! Punkt, aus, Amen. Busse bezahlen. Und so geht es weiter. Unser Verkehr ist so überreguliert, dass er erstickt. Jeder Verkehrsteilnehmer beharrt auf sein Recht und kastriert so seinen gesunden Menschenverstand. Recht ist Recht, ist Recht!
Wir schaffen uns ein Umfeld wo jeder nur noch seinen "Job" macht. Gemäss "Arbeitsplatzbeschreibung" und was noch in der ISO-Norm geregelt ist. Zertifizierte Arbeitsplätze der Tod unserer Wirtschaft.
Wo sind die Leute geblieben, die sich "berufen" fühlen? Wo sind die Politiker, die sich berufen fühlen unsere Missstände zu ändern. Und ich meine jetzt nicht die Politiker die gerade einen Profilierung- oder Quotenschub brauchen.
Ein Beruf ist ein "Job". Den muss man halt machen damit zuhause die hungrigen Mäuler gestopft werden. Mir scheint, es gibt nur noch Leute die einen "Job" als einen Beruf haben. Schaut mal auf Facebook, Facebook ist ein Sammelbecken für den ganzen beruflichen Anschiss, eine stumme Klagemauer mit vielen idiotischen "Likes".
Wo sind die Menschen geblieben, die sich berufen fühlen, die einer inneren Stimme folgen? Die aus Überzeugung und Leidenschaft etwas tun? Menschen die ihr Leben einer Einstellung, einer Liebe zum Beruf unterordnen? Die heutige Einstellung vieler, ständig den Job wechseln zu müssen, um Entlöhnung, Herausforderung, Arbeitsweg, Networking etc. zu optimieren ist krank und jeder ist an seiner inneren Unzufriedenheit selber schuld. Job-Hopping hat nichts mit Leidenschaft zu tun. Das ist reiner Zweck-Optimismus.
Wenn jeder mit Leidenschaft seinen Tätigkeiten nachginge, dann gäbe es von Haus aus weniger Verfehlungen, weniger Vetterliwirtschaft, weniger Korruption, weniger Missgunst. Die innere Einstellung muss jeder für sich selbst finden und damit glücklich leben können. Aber unser Staat könnte uns dazu bessere Vorlagen liefern und vor allem ein besseres Vorbild sein.
Macht was aus eurem Leben, eurer Berufung - ich kann mich nicht um alles kümmern.
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus