Freitag, 16. Januar 2015

Halbvoll

Hallo Ihr lieben Misten (Pessi oder Opti)

Da haben wir es Schwarz auf Weiss, Pixel auf Pixel: Ich habe mich mal wieder selbst beschissen. Ich hab mir jahrelang was vorgemacht und jetzt das. Was für eine Gemeinheit. Dabei ging es mir doch so richtig gut, ich war wunderbar selbstzufrieden und selbstgefällig.
Warum bloss das jetzt? War mein Opfer nicht gross genug? Hab ich nicht genug Schlechtes in die Waagschale geworfen. War ich ungenügend? Hab ich nicht genug gelitten, gejammert, geflucht, nicht genug Negatives gesehen? War denn mein Glas nicht immer halb leer? Jahrelang habe ich das Mantra „Alles ist schlecht, alles ist negativ, Gutes gibts gar nicht“ immer und immer wieder runtergeleiert. Ich war ein Musterschüler, ich war die Krönung, ich war die Reinkarnation des Pessimismus!

Aber klar - ich hätte es schon damals wissen müssen. Ich war einfach nicht Pessimist genug.

Aber nein, ich Trottel glaube wie ein hoffnungsloser Optimisten dieser Studie der Universität Erlangen-Nürnberg: „Pessimisten leben länger als Optimisten“. Wäre ich doch nur pessimistisch gewesen und hätte es nicht geglaubt!


Tja, und dann kommen diese US-Forscherin Rosalba Hernandez, analysiert, beweist, und dokumentiert, dass Optimisten länger leben.

Gut, nun muss halt ich meine ganze Lebenseinstellung ändern - will ich doch 120 Jahre alt werden. Ja, das werde ich. Wow, ich werde 120 Jahre alt! Als geborener Optimist ist das für mich ein Kinderspiel - 120 - ein Klacks.

Ja, liebe Wirtschaft- und Börsenanalysten, nehmt euch doch mal vor, etwas optimistischer zu sein. Seht nicht immer gleich das Ende der Welt, wenn sich ein Titel oder Index nicht in die Richtung bewegt wie es ihr Halbgötter gern hättet (worauf ihr eine Menge Geld verwettet, das nicht euch gehört). Wenn mal eine einzelne Wolke vor der Sonne steht, die ihr nicht habt kommen sehen, dann heisst das nicht gleich, das ewige Dunkelheit über uns hereinbricht.

Optimisten leben länger und vor allem positiver. Optimisten sind gesünder und haben eine anziehende Ausstrahlungskraft. Und vor allem: Optimisten erholen sich schneller von Schicksalsschlägen.

Aber, wie mmer gibt’s auch da einen Haken. Nehmen wir die Aussage der Studie: „Das positive Denken verringert das Sterberisiko“! Hääää? Soviel ich weiss, ist das Sterberisiko 100%. Habe jedenfalls bisher noch keinen Unsterblichen getroffen.

In diesem Sinne - ein Hoch auf das Leben.

Schönes Weekend

Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche

Euer Flaschengeist
Markus

Freitag, 9. Januar 2015

Wischbewegung

Hallo liebe Leute

Es ist schon immer wieder erstaunlich, was die Wissenschaft für unnütze Forschungsresultate hervorbringt. Aber Gott sei Dank gibt es für diese Sparleuchten den „Ig-Nobelpreis“ (ignoble = unwürdig, schmachvoll). Das ist der Anti-Nobelpreis. So hat z.B. letztes Jahr der Physiker Kiyoshi Mabuchi diesen Preis erhalten, weil er eine wissenschaftliche Studie zum Thema „Was passiert, wenn man auf eine Bananenschale tritt“ veröffentlicht. Ganz ohne Flachs, wirklich wahr!

Meiner Meinung nach hat ihn auch der Forscher Arko Gosh vom Institut für Neuroinformatik  von der Universität und der ETH Zürich mit Applaus verdient. In seiner Studie, die er in der wissenschaftlichen Zeitung „Cell“ veröffentlicht hat, beweist er dass:
"Wer oft Smartphones benutzt, gewisse Hirnregionen trainiert".
Hurra, wie bahnbrechend ist denn diese Erkenntnis? Das liegt ja wohl auf der Hand. Wer etwas Neues lernt, regt immer seine Hirnaktivität an, ist doch logo. Sei es nun der Dreikäsehoch im Sandkasten, der lernt mit dem Backförmchen einen perfekten Gugelhupf zu machen, der Kindergärtner sich die Schuhe zu binden, später komplizierte Matheaufgaben zu lösen, Snowboard zu fahren oder das neue Smartphone zu bedienen.

Egal wer was auf welcher Stufe lernt, da werden immer gewisse Zonen im Gehirn angeregt und werden aktiver als andere. Da spielt es keine Rolle, ob wir gewisse Bewegungsabfolgen intuitiv machen oder ob wir sie zuerst Schritt für Schritt lernen müssen.



Ja und nun kommt Arko Gosh und sagt uns, dass wer täglich auf seinem Smartphone mit Wischbewegungen, Drehgesten, Zoomgesten, Tap und Double Tap rumfuchtelt, die Aktivitäten in seinem Hirn extrem beeinflusst. Die Kernaussage seiner Forschung ist: „Die digitale Technik, die wir im Alltag nutzen, formt die Sinnesverarbeitung in unserem Gehirn“. Tja, wer hätte das gedacht?

Da wurde mal wieder bewiesen was schon 1928 in der Dreigroschenoper klar wurde: „Denn die einen sind im Dunkeln und die andern sind im Licht. Und man sieht die im Lichte und die im Dunkeln sieht man nicht".

Mich würde da viel mehr interessieren, welche Hirnregionen wegen den Smartphones jämmerlich verkümmern ? Aber wo bekanntlich keine Hirnströme mehr vorhanden sind, gibt es  auch nichts mehr zu messen.

Wir kennen alle diese Situationen wenn unsere geliebten Mitmenschen völlig weggetreten und nicht mehr ansprechbar sind, wenn sie ihr VIP-Profil administrieren oder nur noch schnell alle neuen Posts checken. Wer sitzt denn heute noch im Zug oder an der Bushaltestelle ohne Smartphone in der Hand? Nehmen wir die Welt um uns herum noch wahr? In San Francisco zog ein Mann eine Waffe und fuchtelte damit rum und niemand merkte es - bis er einen erschoss!  Am Mittagstisch stieren alle lieber auf ihre Smartphone, als sich über das leckere Essen oder die netten Gesprächspartner zu freuen.

Wo führt das hin? Sind wir schon bald alle hirntot? Egal wohin wir uns bewegen - Hauptsache wir haben noch die Wischbewegung drauf.

Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche

Euer Flaschengeist
Markus