Freitag, 25. Oktober 2013

Grosse Ohren

Es gibt genügend Comedians und Satiriker, die sich mit unseren Politikern beschäftigen. Comedians und Satiriker haben die Fähigkeit kleine, feine Eigenheiten eines Politikers herauszuschälen und dann masslos zu verzerren und auf die Spitze zu treiben. Sie trampeln auf deren Eigenarten herum wie eine brünftig gewordene Kuhherde auf einer Frühlingsweide.

Genau, dafür gibt es die Comedians und Satiriker. Dazu braucht es nicht mich. Da würde kein Mensch lachen, die würden höchstens erstaunt oder gar fassungslos dasitzen und fragen: "Was soll das?"

Genau das frage ich mich auch: "Was soll das?" Was soll das Theater um den Abhörskandal? Wow unglaublich, da bin ich aber ausserordentlich erstaunt. Unsere Politiker werden bespitzelt und abgehört? Ne, das konnte ich nicht ahnen. Die arme Angela Merkel und Ueli Maurer, die Beiden sollen Lauschangriffen zum Opfer gefallen sein.



Jetzt mal ehrlich: "Was um Himmels willen, will da die USA belauschen? Die grossen Ohren der Amis hören Politikern zu. Politikern aus dem reichen, trägen, faulen, verzankten, sich blockierenden, innovations-verhindernden, konsens-suchenden, profillosen Europa. Natürlich hören sie auch Nordkorea, Iran oder Syrien ab. Das wiederum wird um ein vielfaches spannender und für die "nationale Sicherheit" relevanter sein.

Was hören wohl die NSA wenn Sie Angela Merkel oder Ueli Maurer belauschen??

  • äh, ehm, da muss ich mich mit meinen Ratskollegen beraten ...
  • äh, das ist eine Interessante Frage, eine Antwort darauf habe ich leider auch nicht …
  • äh, wir, und damit meine ich wir alle, müssen enger zusammenstehen …
  • äh das ist nicht so einfach ...
  • äh, ich sage in aller Klarheit, das ist zur Zeit noch unklar …
  • äh, ich meine, die andern müssten mal ihre Meinung ändern …
  • äh, ich neige zur Antwort …
  • äh, ich komme gerne auf ihre Frage zurück, aber lassen sie mich zunächst sagen ...
  • äh, die Politikerlöhne sind zu tief …
  • äh, lassen sie mich nur noch einen Satz sagen …
Äh ja, da können die NSA solange abhören wie sie wollen - da wird nichts Schlaues rauskommen. Nichts was wir eh schon lange wissen. Besser sie hören zwei Hausfrauen ab, die sich über ihre Wunderkinder unterhalten. Die reden auch ohne Punkt und Komma und sagen auch nichts intelligentes - aber: Es ist lustig!

Reden wir drüber!


Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche

Euer Flaschengeist
Markus

Freitag, 18. Oktober 2013

Knapp einer Katastrophe entkommen

Gott sei Dank! Auch Allah sei Dank und Hare Krishna, Jehova, Mammon, Manitou und wie sie alle heissen, sei auch Tausend Dank. Ein riesiges Dankeschön an diese glücksbringenden Lichtgestalten, die ihre Hand schützend über uns gehalten haben. "Vergelt's Gott" Allah, Hare Krishna, ähhh nun ist genug.

Solothurn ist einer Katastrophe gerade eben knapp entkommen. Wir sind sozusagen in letzter Sekunde dem Teufel vom Wagen gefallen. Ufff!! Das hätte ins Auge gehen können, ganz ganz schlimm, ganz böse.

Nein, ich rede jetzt nicht von der "Einigung in letzter Sekunde" bei der amerikanischen Zahlungsunfähigkeit. Sicherlich, das wäre auch schlimm gewesen und viele Leute hätten auch hierzulande verhungern müssen, weil McDonald's hätte schliessen müssen, Nein, ich rede von einer verheerenden Umweltkatastrophe wie sie Solothurn noch nie gesehen hat.

Kaum einer hat's gemerkt. Das ist auch definitiv besser so. Sonst hätte es wohl nur eine Massenpanik gegeben und das ist bekanntermassen noch schlimmer. So haben wir alle den Schlaf der gerechten geschlafen und nichts gespürt. Zur Zeit sind die Gemeindearbeiter daran, klammheimlich die Schäden zu beseitigen. Bloss nicht die Bevölkerung beunruhigen. Obwohl im Grunde jeder aufmerksame Bürger die verräterischen Zeichen erkennen könnte, scheint es niemandem ausser mir aufgefallen zu sein. Ist auch besser so.

Stellt euch vor die "St. Ursen-Verwerfung" hätte genauso gerumpelt wie anno 1906 die "San-Andreas-Verwerfung"!!

Beim verheerenden Erdbeben von 1906 haben sich in San Francisco die Pazifische- und die Nordamerikanisch-Platte gegeneinander verschoben. Damals sind mehr als 3'000 Menschen ums Leben gekommen und halb San Francisco ist abgebrannt. Noch heute verschieben sich diese beiden Platten um 6cm - jährlich!


Tja, und genau das passiert in Solothurn. Denn Solothurn liegt exakt auf der "St. Ursen-Verwerfung". Bei uns auch fälschlicherweise "St. Ursengraben" genannt (nun wisst ihr auch woher unsere Stadt ihren Namen hat). Und genau diese St. Ursen-Verwerfung ist in Bewegung. Und niemand merkt was davon. Was sind schon 6cm pro Jahr? Aber ich schätze, es sind wohl eher 30cm jährlich. Wie gesagt: Die Gemeindearbeiter sind klammheimlich am Sanieren der Schäden damit keine Panik entsteht. Überzeugt euch selbst, es sind noch nicht alle Spuren beseitigt.


Habt ihr euch noch nie gefragt, weshalb die St. Ursenkathedrale nur einen Turm hat? Ja, warum wohl heisst die St. Ursenkathedrale, St. Ursenkathedrale? Weil ein Turm bereits in diesen St. Ursengraben gefallen ist. Rechnet selbst nach: 30cm Verschiebung pro Jahr. Das macht 75 Meter in 250 Jahren. So alt ist nämlich die St. Ursenkathedrale. Also in einen Graben von 75 Meter passt schon ganz schön viel. Etwas Gutes hat es wenigstens: Die Stadt Solothurn ist mindestens um einen Quadratkilometer in den letzten 250 Jahren gewachsen. Das bedeutet mehr Raum für Menschen, Ideen und den freien Geist.

Macht was draus, ich kann mich nicht um alles kümmern.

Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus

Freitag, 11. Oktober 2013

Stadt adé

Da haben wir es mal wieder auf dem Tapet. Diese Forderung kommt mit der Regelmässigkeit der Menstruation einer Frau und ist notabene genauso unpassend und schwer zu verstehen.

Die Rede ist von der Wiedereinführung der Polizeistunde in Städten.


Es ist noch gar nicht lange her, da haben wir uns von Gessler und seinen Schergen befreit. Erfolgreich haben wir damals gegen die Unterjochung und das Diktat angekämpft. Offensichtlich geht es heute der Politik wieder mal zu gut und es erspriessen diktatorische Gedanken "zum Wohle der Allgemeinheit". Okay, kein Problem, Gedanken sind ja bekanntlich frei.

Dann machen wir uns mal Gedanken zum Thema: Sperrstunde um 1 Uhr in Städten:


Was ist überhaupt eine Stadt? Per Definition ist eine Stadt ein grössere, zentralisierte und abgegrenzte Siedlung mit eigener Kultur.

Nun wenn man sich über die Entwicklung der Städte etwas Gedanken macht, erkennt man auch Sinn und Funktion einer Stadt: In einer Stadt erhält man zentralisiert alles, was in den weit verstreuten Dörfern keinen Sinn macht, oder nicht rentabel ist. Und das ist noch heute so: Man geht in die Stadt weil man dort auf engstem Raum alles erhält: Einkäufe, Arztbesuche, Theater und Gesellschaftsanlässe.

Städte haben eine Zentrumsfunktion. Eine interessante Stadt lockt Touristen an aus nah und fern. Damit meine ich auch uns selbst. Wir gehen in die Stadt weil wir dort finden, was uns im Dorf immer mehr fehlt: Abwechslung!

Und so war es schon immer. Es macht keinen Sinn, das jedes Dorf Theater, Museen, Schulen oder Weiterbildungsmöglichkeiten, verschiedene Restaurants oder Lokale anbietet. Dafür wird auch ein Kulturausgleich bezahlt. Die Dörfer bezahlen der Stadt einen Ausgleich für ein abwechslungsreiches kulturelles Angebot!

So, nur schon deshalb geht es gar nicht, dass eine Stadt eigenmächtig die Öffnungszeiten festlegen will. Da haben die mitfinanzierenden Dörfer ein gewaltiges Wörtchen mitzureden.




Nun, was macht eine interessante Stadt aus? Eine interessante Stadt beherbergt verschiedene Kulturen: Die Offensichtlichen und die weniger Offensichtlichen - die Subkulturen. Aus Mainstream wird kaum etwas Neues entstehen - aus Subkulturen schon. Subkulturen sind die Avantgarde - sind der Zeit voraus. Im täglichen Leben nehmen wir das kaum wahr. Zu laut ist der Alltag, zu dominierend sind die Routinen. Aber in unserer Freizeit sind wir alle etwas avantgardistisch und wollen ausbrechen, wollen raus aus der Routine. Wir gehen auf Reisen und wollen entdecken was wir zuhause nicht haben. Abends wollen wir raus auf die Gasse, uns treiben lassen und eine Freiheit geniessen, die wir am Arbeitsplatz nicht haben. Dort steht nämlich eine Stempeluhr, die uns diktiert wann wir anfangen und aufhören müssen. Genau das wollen wir in unserer Freizeit nicht. Es kann nicht angehen, dass der Staat oder die Stadt vorschreibt, wann die Freizeit aufzuhören hat. Mündige Menschen müssen darüber selbst bestimmen dürfen.



Eine Sperrstunde um 1 Uhr in Städten würde seltsame Früchte tragen. Plötzlich würde das Kulturangebot ins Dorf nebenan abwandern und es würden Wildwüchse entstehen, die ein Dorf nicht bewältigen kann. Warum? Weil ein Dorf dafür keine Struktur hat. Konsequenterweise müsste ein Dorf die nötigen Strukturen und Ressourcen (Infrastruktur, Parkplätze, öffentlichen Verkehr, Behördenapparat etc) dafür aufbauen - was wäre ein Dorf dann? Eine Stadt! Und somit schliesst sich der Kreis. Nur das bei diesem Sturm im Wasserglas extrem viel aus dem Kreis geschleudert, und niemand dafür die Verantwortung übernehmen würde.

Deshalb liebe Städte: Pflegt Eure Kulturen und Subkulturen, passt sie den neuen Bedürfnissen an. Wir leben nicht mehr im 18. Jahrhundert. Inzwischen haben wir über 8 Millionen Menschen in der Schweiz mit vielfältigen kulturellen Hintergründen. Wir können es uns nicht leisten, zu Mauern und sagen, die Städte seien zum Schlafen da. Städte sind zum Leben da. Wer schlafen will soll aufs Land!

ELEVEN - Kultur in Solothurn


Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus

Freitag, 4. Oktober 2013

FOMO

Wir begegnen ihnen auf Schritt und Tritt, auf der Strasse, im Zug, an der Bushaltestelle, im Club, ja sie sitzen uns sogar am Tisch vis-à-vis oder noch schlimmer, stehen mit uns an der Bar in einem angeregten Gespräch.

Aber irgend etwas stimmt mit denen nicht. Sie verhalten sich auffällig und unnormal, haben komische Zuckungen. Oft habe ich das Gefühl da einem Spasti begegnet zu sein. Ja so einer, der seine Gliedmassen nicht unter Kontrolle hat und ständig unkontrollierte Armbewegungen macht. Beinahe panische Reaktionen zeigt, um dann mit einem glückseligen Lächeln für ein paar Sekunden zu entspannen, bevor das Spiel von vorne beginnt.

Genau, ich rede von der schlimmen, schlimmen Krankheit die sich FOMO nennt. Aber Achtung, bitte aufpassen jetzt: Menschen mit FOMO sind auch Menschen, so wie Du und ich und ihnen gehört der nötige Respekt gezollt! Schliesslich kann die Krankheit jeden von uns treffen. Dich und mich mit eingeschlossen. Hoffen wir nur, dass wir dieser Pandemie entkommen.

FOMO (Fear Of Missing Out) oder auf gut Deutsch damit es alle Verstehen: "Die Angst etwas zu verpassen". Diese Krankheit hat seit Facebook, Whatsapp, Twitter und Co. seuchenartige Ausmasse angenommen. Wir alle haben Freunde, die panisch alle 15 Sekunden ihr Smartphone zücken und drauf schauen. Und das völlig grundlos, einfach aus Angst etwas zu verpassen. Das nennt man soziale Angst. Das ist die zwanghafte Sorge, dass man eine Info oder eine Chance für eine soziale Interaktion verpasst. Oder das man eine neue Erfahrung oder eine lohnende Party nicht mit seinen Freunden teilen kann. Und das Ganze virtuell wohlverstanden. Also nicht in Echt, sondern nur auf dem Smartphone! Viele sind ja inzwischen so beschäftigt mit ihren Social Media-Accounts, dass sie das wahre Leben, die echte Party verpassen. Lieber chatten sie mit Freunden aus dem World Wide Web und merken nicht einmal, dass da noch ein echter Mensch aus Fleisch und Blut bei ihnen im Haushalt wohnt und auch etwas Aufmerksamkeit verdient hat.

Anscheinend ist es so, dass das Leben der Anderen auf Social Media stets besser ist als das eigene.




Frage Dich mal selbst, wie oft Du das Handy an einer echten, abgefahrenen Party in die Hand nimmst. Ausser vielleicht morgens um Fünf, wenn Du ein Taxi rufst, braucht es definitiv kein Handy. Wenn deine Kollegin, die mit Dir an der Party ist, mal eben aufs WC muss, brauchst Du ihr nicht gleich ein sms schreiben, oder Deinen Status posten, oder?

Also, wer nun Angst bekommt, er könne auch unter FOMO leiden, hier mal eine kleine, kurze Checkliste zur Selbst-Diagnose:

  • Ich habe Angst, die Erfahrungen anderer Menschen seien reichhaltiger und intensiver als meine.
  • Ich habe Angst, die Erfahrungen meiner Freunde seien reichhaltiger und intensiver als meine.
  • Wenn ich bemerke, dass meine Freunde Spass haben und ich bin nicht dabei, dann betrübt mich das.
  • Ich werde nervös, wenn ich nicht weiss, was meine Freunde gerade tun.
  • Es ist mir wichtig, die Witze zu verstehen, für die man eingeweiht sein muss.
  • Manchmal frage ich mich, ob ich zu viel Zeit damit verbringe, mich darum zu kümmern, was gerade läuft.
  • Wenn ich eine Gelegenheit verpasse, mich mit meinen Freunden zu treffen, stört mich das.
  • Wenn ich mit Freunden Spass habe, ist es mir wichtig, das anderen online mitzuteilen.
  • Wenn ich an einem geplanten Treffen mit Freunden nicht teilnehmen kann, stört mich das.
  • Wenn ich in die Ferien fahre, verfolge ich, was meine Freunde gleichzeitig tun.
Mein kleiner Tipp: Lass mal das Smartphone zu hause und interessier Dich intensiv für Deine Freunde die gerade mit Dir unterwegs sind.


Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus