In weiten Teilen der Schweiz ist die Fasnacht, die schönste Jahreszeit bereits zu Ende. Leider! Aber Gott sei Dank dauert in einigen Städten dieser wunderbare Brauch noch ein paar Tage länger an.
Ich bin der Meinung, wir sollten dieses riesige Heer von Freischärlern mit ihren fantasievollen oder gruseligen Kostümen und Masken heilig sprechen. Es ist beinahe unvorstellbar, aber einmal im Jahr passiert's und es stehen die unterschiedlichsten Menschen zusammen und vertreiben unisono die bösen Geister die wir riefen. Ja, selbst hier in der Schweiz!
Die Fasnacht zeigt uns deutlich: So schlecht wären wir Schweizer doch gar nicht. Eigentlich wären wir gar keine Miesepeter, Bünzli, Pessimisten und Spielverderber!
Wir können auch ganz anders.
Einmal im Jahr können wir alle gemeinsam raus auf die Strasse und unsere strengen, grauen, unnahbaren Uniformen gegen fröhliche, dialogfördernde und mutige Kostüme eintauschen. Einmal im Jahr lacht und schwatzt jeder mit jedem. Alle sind ungezwungen. Jeder ist mit Jedem per Du. Hindernisse wie Bildung, Religion, Alter und Kontostand werden grosszügig ausgeblendet und man trinkt mit wildfremden Menschen Bruderschaft. Jeder Einzelne zelebriert das Positive und ist im Hier und Jetzt. An Fasnacht macht man sich selbst zur Karikatur und lacht mit anderen Karikaturen zusammen. An der Fastnacht bestimmt das Kollektiv über Vernunft und Unvernunft. Zum Gefallen aller siegt die Unvernunft.
Wem an Fasnacht die Energie- oder Bargeldreserven auf Null zu laufen drohen, der wird vom kostümierten Netzwerk aufgefangen und mitgetragen. Grosszügig wird überbrückt und geholfen. Gemeinsam ist man stark und nimmt den Kampf gegen die Widrigkeiten des Lebens auf. Wem an Fasnacht die Motivation zu verlassen droht oder die Mundwinkel der Erdanziehungskraft unterliegen, der wird motiviert, dem wird freundschaftlich auf die Schulter geklopft.

Erst wenn nach Tagen der Entbehrungen, Schlafentzug und gefolterten Lachmuskeln gar nichts mehr geht, hakt man einander ein und grölt gemeinsam lauthals „Ig ma nümm“. Wehmütig schwört man sich, dass die Fasnacht noch nie so schön war. Das Leben war so herrlich leicht und das Glas war ständig halbvoll. Nichts konnte die Stimmung trüben. Man wurde allseits verstanden. Verständnis und Respekt wurde zelebriert. Alle Gespräche waren witzig und die Kostümbälle rauschend. Ja, an der Fastnacht ist alles soooo schön anders - alles ungerobsi!
Kaum ist die Fasnacht vorbei, hat uns der Ernst des Lebens wieder fest im Griff. Die Mundwinkel sinken nach unten, Humor ist nur noch was für Komiker und fremde Menschen sind eine Bedrohung. Das Glas ist höchstens halbleer und unaufgefordert tauschen wir Leichtigkeit gegen Schwermut und Fröhlichkeit gegen Trübsinn ein.
Unser Leben ist ein einziger Ernstfall. Schliesslich haben für den Ernstfall alle Haushalte Jodtabletten bekommen. Ein Sack Konfetti wäre günstiger und lustiger gewesen!
Be happy!
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus
Eisige Zeiten sind angebrochen. Man ist froh, wenn man Türen und Fenster geschlossen halten kann. Aber nicht nur die Natur spielt verrückt - auch an den Märkte weht uns ein eisiger Wind entgegen.
Ja, in harten Zeiten sind Innovationen und ungewöhnliche Lösungen gefragt. Man ist gezwungen seine aktuelle Situation zu überdenken und das Beste daraus zu machen. Sehr oft wurden in Notsituationen geniale Erfindungen gemacht, die das Leben revolutionierten.
