Freitag, 28. Februar 2014

Die 5. Jahreszeit

Die 5. Jahreszeit - die schönste und schnellste Jahreszeit im Jahr. Sie dauert genau eine Woche. Endlich geht sie wieder los - Die Solothurner Fasnacht. Ich möchte nicht wissen wieviele Kinder und vor allem auch Erwachsene, unter schlaflosen Nächten vor lauter Vorfreude litten.

Schlaflose Nächte bei Kindern und Erwachsenen sind ja grundsätzlich anders gelagert. Für die gesunde Entwicklung bei Kindern ist es wichtig, dass sie in andere Identitäten und Rollen schlüpfen können. Kinder lernen durch Nachahmen die Welt zu begreifen. Solange man noch ein Kind ist, ist es völlig okay, wenn man im Rollenspiel seine eigene Schwächen in Stärken umfunktioniert und Ängste überwindet. So wird aus dem schüchternen Mädchen eine unerschrockene Heldin und der schmächtige Knabe zeigt, dass er eigentlich gross und unheimlich stark ist.

Bei uns Erwachsenen ist es ganz anders. Da liegen die Meisten schlaflos im Bett und wälzen Fragen herum wie: Wie nutze ich Maskerade und Alkohol möglichst effizient, um die eine oder andere Prinzessin oder Prinzen flachzulegen? Somit ist die Fasnacht für Erwachsene nun eigentlich auch gar nicht so anders als für Kinder. Da wird schnell mal aus der grauen Maus ein männerverzehrender Vamp oder aus dem langweiligen Beamten ein Casanova. Fasnacht sei Dank.

Früher, ja früher, da war alles noch einfacher. Da hatten wir noch Idole. Idole, das sind eben Vorbilder - so wie man auch gerne wäre. Die eine Hälfte wollte "Old Shatterhand" sein und die andere Hälfte "Winnetou - der Häuptling der Apachen" . Ja, so einfach war das. Da haben wir stundenlang im Garten (Garten, das ist das Ding hinter der Glasscheibe und ich meine nicht den Flatscreen) gespielt. Zuerst verbrachten wir Stunden damit uns Pfeil und Bogen oder ein Gewehr aus Holz zu basteln. Übrigens: Plastik wächst nicht im Garten. Das ist nämlich auch der Grund weshalb die heutige Jugend nicht mehr draussen spielen geht. Dann haben wir bis zur Erschöpfung Cowboy und Indianer gespielt. Manchmal als wir nach Hause kamen und die Mutter gefragt hatte, wo denn die kleine Schwester sei, haben wir gemerkt, dass wir die noch am Marterpfahl gefesselt vergessen hatten.


Aber jetzt kommt's: In Zürich haben die Eltern der Chindsgäggeler und Schüler ein Schreiben erhalten, dass das Tragen von Spielzeugwaffen an der Fasnacht verboten sei. Fertig lustig. Alle Cowboys, Indianer, Ritter, Piraten und Bankräuber werden entwaffnet.

Aber macht nichts - die Kinder in Zürich haben ja auch ganz andere Vorbilder und Idole als wir auf dem unschuldigen Lande. Die werden wohl eher im schwarzen Anzug als Banker gehen, oder als Bordsteinschwalbe oder Drögeler. Das Kostüm "Carlos" wird dieses Jahr wohl auch hoch im Kurs sein. Oder als Proll-BMW verkleidet gehen ist doch auch sicherlich aller Kinder Traum.

Also liebe Mütter, macht was draus. Hauptsache das Kind kommt an die frische Luft.


Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus

Freitag, 21. Februar 2014

Cupcake

Manchmal kann man sich wirklich auf die Zeit verlassen. Auf das Rad der Zeit genauer genommen. Denn das Rad dreht sich unaufhaltsam immer weiter vorwärts. Ich kann nur sagen: "Gott sei Dank ist das so", auch wenn Gottes (Allah, Manitou oder wie auch immer er heisst) Mühlen langsam aber stetig mahlen.

Langsam kann ich aufatmen. Aber man muss sich mal vorstellen: Seit 1955, also beinahe 60 Jahre, hat es gebraucht, bis der weibliche Teil der Schweizer Bevölkerung gerafft hat, dass "Sissi" nur ein Film war und das es den Märchenprinzen, die Märchenhochzeiten und märchenhafte, wallende Kleider in unserer realen, nüchternen und humorlosen Welt nicht gibt. Die realen, unbeschönigten Scheidungsziffern belegen dies schwarz auf weiss. Und wieviel glücklich geschlossene Ehen ein trübes, dunkles Dasein fristen kann erst gar nicht erfasst werden. Willkommen in der Realität.

Aber der Mensch, wäre ja nicht Mensch, wenn er nicht erfinderisch wäre. Es schmerzt halt schon, wenn man ein für allemal realisiert, dass Romy Schneider auch nur eine unglückliche, tragische Frau. Tja und nun kommt's: Was hilft am Besten gegen Traurig sein? Genau: 


Süssigkeiten!

Das wusste auch schon Sissi und erfand kurzerhand die österreichische Süssspeise "Kaiserschmarrn" (engl: royal nonsens). Das Grundrezept ist bei allen Kuchen mehr oder weniger immer das selbe: Eier, Butter, Mehl, Backpulver und jede Menge glücklichmachenden Zucker. Der Rest sind nur noch Variationen.

Und genau an diesem Punkt scheint mir ein neuer Boom in Gange zu sein, ganz im Sinne von: "Sissi ist tot - lang lebe der Cupcake"!

Es scheint mir als ob sich jede Frau im geschlechtsreifen Alter plötzlich als Bäckerin berufen fühlt. Ich kann hinschauen wo ich will: Cupcake, Cupcake, Cupcake. Ich weiss nicht wieviele Freundinnen von mir schon davon geträumt haben ihren eigenen Cupcake-Marktstand zu betreiben. Jede möchte ihren Kolleginnen ihre wunderschönen Cupcake-Kreationen zeigen, Facebook ist voll davon. Danke. Es gibt schon Cupcake Tupperware-Parties. Da werden unsere Frauen wieder zu kleinen Prinzessinnen und ziehen lächerliche Rüschen-Kochschürzen an - also solche wie zu Omas Zeiten und das auch noch freiwillig. Die Cupcake-Kreationen kennen keine Grenzen. Inzwischen werden sie auch schon liebevoll "Fairy Cakes" (Märchen-Kuchen) genannt. So wunderschön und verträumt, dass sie viel zu schade zum Essen sind.

Die Cupcake-Manie erkennt man auch schon an dafür eigens eröffneten Läden in Zürich, Bern oder Basel wie zum Beispiel "cupcake-affair.ch". Eindeutig nur für Frauen. Von Frauen für Frauen. Da haben Männer nichts zu suchen. Die Homepage ist Prinzessinnen-Like in ca. 15 verschiedenen Rosa-Farbtönen gehalten. Sorry, ich weiss, das sind ganz bestimmt nicht einfach "Rosa-Farbtöne" sondern eher: Pink, Nelke, Altrosa, Hellrosa, Zartrosa, Fuchsia… egal. Das sind Fachbegriffe die wir Männer NIE lernen werden.

Ich frage mich bloss: Woher kommt heute dieser weibliche Drang alles durch die Märchenbrille zu sehen? Meine Oma oder meine Mutter, die backen noch fantastische Kuchen ohne diesen ganzen Firlefanz und die schmecken einfach traumhaft. Ich habe doch nicht Lust bevor ich in einen leckeren Gugelhupf (Cupcakes sind für mich nichts anderes als miniaturisierte Gugelhupf) beissen kann, eine 1 cm dicke Schicht Zuckerguss abzuklauben. Oder bevor ich den Cupcake mit 3 Bissen verschlinge zuerst für mindestens 5 Minuten die tolle Dekoration loben muss. Frauen - wir lieben auch auch ohne diese "Fairy Cakes" - bleibt wie ihr seid.


Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus

Freitag, 14. Februar 2014

Valentina und Valentin

Wie jedes Jahr haben wir pünktlich am 14. Februar Xmas-Reloaded. Der Valentinstag ist nichts anderes als der Weihnachts-Ausverkauf.

Für diesen besonderen Tag kauft Mann, ja Mann, schnell mal der Geliebten ein paar Ladenhüter wie Edelsteine, Ohrstecker oder vergammelte Mon Cheri aus der letzten Weihnachtskollektion. Wer auch das nicht auf die Reihe kriegt, geht halt irgendwo mit der Holden ein überteuertes Valentinstag-Menü, mit obligatem Röseli auf dem Tisch, essen. Traurig, abgedroschen, langweilig...Mahlzeit.

Man könnte auch behaupten, der Valentinstag sei nichts anderes als eine Erfindung von Fleurop, um den Blumenabsatz im Winter anzukurbeln. Aber überhaupt: Warum bekommen immer wir Männer das Gefühl, wir müssten der Geliebten zum Valentinstag etwas schenken? Ja und sowieso und über-überhaupt: Warum immer wir Männer? Was ist mit den Frauen? Ich bestehe auf einen Vaselina-Tag. Ich will auch mal verwöhnt werden.

Damit es alle verstehen, reduziere ich mal den Valentinstag auf: "Der institutionalisierte Liebesbeweis". Wenigstens einmal im Jahr sollten wir gemäss gregorianischem Kalender der Geliebten ODER dem Geliebten einen Liebesbeweis erbringen. Das finde ich eigentlich ganz okay und menschlich. Das hat auch nichts mit der Kirche zu tun. Ihr werdet auch gleich erkennen wieso nicht.

Denn wir Menschen sind halt leider noch immer sehr einfach gestrickte Primaten. Männlein und Weiblein verstehen grundsätzlich etwas komplett anderes als Liebesbeweis. Während die holde Valentina vielmehr ein "Gefühlswesen" ist und auf Kleinigkeiten wie ein aufrichtig geflüstertes "Ich liebe Dich" oder eine innige Umarmung reagiert, sind wir Männer eher Liebhaber handfester Beweise, wie zum Beispiel Sex.


Also liebe Valentina und lieber Valentin, wir lernen: Der Valentinstag hat aber überhaupt nichts mit Geschenken zu tun. Flüstert euch nette Sachen ins Ohr und rammelt wie die Hasen. Das ist der ultimative Liebesbeweis. Mit Geld kann man solche Beweise nicht erkaufen. Ehrlich!

Also, kümmert euch drum. Ich kann nicht alles machen.


Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus


Freitag, 7. Februar 2014

In Blech gepresste Langeweile

Autos sind primär ein Fortbewegungs- und Transportmittel!
Okay, ihr habt mich erwischt: Schon im ersten Satz haben sich zwei Fehler eingeschlichen. Dafür entschuldige ich mich. Also ich fange nochmals an:
Autos sind primär ein Statussymbol und langweilig. Ja okay, so stimmt's schon viel besser.

In was für einer Welt leben wir eigentlich? Sorry, sorry, so geht's natürlich auch nicht: Ich verallgemeinere wieder mal ein bisschen zu grosszügig. Also: In was für einer Schweiz leben wir eigentlich?

Es dauert nicht mehr lange und jeder fährt ein Auto made in Germany. Ihr braucht da nicht lange überlegen: Das ist entweder ein BMW, Mercedes oder ein Volkswagen. Und es spielt auch keine Rolle ob ihr euch die Neu- oder Gebrauchtwagen-Statistik anseht. Es sind immer diese Marken, die diese Statistiken anführen. Total langweilig. Unparteiisch, sachlich, neutral wie ich bin, ziehe ich mal über die Marke "BMW" her. Aber ich könnte genauso gut über Mercedes oder VW herziehen.

Man studiere nur mal die Modellvielfalt von BMW. Ich hab sie studiert und verstehe nichts mehr. Früher gab's den 3er, 5er und 7er BMW fertigschluss. Die gute Nachricht zuerst: Den 3er BMW gibt's noch immer. Aber aus dem 3er-Coupé wurde der 4er BMW. Neu hinzu gibt es noch den 3er Gran Turismo und natürlich dann auch noch den 4er Gran Turismo. Hinzukommen noch der 1er, 2er, 6er und alle Xer-BMW.  Die Modellvielfalt wächst, sieht aber einander immer ähnlicher und ist im Prinzip immer dasselbe: Aus Blech geformte Langeweile. In naher Zukunft werden alle nur noch BMW fahren. Das Statussymbol "BMW" ist übermächtig und das schlimme daran ist: Jeder leistet sich einen. Die Frage, ob er es sich leisten kann oder nicht, sei hier nicht diskutiert. Aber wenn sich schon der Lehrling einen X5 leistet, dann ist irgend etwas faul im System. Ob Lehrling oder Direktor, ein jeder fährt BMW.


Und weil jeder einen zweifelsohne perfekten, geleckten, hochglanzpolierten BMW fährt - ist das nur noch öde. Es ist nichts mehr besonderes. Die Verkaufszahlen von BMW sind beeindruckend. Diese Marke tut auch etwas für ihren Erfolg. Keine Nische lässt sie aus, für jeden Käufer äh Leaser hat BMW das richtige Blechkleid parat.

Also, wenn ich nun in naher Zukunft auf dem Parkplatz von Aldi, Lidl oder Spar stehe und sehe, dass: Junge, alte, arme, reiche, gebildete, ungebildete, sportliche, unsportliche, Lehrlinge, Direktoren, Omas, Opas, Frauen, Männer egal wer… in ihren BMW einsteigen, dann ist der Zeitpunkt gekommen, dass ich meinen BMW verkaufe.


Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus


PS. Ich fahre tatsächlich einen BMW