Freitag, 11. April 2014

Ein Versucherli

Die Werbeartikelbranche ist am Boomen wie noch nie. Kein Wunder, sind doch die Produkte oder Dienstleistungen immer transparenter und vergleichbarer. Da muss schon ein Alleinstellungsmerkmal her.

Wenn nun die Produkte und Services immer ähnlicher und damit auch immer emotionsloser werden, dann kommt die Werbebranche ins Spiel. Mit Werbung macht man aus einem schnöden Seat ein "Auto Emocion". Oder aus einem millionenfach verkauften 0815 BMW ein "Freude am Fahren". Seht ihr - man impft uns Emotionen ein, die ab Werk nicht vorhanden sind. Es ist schliesslich nur "Langeweile gepresst in Blech".

Bei den Dienstleistungen und Services ist es übrigens nicht anders. Eine Versicherung spielt mit unseren Ängsten und macht und weis, dass wir ständig und überall, alles aber auch alles verlieren könnten: Hab und Gut, Gesundheit, Leben, Bonusstufen, Arbeit, Ferien etc.

Das sind alles wunderbare Produkte die wir alle benötigen brauchen. Bei der Wahl haben wir oft die Qual. Welches ist nun das Beste? Welches Versprechen das Grösste? Welches ist das momentan angesagteste? Es gibt Freunde, Berater und Comparis die uns alle gut gemeinte Ratschläge geben. Doch wie so oft, ist das Zünglein an der Wage eine kleine simple Aufmerksamkeit.

Und da wären wir bei den Werbegeschenken.

Früher haben wir uns über einen Kugelschreiber oder ein Sackmesser gefreut. Auch eine Kalender mit halbnackten Schönheiten hat unsere Begehrlichkeit geweckt und so manchen Kaufentscheid beschleunigt. Heute ist das nicht anders. Doch werden die Werbekonzepte immer ausgeklügelter, globaler und teurer. Heute verdrängen Konzerne, Ketten und multinationale Unternehmen den kleinen Dorfladen, die freundliche Garage oder den netten Versicherungsberater. Alles wird dem "Corporate" Gedanken untergestellt. Das Corporate steht für "Die Identität, der Auftritt nach aussen" und wird von oben herab, also von der Konzernspitze, von einer Heerschar von externen Beratern und Administratoren rein theoretisch und hoch virtuell entworfen und dann an die Basis zur Umsetzung delegiert.

Verstanden? Also mit der Basis sind die armen Verkäufer und Berater gemeint mit denen es der Kunde tagtäglich zu tun hat. Wie oft haben wir den Spruch schon gehört: "Das geht leider nicht - das haben die da "oben" entschieden".
Also Werbung, Marketing und somit Kundenbindung verkommt langsam aber sicher auf rein digitales Marketing. Die Emotionen werden nur noch via Smartphone, Tablet, Computer oder Fernseher in unsere Köpfe transportiert.

Früher war Kundenbindung noch eine persönliche Sache. Damit meine ich wirklich persönlich: Von Verkäufer zu Kunde. Der Versicherungsberater hatte noch Kalender zu verschenkt und der Autohändler hat eine Flasche Wein zum Geburtstag vorbei gebracht.
Aber zum Glück kann man auch heute noch beim guten Confiseur ein Praliné probieren. Auch der Metzger oder Käser im Dorf reichen ein Stück zum Probieren oder geben den Kindern etwas. Mit Speck Mäuse! Aber das haben wohl die Meisten vergessen.



Jetzt kommt's: Insbesondere die Banken haben es vergessen.

Wo ist das Marketing, die Kundenbindung der Banken?


Eine tiefe Hypothek? Das ist keine Kundenbindung - das ist ein Vertrag. Die Sparzinsen? Das ist ein geradezu lächerlicher Vertrag. Ich gebe ihnen mein Geld und bekomme dafür 0.01% Zins - wahnsinnig grosszügig. Die Gebühren für Kontoführung, Kontokärtli und Kreditkarten? Eine Frechheit.

Hier eine kleine Anregung für die Banken:
Anstelle von millionenteuren Corporate Image- und Werbekampagnen könnten die Banken wieder dem Kunden am Schalter gedenken. Wie wär's mit: Einem Versucherli? Ich hebe Fr. 100.00 vom Konto ab und die nette Dame am Schalter gibt mir noch einen 5-Liber dazu, ein Versucherli. Das wäre Kundenbindung. Oder wenn's Mami mit den Kindern an Schalter kommt - jedem Kind ein pinkiges Füfzgi geben - fürs Kässeli. Das wär doch mal sympathisch und keiner würd's vergessen.

Macht was draus, ich kann mich nicht um alles kümmern.


Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus

Freitag, 4. April 2014

Trittbrettfahrer

Solothurn, genauer gesagt der Kanton Solothurn, macht seinem Ruf als Trittbrettfahrer wieder mal alle Ehre. Okay, wir könnten auch sagen Solothurn, die Stadt Solothurn - also die Kantonshauptstadt - macht ihrem Ruf als verschlafenes, langweiliges Städtchen wieder mal alle Ehre. Ich vermische mal munter Solothurn und Solothurn - das ist einfacher und kümmern tut's eh niemanden.

Solothurn rühmt sich, idealer Standort für die Medizinaltechnik zu sein. So stehen bei uns Weltfirmen wie Synthes, Stryker, Ypsomed oder Mathys und entwickeln und produzieren hier ihre Produkte, weil sie bei uns die notwendigen Kompetenzen für Innovation, Material und Präzision finden. Genial! Ich bin wirklich froh glauben diese Firmen an unseren Wirtschaftsstandort.

Gemäss unserer Wirtschaftsförderung bietet Solothurn der Zukunftsbranche den idealen Nährboden. Ergo ist es dann auch ganz wichtig, dass dieser Nährboden ständig gedüngt wird. Andere Branchen sind auf unserem Boden elendiglich eingegangen. So verschwanden in den letzten Jahren zum Beispiel die Papierfabrik Biberist, der Maschinenhersteller Sulzer und die Zellulosefabrik Attisholz. Um nur einige der ganz grossen zu nennen. Mit ihnen verschwanden ein paar Tausend Arbeitsplätze.

Jeder Boden - vor allem der, der uns ernährt - muss gehegt und gepflegt werden. Aber anscheinend sieht das unsere Regierung nicht so und hat es verpasst, sich als Standort für einen Innovationspark zu bewerben. Solothurn hatte es notabene als einer der einzigen Kantone nicht nötig sich zu bewerben. Alle anderen sahen in der Bewerbung eine Riesenchance.

Es kommt mir vor wie damals, genauer gesagt 2007, als Solothurn es verpasste sich im Zuge der "Neuen Regionalpolitik" (NRP), für Bundesgelder in der Höhe von ca. 3 Millionen zu bewerben. Davon wären 1,4 Millionen à-fonds-perdu gewesen. Einfach vergessen.

Jetzt erzählt uns, unsere Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler, man habe es überprüft, aber tatsächlich nicht mitmachen wollen. Es wäre zu teuer. Aber selbstverständlich würde man gerne als Trittbrettfahrer mitmachen, wenn der Standort in einem Nachbarkanton wäre. Aber dies natürlich auch nur unter gewissen Bedingungen.

Tja, armes Solothurn! Wir sind zwar Standort von ein paar Weltfirmen, und weltmännischem Personal, aber haben weder eine Universität im Kanton noch sind wir Willens eine Denkschmiede und Forschungszentrum zu bauen. Woher sollen dann bitte diese Innovationsfirmen ihr Know-how herholen? Von der Strasse oder von den paar Fachhochschulen im Kanton?


Da braucht es schon mehr. Die Schweiz isoliert sich immer mehr und wir haben nunmal keine natürlichen Ressourcen - ausser dem Faktor Menschen und Kapital. Und diese beiden Faktoren sollten wir schleunigst effizienter einsetzen. Wenn wir uns nicht weiter abgrenzen wollen, dann müssen wir einen Nährboden für Forschung und Entwicklung schaffen. Und das beginnt mit der Regierung und der Ausrichtung ihrer Wirtschaftspolitik. Wenn man einem Innovationspark vorneweg eine Absage erteilt, dann kommt das einer Kapitulation gleich. Armes Solothurn.


Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus