Freitag, 28. März 2014

Das Quartierlädeli

Richtig: Es gehört nicht zu den Aufgaben der Post Schoggi, Gummibärchen, Bücher, Post-it,  oder Duschköpfe zu verkaufen. Es ist aber auch nicht die Aufgabe der Tankstellen, oder?

Aber warum sollen die das nicht tun? Es ist doch einfach nur die logische Konsequenz seit dem Lädelisterben und ist eine nette Dienstleistung.

Seit dem Vormarsch von Coop und Migros und dem anschliessenden Feldzug von Lidl und Aldi ist in den Dörfern nur noch verbrannte Erde übrig geblieben. Dort wo es früher Quartierlädeli gab und jedes Dorf seinen Metzger und Bäcker hatte, sind heute verlotterte, seit 30 Jahren leerstehende Gewerbeflächen oder es ist unlängst eine Versicherungsfiliale oder ein Coiffeur drin.

Ja, die Grossen haben die Kleinen vertrieben. Und so ein Grossverteiler wie Migros oder Coop schneidet sich natürlich nur das Sahnestück aus dem Kuchen. Die sind sich schon längst viel zu Schade, um in einem kleinen Dorf ein Lädeli zu führen. Entweder es rentiert und es kommt ein "Super-Center" hin oder man gibt die Filiale im Dorf auf. Ja, wo sollen nun alle die Menschen hin, die noch schnell, ein paar Sachen brauchen? Da bleibt oft die einzige Möglichkeit die Tankstelle oder die Post. Wobei die Post den entscheidenden Nachteil hat, dass sie nur normale Ladenöffnungszeiten hat.

Denken wir mal ein bisschen weiter: Bei der fortschreitenden Überalterung sind bald einmal 25% der Schweizer Bevölkerung über 65 Jahre alt. Mit dem fortschreitenden Alter sinkt die Mobilität. Altersheime werden bald zum Dorfbild gehören wie die Strassenbeleuchtung. Wo sollen dann bitte diese netten, alten Menschen ihr Schoggistängeli holen, wenn sie mit dem Rollator unterwegs sind? Die Kraft reicht höchstens noch bis zur Post. Die letzte Bastion im Dorf. Ja, die Post macht das richtig. Als Quasi-Staatsbetrieb hat sie auch das Monopol bei den Postfilialen und muss ein flächendeckendes Poststellennetz anbieten. Da würde selbst ich, als gelangweilter Postschalterbeamte in meinem verwaisten Dorf gerne ein paar Zusatzdienstleistungen anbieten. Erstes würde meine Aufgabe spannender und abwechslungsreicher und Zweitens würde ich meinem Dorf einen echten Gefallen tun. Ich würde sogar um verlängerte Öffnungszeiten anfragen und Bier, Brot und Käse verkaufen. Poststellen sollen bis um 00.00 Uhr offen haben.


Wenn nun die Post diese Dienstleistungen nicht mehr anbieten darf oder soll, dann bräuchte es unbedingt eine Gesetzesänderung, die den geänderten Bedürfnissen nach längeren Öffnungszeiten gerecht würde. Der Gewerbeverband soll doch bitte nicht diese Dienstleistung der Post nicht als Dorn im Auge sehen sondern eher als Motivation es ihr gleich zu tun und etwas in Richtung Liberalisierung unternehmen. Neid und Missgunst und Verhinderungsstrategien sind kein Konzept. Ich bin überzeugt, dass viele Kleinunternehmer gerne einen Dorfladen betreiben würden. Ebnet denen den Weg. Schaut mal in England oder den USA. Dort gibt es alle paar 100 Meter ein Quartierlädeli, das auf 10m2 einfach alles, vielleicht mit Ausnahme vom Rasenmäher, anbietet.

Wäre es möglich, hätte ich sofort ein Quartierlädeli. Am Besten gleich neben der Alterssiedlung.

Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus

Freitag, 21. März 2014

Die Solothurner Tragödie

Schwarzmalen ist wunderbar. Das mache ich wahnsinnig gerne. Da kann man in allen Facetten die Abgründe unserer Gesellschaft und deren Seele farbenfroh ausleuchten. Dabei bin auch dann auch gleich noch gerne piätätslos. Schwarz-Weiss Malen nimmt halt keine Rücksicht auf Verluste. Dafür entschuldige ich mich schon mal vorneweg. Sorry.

Nun, ich entführe euch mal in ein Gedankenspiel - und Gedanken sind ja bekanntlich frei. "Entführen" das ist das richtige Stichwort. Es ist zweifellos eine schreckliche Sache, dass diese Boing MH 370 mit 239 Menschen plötzlich fehlt, einfach weg ist, vom Radar verschwunden. Mein Beileid an alle Betroffenen.

Aber was sind schon 239 Menschen? Ein Riesengeschrei und mediale Aufmerksamkeit für eine statisches Ereignis. Plötzlich fehlen 239 Menschen und wahrscheinlich kommen die nie wieder zurück. Traurige, nicht rückgängig machbare Tatsache.

Nun stellt euch aber vor, dass in nicht allzu fernen Zukunft, nämlich genau in der Nacht vom 14. auf den 15. Juni ein Club verschwinden könnte. Was wäre das für eine Tragödie wenn ein Club mit seinen 600 Gästen einfach plötzlich verschwände. Pufff - einfach weg. Das Ausmass der Tragödie hört aber nicht mit der riesigen Lücke auf die in der Landschaft entstehen würde. Nein! Was wird mit den jährlich 40'000 Besucher geschehen, die plötzlich vor einer gähnenden Leere stehen? Wer kümmert sich um diese Leute, welches Care-Team nimmt sich ihrer an? Psychologische Betreuung von traumatisierten Gästen mit Verlustangst?

Wenn ein Club verschwindet, dann verschwindet auch ein Teil der Identität einer Region. Es verschwindet ein Meltin' Pot - ein Schmelztiegel der Gefühle. Wieviele Liebesbeziehungen werden in einem Club gegründet? Wieviele Beziehungen werden in einem Club auf die Probe gestellt? Wieviele Kinder entspringen einer ausgelassenen Clubnacht? Wieviele Geschäftsbeziehungen werden in einer lustigen Runde in der Lounge beschlossen? In einem Club werden Charakteren gebildet, Menschen geformt. Ein Club übernimmt oftmals mehr Erziehung und Horizonterweiterung als so manches Elternhaus oder Ausbildungsplatz. Ein Club ist ein Transportmittel der Gefühle.


Wenn ein Club verschwindet, dann verschwindet eine identiätstiftende Institution. Party kommt von "be part of something". Beim Party machen ist man ein Teil eines Ganzes. Man teilt seine Interessen, seine Freude, seine Lebenserfahrung mit anderen und das in einer friedlichen, entspannten Atmosphäre frei von Leistungsdruck.

Der Club ELEVEN wird vom 14. auf den 15. Juni vom Radar verschwinden. Wir haben unsere Suchtrupps schon vor 3 Jahren losgeschickt einen alternativen Landeplatz zu finden. Die Suchtrupps waren sehr fleissig und bedienten sich modernster Hilfsmittel, doch leider ist noch immer kein Land in Sicht. Der Sprit wird langsam knapp und die Notsignale wurden abgesetzt. Wir hoffen, dass sie rechtzeitig erhört werden.

Ansonsten verschwindet ein Club mit seinen 40'000 Gästen und wird eine grosse Lücke hinterlassen. Diese Lücke wird auch Facebook nicht füllen können.


Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus

Freitag, 14. März 2014

Sonne auf die Augen

Ist das herrlich: Frühling, Sonne, Wärme, und keimende Knospen lassen unsere Herzen höher schlagen. Dieser Frühling wirkt Wunder auf Körper und Geist. Nach diesem miesen Winter ist das auch mal nichts als Fair von den Jahreszeiten.

Diese Tage steigt unsere Motivation wieder ins Unermessliche. Wir werden hyperaktiv, die Baumärkte und Gartencenter verzeichnen Besucherrekorde, Autoverkäufer erfreuen sich einer immer länger werdenden Warteschlange und verteilen Luftballons und unser, vom Winterschlaf eingerosteter Sexualtrieb, bekommt einen kräftigen Biobooster.

Und wer ist an diesen ganzen Glücksgefühlen schuld?
1, 2 oder 3 ob ihr recht habt oder nicht, sagt euch gleich das Licht!

Genau, das Lich! Denn mit zunehmendem Sonnenschein und steigender UV-Strahlung nimmt nämlich die Ausschüttung von Endorphin zu, das wiederum für die Produktion der sogenannten "Glückshormone" Serotonin und Dopamin zuständig ist. Und diese Glückshormone lieben wir. Kaum ein bisschen wärmendes Sonnenlicht und wir fühlen uns gleich viel gesünder, ausgeglichener, unternehmungslustiger, stärker, attraktiver, ja sogar euphorischer! Danke liebe Sonne!

Serotonin wird zu etwa 90 % im Magen-Darm-Trakt gespeichert. Aha - daher kommt wohl auch der Ausdruck "Liebe geht durch den Magen"!
Zu den wichtigsten Funktionen des Serotonins zählen die Steuerung oder Beeinflussung der Wahrnehmung, des Schlafs, der Temperaturregulation, der Sensorik, der Schmerzempfindung und Schmerzverarbeitung, des Appetits, des Sexualverhaltens und der Hormonausschüttung.

Serotonins bekannteste Wirkung ist aber seine Auswirkung auf unsere Stimmungslage. Nicht umsonst wird Serotonin auch als "Glückshormon" bezeichnet. Serotoninmangel kann Angst, Aggression oder Depression auslösen. Genügend Serotonin hebt die Stimmung und kann zu leichter Euphorie führen. Aber Achtung: Eine Überdosis Serotonin kann wie LSD zu Unruhe bis gar zu Halluzination führen.

Aber Serotonin hat auch seine Schattenseiten. Hat es doch primär eine hemmende Wirkung auf das Sexualverhalten und die Sexualfunktionen. Aber keine Angst wir haben ja noch das Dopamin!

Dopamin ist auch ein "Glückshormon" und ist hauptsächlich für unseren Antrieb und die Motivation zuständig. Es ermöglicht Fantasie und Spontanität. Daher kommt wohl im Frühling unsere Unternehmungslust und unsere verrückten Ideen.


Also meine Empfehlung: Raus an die Sonne, fülle Deinen Tank mit Selbstvertrauen, Glücksgefühlen, Attraktivität und Ausgeglichenheit. Dann bist Du der umwerfende Mittelpunkt jeder Party.

Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus

Freitag, 7. März 2014

Beruf und Berufung

Guten Morgen liebe sonnige Schweiz. Ich wünsche allen einen wunderbaren Tag und Dankbarkeit dafür, dass wir arbeiten können, etwas zu arbeiten haben und dafür gerecht entlöhnt werden. Hallelujah!

Was nun folgt, ist wohl eher nicht mehr lustig. Wer also lieber etwas lustiges und oberflächliches lesen will, der soll jetzt ein paar Cartoons von Bart Simpson reinziehen und abschalten.

Ja, besteht eigentlich unser ganzes Leben nur noch aus abschalten? Aus chillen, rumhängen, sich gehen lassen und der Verantwortung entziehen?

In der Schweiz kommen langsam aber sicher Züge eines degenerierten Feudalstaates zum Vorschein. Hier wird nicht mehr redlich gearbeitet sondern es werden einander "unter Freunden" Arbeiten zugeschanzt die entweder schludrig oder gar nicht ausgeführt werden und dies zu total überrissenen Preisen. Selbstverständlich gibt es überall Kontrollmechanismen, Schwellenwerte, Kostendächer, Vergabegrundsätze, Geschäftsprüfungskommissionen, Revisionsstellen, Eidgenössische Finanzkontrolle etc etc etc.

Es liegt mir fern irgend jemanden in die Pfanne zu hauen. Das können gern andere tun. Nein es geht mir um das Grundsätzliche. Es gibt wohl kein Land auf der Erde wo alles sooooo durchorganisiert und reglementiert ist. Da bleibt eigentlich kein Spielraum für Interpretationen mehr. Auf Schritt und Tritt treffen wir auf Gebote und Verbote. Total nervend.

Ich illustriere das mal anhand von einem anderen Beispiel: Dem Verkehr. Wer auf unseren Strassen geht oder fährt der trifft mindestens alle 20 Meter auf eine Gebots- oder Verbotstafel oder eine Markierung am Boden. Wir werden vom logischen Mitdenken total entmündigt. Wenn ich bei einer geschlossenen Bahnschranke einfach aus der Seitenstrasse rausfahre ohne beim Stopp-Schild anzuhalten werde ich gebüsst. Ja, ist mir passiert. Ich habe mitgedacht: Wenn die Bahnschranke unten ist, kann mich schliesslich gar kein Verkehr gefährden. Aber Gesetz ist Gesetz! Punkt, aus, Amen. Busse bezahlen. Und so geht es weiter. Unser Verkehr ist so überreguliert, dass er erstickt. Jeder Verkehrsteilnehmer beharrt auf sein Recht und kastriert so seinen gesunden Menschenverstand. Recht ist Recht, ist Recht!

Wir schaffen uns ein Umfeld wo jeder nur noch seinen "Job" macht. Gemäss "Arbeitsplatzbeschreibung" und was noch in der ISO-Norm geregelt ist. Zertifizierte Arbeitsplätze der Tod unserer Wirtschaft.

Wo sind die Leute geblieben, die sich "berufen" fühlen? Wo sind die Politiker, die sich berufen fühlen unsere Missstände zu ändern. Und ich meine jetzt nicht die Politiker die gerade einen Profilierung- oder Quotenschub brauchen.

Ein Beruf ist ein "Job". Den muss man halt machen damit zuhause die hungrigen Mäuler gestopft werden. Mir scheint, es gibt nur noch Leute die einen "Job" als einen Beruf haben. Schaut mal auf Facebook, Facebook ist ein Sammelbecken für den ganzen beruflichen Anschiss, eine stumme Klagemauer mit vielen idiotischen "Likes".

Wo sind die Menschen geblieben, die sich berufen fühlen, die einer inneren Stimme folgen? Die aus Überzeugung und Leidenschaft etwas tun? Menschen die ihr Leben einer Einstellung, einer Liebe zum Beruf unterordnen? Die heutige Einstellung vieler, ständig den Job wechseln zu müssen, um Entlöhnung, Herausforderung, Arbeitsweg, Networking etc. zu optimieren ist krank und jeder ist an seiner inneren Unzufriedenheit selber schuld. Job-Hopping hat nichts mit Leidenschaft zu tun. Das ist reiner Zweck-Optimismus.

Wenn jeder mit Leidenschaft seinen Tätigkeiten nachginge, dann gäbe es von Haus aus weniger Verfehlungen, weniger Vetterliwirtschaft, weniger Korruption, weniger Missgunst. Die innere Einstellung muss jeder für sich selbst finden und damit glücklich leben können. Aber unser Staat könnte uns dazu bessere Vorlagen liefern und vor allem ein besseres Vorbild sein.

Macht was aus eurem Leben, eurer Berufung - ich kann mich nicht um alles kümmern.

Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus