Freitag, 27. September 2013

Wir verblöden!

Liebe Treibende und Getriebenen

so, nun haben wir es Schwarz auf Weiss. Da hat ein Schweizer Forscherteam eine Hypothese wissenschaftlich untersucht, verifiziert und bestätigt.

Liebe Eltern, setzt euch erst mal hin, beruhigt euch und nehmt einen Schluck Kaffee. Die schlechte Nachricht ist nicht so einfach zu verdauen. Aber kommt mir ja nicht im Nachhinein und behauptet, ihr hättet es nicht schon längst gewusst.

Wenn es hilft, dann das noch zur Beruhigung: Es ist hier nicht die Rede von ihrem Kind, sondern von dem der Nachbarn. Und nein, an Menschen wurde die These noch nicht verifiziert - erst an Ratten. Aber macht euch nichts vor: Ihr ahnt es schon lange.

Wir alle ahnen, nein wissen es schon lange, schütteln tagtäglich den Kopf und fragen uns woran es bloss liegt, dass die Jugendlichen immer dümmer werden. Jetzt ist es raus - sie verblöden. Punkt.

Da liegt doch sofort die Frage auf der Hand, woran liegt das? Ist es:

- zuviel TV-Konsum??
- zuviel Gamen??
- die irreversible Smartphone-Sucht??
- Pornografie im Internet??
- mangelnde Bewegung??
- Kopfhörer in den Ohren??
- zuviel Party machen??

Nein, keine Angst, da kann ich Entwarnung geben. Daran liegt es definitiv nicht, dass die Jugendlichen immer dümmer werden.

Die Schuld dafür, dass sich die Hirnentwicklung verzögert, ist: Tätärätääää

Das Koffein!

Uhhh, jetzt stecken wir in einem echten Dilemma. Kaffee gilt als DAS Genussmittel schlechthin und wird vor allem wegen seiner anregenden Wirkung (Koffein) getrunken. Im Jahr sind das sage und schreibe 1056 Tassen pro Schweizer und Schweizerin! Wow, nicht schlecht. Damit sind wir auf Platz 3 weltweit. Aber der Koffeinkonsum hört ja nicht bei Kaffee auf. Da kommen sofort die, ach so geliebten Energy-Drinks hinzu. In der Schweiz werden jährlich weit mehr als 100 Millionen Dosen konsumiert, Tendenz stark steigend. Und in einer Dose ist Koffein von 2 schönen, starken Espresso. Koffein ist ein Muntermacher der ausserdem in Tee, Cola, Schokolade und vielen Täfeli steckt. Kein Wunder wird an den Wochenende auf den Schweizer Dancefloors durchgezappelt.



Die Forscher konnten Nachweisen, dass Koffein den Tiefschlaf vermindert (was jeder von uns bei Selbstversuchen schon längst herausgefunden hat - aber immerhin, die Forscher konnten es Nachweisen). Dadurch wird die Hirnentwicklung verzögert, der Reifungsprozess verlangsamt. Resultat: das Verhalten ändert sich. Kein Antrieb, keine Neugier, viele psychische Erkrankungen... Na dann Prost Mahlzeit liebe Jungendliche!

Jetzt wäre es aber zu einfach, nur den Jugendlichen die Schuld ins Glas zu schieben. Wie immer hängt das von der Erziehung ab - sprich vom Vorbild. Und das Vorbild beginnt schon bei der Schwangerschaft. Also liebe werdende Mütter, falls ihr gerade Schwanger seid und ein kleines "Glütschtli" nach Schokolade verspürt oder einen Kaffee braucht um in die Gänge zu kommen: Das Hirn eures ungeborenen Kindes konsumiert mit.

Gott sei Dank erzähle ich da nichts Neues - alles Binsenweisheiten und ihr habt es schon lange vor mir gewusst.

Also heute Abend trinke ich was gesundes. Ich gönne mir einen Rum/Cranberry. Ist gut für die Blase.


Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche

Euer Flaschengeist
Markus

Dienstag, 24. September 2013

Life of Mö

Eigentlich, also prinzipiell, das heisst grundsätzlich, schreibe ich nie etwas über mich in diesem Newsletter. Der Newsletter ist auch keine versteckte Hausaufgabe von meinem Psychotherapeuten - das hat er mir jedenfalls mal gesagt. Und Tagebuch schreiben hab ich eh nie gemocht.

Nun gut, Regeln sind bekanntlich dazu da, sie zu brechen, respektive Ausnahmen zu machen. Und weil ich heute Geburtstag habe (also wenn ihr das lest, und ich weiss ja nicht wann ihr es lest: Geburtstag habe ich gemäss meiner geliebten Mutter, jedes Jahr immer am 5. September) mache ich mal eine Ausnahme.

Die Geschichte die ich euch erzähle, ist so fantastisch, sie könnte direkt von Pandora stammen. Also dem Heimatplaneten der Na'vi. Für alle die in Nordkorea aufwuchsen und nie in einem Kino waren: es handelt sich um den Science Fiction Film namens "Avatar".

Also: Zur Zeit bin ich rund um Sardinien und Korsika am Segeln. Aber das interessiert euch eh nicht. By the way: Segeln ist fantastisch. Es ist etwas für Körper und Geist. Vor allem wenn man nicht in den geld- und testosteronstrotzenden Häfen vor Anker geht, sondern in verträumten, einsamen Buchten.

In einem Anflug von Melancholie gingen wir in der Bucht von "Figari" für die Nacht vor Anker. Herrlich: Bilderbuch Sonnenuntergang, ein feines Essen und gute korsische Weine, die mit jedem Schluck besser wurden. Nachdem ich den dazugehörenden Abwasch gemacht hatte, bekam ich Lust (nein, wir sind nur Männer auf dem Boot) auf einen Mitternachtsschwumm in der Bucht. Ja und nun glaubt es oder glaubt es nicht: Ich dachte immer der Film "Life of Pi" sei  Science Fiction. Aber als ich mutig in das rabenschwarze Meer tauchte, blieb mir beinahe das Herz vor Unglaube stehen und ich wurde eines viel, viel Besseren belehrt: Mit jeder Schwimmbewegung begann das Wasser um mich herum zu leuchten. Ich glitt durch das Wasser wie durch Sternenstaub. Das Wasser, das ich durch meine Schwimmbewegungen berührte, fing völlig surreal an zu leuchten und zu glühen. Wahnsinn, total ausserirdisch, wie nicht von dieser Welt.



Bei diesem seltenen Phänomen handelt es sich um leuchtendes Plankton. Bei Berührung produzieren diese Einzeller, mit dem wunderschönen Namen "Noctiluca milaris", ein intensives fluoreszierendes Licht. Dieses Licht erzeugen sie, um ihre Feinde zu verwirren. Ich finde: Eine wunderschöne, friedliche Art seine Angst auszudrücken.

Für mich eines der schönsten Erlebnisse in meinem kurzen Leben.

Peace!

Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche

Euer Flaschengeist
Markus

Freitag, 20. September 2013

Schildbürger

Da haben wir es mal wieder schwarz auf weiss: Schildbürger sterben nie aus, respektive die Gilde der Verkehrsplaner gibt es noch immer.

Ja, wir alle wissen es: Der Verkehr auf der Bahnhofkreuzung in Solothurn ist alles andere als optimal, um nicht zu sagen die Situation ist nervig. Nun, nicht alle wussten es. Damit sich auch die Gilde der Verkehrsplaner von der desolaten Verkehrsführung überzeugen liess, musste sie erst eine Verkehrszählung durchführen. Die war notabene vor 3 Jahren.



Die Verkehrsplaner benötigten 3 Jahre um, in ihren mit Watte ausgeschlagenen Büros, die Daten zu verdauen und einsinken zu lassen. Schön abgeschottet von der Realität und dem täglichen Verkehr.

3 Jahre waren nötig und es wird noch ein weiteres Jahr vergehen bis sie, mit stolz gewölbter Brust, mit der "Optimierung" beginnen werden.

Optimierung?? Wenn ein Verkehrsplaner von Optimierung redet, dann ist damit ein mit Blattgold verzierter Schildbürgerstreich garantiert.

Man erinnert sich vielleicht noch in Solothurn.
Es führten einmal 2 Brücken über die Aare. Dann wurde optimiert und eine 3. Brücke gebaut - die Westtangente. Dafür aber wurde eine Brücke für den öffentlichen Verkehr dicht gemacht. Also man rechne mit:

2 + 1 = 3 - 1 = 2!

Fazit: Wir haben noch immer 2 Brücken dafür aber mehr Verkehr. Bravo!

Nun zur Bahnhofkreuzung. Dort ist die Situation sehr kompliziert und für mich ist das hohe Mathematik. Ich habe zwar auch 9 Jahre obligatorische Schulzeit absolviert, war aber 6 mal in der 3. Klasse.

Also alle mal mitrechnen, mir ist es zu hoch. Ein einfacher Dreisatz:

Heute
2 Autospuren biegen nach Links ab. Die Ampel zeigte 12 Sekunden grün.

Nach der Optimierung
1 Autospur biegt nach Links ab. Die Ampel zeigt 17 Sekunden grün.

Keine Ahnung? Ich auch nicht. Aber die Lösung wäre vielleicht allen Autofahrer ein Upgrade zu einem schnelleren Auto mit automatischer Rennkupplung zu schenken.

Egal - Alles Schildbürgerzeugs und der Steuerzahler bezahlts brav.

Ach wie schön waren die Zeiten, als der Bahnhofplatz eine Baustelle war, das Bipperlisi von der provisorischen Haltestelle aus losfahren musste und den Bahnhofplatz ein Kreisel schmückte. Da flutschte der Verkehr nur so. Ausserdem war der Platz um einiges schöner und lebhafter als heute der traurig, grau zubetonierte Bahnhof- und Begegnungsplatz. Keine Grünfläche, kein Baum nichts. Doch, ja genau - da werden neuerdings andernorts so grüne Flächen auf den Boden zur Verkehrsberuhigung aufgemalt. Das wär doch auch mal eine Idee.

Liebe Schildbürger, macht was draus. Ich kann mich nicht um alles kümmern.


Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus


Sonntag, 15. September 2013

Happiness

Wow, Gratulation Switzerland! Da bin ich ja mal echt stolz auf unsere Nation "Einig, Friede, Freude, Eierkuchen". Ab sofort muss auch der letzte nörgelnde Miesepeter neidlos anerkennen, dass wir Eidgenossen echt zufriedene und lustige Gesellen sind.

Also alle auf Kommando: 1, 2, 3  Smile!

Okay, das Smilen können wir noch üben.

Warum fällt uns das so schwer? Gemäss dem "2013 World Happiness Report"  von der Columbia Universität New York sind wir Schweizer das drittglücklichste Land auf Erden!

Ja krass, kaum zu glauben. Warum haben dann die Bewohner des drittglücklichsten Landes auf Erden so tiefe, griesgrämige Falten im Gesicht, dass kein Anti-Wrinkel Serum dagegen ankommt?. Und warum lassen unsere schweren Tränensäcke kaum auf ein glückliches Leben schliessen? Ganz geschweige von unseren Mimikfalten, die eher an einen depressiv veranlagten Boxerhund erinnern als an das drittglücklichste Gesicht auf Erden.

Herrgott, ein bisschen Lächeln kann doch nicht so schwer sein!

Gemäss diesem "World Happiness Report" haben wir Schweizer auch wirklich KEINEN Grund miesepetrig zu sein. Unsere Lebenserwartung ist hoch, die Sozialleistungen kaum zu schlagen, die Meinungsfreiheit sprichwörtlich, die Korruption beinahe inexistent und auch die Grosszügigkeit ist beachtlich. Also statistisch gesehen sind wir rundum glücklich. Nur die Dänen und die Norweger sind noch glücklicher als wir. Aber die freuen sich auch länger auf den Sommer.







Ich bring es einfach nicht auf die Reihe: Warum sind wir dann so unzufrieden, regen uns über alles auf, fühlen uns von allen bedroht und betrogen und verschanzen uns hinterm Fernseher bei lustigen TV-Soaps? Ja, warum fällt es uns so schwer ein glückliches, lachendes Gesicht aufzusetzen? Ich dachte immer Freude sei dazu da, sie zu teilen!. Warum sitzen wir dann mit Kopfhörer in den Ohren abgeschottet von dieser Welt im Bus, Zug oder Restaurant und tippen wie besessen auf unseren Smartphones rum? Und das mit einer aufgesetzten Fresse, die ausdrückt: "Don't mess around with me"!

Ja warum denn sind wir das drittglücklichste Volk der Erde? Weil wir eine freie Abowahl bei Swisscom, Sunrise oder Orange haben, und weil wir regelmässig in die Arbeitslosenkasse einzahlen und somit ein Recht darauf haben auch mal "Blau" zu machen? Oder weil wir etwa ungestraft aus der Kirche austreten dürfen? Vielleicht ist es ja auch einzig und allein der Umstand, dass wir von Bergen umgeben und neutral sind.

Warum können wir unser Glück nicht ausdrücken? Warum sind wir unser Leben lang so ernst und verklemmt? Anscheinend ist Glück und Lebensfreude nicht dasselbe.

Ich finde, es täte uns gut etwas mehr Lebensfreude auszustrahlen. Ganz nach dem Motto: Geteilte Lebensfreude ist doppelte Lebensfreude.


Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche

Euer Flaschengeist
Markus