Heute stecken wir in genau so einer Phase. Unsere Wirtschaft ächzt und wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Wir sind an einem Punkt, wo wir uns fragen müssen:
Was benötigen wir wirklich für unsere Zukunft, von welchem Ballast können wir uns trennen?
Fit für die Zukunft müssen wir uns machen. Ein Turnaround, ein „Um die Ecke denken“ ist gefragt!
Und bescheiden wie ich bin, darf ich verkünden: „In der tiefsten Not hatte ich DIE Erleuchtung“. Ich habe eine Idee, die unsere Wirtschaft revolutioniert und ungeahnte Einsparungsmöglichkeiten mit sich bringen wird. Und Nein, ich werde diese Idee nicht patentieren lassen. Ich stelle sie hier und jetzt gratis ins World Wide Web. Mal sehen welche Konzerne darauf anspringen. Jeder soll daraus machen was er will.
Also, mein krankes, unterbelichtetes Hirn (infolge von zuwenig Tageslicht) hat folgenden überraschenden Schluss gezogen:
Warum brauchen wir Fenster???
Vorweg schon mal ein paar praktische Tipps für Jedermann:
Liebe Eltern, schafft ihr es mit eurem Kind im Auto zum Einkaufen zu fahren, ohne das es eine DVD, in dem in der Kopfstütze eingebauten Multimedia-Center, sehen darf? Wenn Nein, dann kauft euch lieber einen fensterlosen Lieferwagen. Euer Kind würd’s eh nicht merkten.

Liebe SBB- und Bus-Betriebe. Wozu haben eure Wagen überhaupt noch Fenster? Habt ihr denn nicht festgestellt, dass alle Passagiere auf ihre Smartphones und iPads starren? Schafft euch billige fensterlose Wagons an und spart Geld. Die Passagiere schauen sowieso nicht zum Fenster.
Liebe Häuslebauer, wozu teure, rahmenlose Fensterfronten? Ihr stellt ja sowieso Mega-Flatscreens davor. Spart das Geld und zieht eine Mauer hoch, das verursacht erst noch weniger störende Reflexionen auf dem Home-Entertainment-Center.
Liebe Ferienhungrige, wozu teure Zimmer mit Meerblick? Ihr hockt sowieso vor euren iPads, um ja nichts im World Wide Web zu verpassen.
Ja und überhaupt - warum wollen alle an teuren, „bevorzugten“ Wohnlagen im Grünen leben, wenn ihr einziges Fenster zur Welt der Bildschirm ist?
Denkt mal über das immense Einsparungspotential nach.
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus
Die Solothurner Filmtage sind passé. Jetzt beginnt das grosse Schulterklopfen, analysieren und das Erstellen von aussagekräftigen Statistiken zum Schweizer Film.
Zugegeben, für den Schweizer Film ist Solothurn wichtig, sehr wichtig. Ungefähr so wichtig wie damals die Höhle für den Steinmenschen. Die Höhle symbolisiert Schutz, Wärme, Geborgenheit. Wenn er könnte, wäre der Höhlenmensch noch heute in seiner Gruft. Aber er musste raus und sich den Widrigkeiten des Lebens stellen.
Solothurn Gäng wie gäng!
Okay, ertappt, ich habe eine etwas eigenartige Beziehung zu den Solothurner Filmtagen. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen: Da war die Solothurner Kanti schuld! Damals, vor gefühlten 30 Jahren (genauer gesagt im Januar 1988) MUSSTEN wir Kantischüler an die Solothurner Filmtage einen Block von Kurzfilmen anschauen gehen.
Erlaubt mir an dieser Stelle einen kleinen Exkurs in die Welt des Geldes: Der Staat bezahlte uns Kantonsschüler den Eintritt ins Kino in den von Bundesamt für Kultur subventionierten Filmtagen. Danke!
Also, der obligatorische Besuch der Solothurner Filmtage gehört mit zum Versuch, mich zu bilden und zu formen. Irgendwie ist das gänzlich in die Hosen gegangen. Denn ich war zutiefst erschüttert und schockiert nach dem Besuch der Filmtage. Für mich als Teenager stand ganz schnell fest: „Ne, das ist nicht meine Welt“!
Was ging in diesem Winter 1988 schief, was war geschehn?
Also: unsere Klasse musste den Film „A Slice of Pizza“ von Simon Aebi, besuchen und wir waren gezwungen, uns den Film von Anfang bis zum Schluss anzusehen. Es war der blanke Horror! Die Hauptrolle im Film spielt ein Stück Pizza, dass auf seinem Weg durch den Verdauungstrakt filmisch begleitet wurde. Da sind Splatterfilme geradezu harmlos dagegen. Die anderen Kurzfilme waren auch so eigenartige, für mich Teenager völlig unverständliche psychedelische Werkfilme, wo junge Schweizer Filmschaffende wohl eher mit Drogen, als mit der Thematik Film herumexperimentiert hatten. Nein, ihr müsst jetzt nicht suchen. Der Film ist so schlecht, dass er es nichtmal auf Youtube geschafft hat. Und bekanntlich ist ja Youtube ein Sammelbecken filmischen Irrsinns. Aber, halt stopp: Es gibt auch gute Filme. Auch in Solothurn.
Inzwischen sind 30 Jahre vergangen und der Schweizer Film, Solothurn und das Publikum haben sich weiterentwickelt.
Just zum 50. Jubiläum spendieren sich die Solothurner Filmtage ein neues Erscheinungsbild. Frisch, jung und modern ist es. Das Logo ist gelungen. Auch die Plakatekampagne ist total verständlich und informativ. Die Visuals sind verständlich, sind klar im Kontext und überraschen. Man kann ganz klar ein Corporate Design erkennen.

Endlich haben es auch die Macher der Filmtage verstanden, Glamour nach Solothurn zu holen. Da wurden nationale und vor allem internationale Grössen aus dem Showgeschäft eingeladen und man hat an der Gala-Bar bei einem prickelnden Cüpli das Who is Who zelebriert. Überhaupt, ganz Solothurn schien die vergangene Woche wie umgekrempelt zu sein. In den Bars wehte das Parfum von Aufbruch zu neuen (Show-)Ufern. Überall Celebrities, Glamour, lachende, vor Lebensfreude glühende Menschen. Die Restaurants und Gourmettempel waren hilflos ausgebucht. Riesige Tische mit witzigen, schwatzenden Gästen. Die Nerds mit Horn- oder John Lennon-Brille sowie rotem Schal und schwarzem Mantel gehörten eindeutig der Vergangenheit an. Die Solothurner Filmtage haben sich gemacht. Selbst der Auto-Sponsor „Vorsprung durch Technik“ bringt mit seiner schwarzen, staatskarossen-ähnlichen Fahrzeugflotte neuen Wind nach Solothurn. Ja, in Solothurn merkt man: Der Schweizer Film möchte in Zukunft nicht mehr belächelt werden. Er will international durchstarten. Die Solothurner Filmtage tun schliesslich alles dafür.
Oder, wenn ich es mir recht überlege… als Fahrzeugflotte wären eventuell 2CVs treffender gewesen.
Schönes Weekend, ich schaue dann mal Monty Python's "Meaning of Life".
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus
Hallo Ihr lieben Misten (Pessi oder Opti)
Da haben wir es Schwarz auf Weiss, Pixel auf Pixel: Ich habe mich mal wieder selbst beschissen. Ich hab mir jahrelang was vorgemacht und jetzt das. Was für eine Gemeinheit. Dabei ging es mir doch so richtig gut, ich war wunderbar selbstzufrieden und selbstgefällig.
Warum bloss das jetzt? War mein Opfer nicht gross genug? Hab ich nicht genug Schlechtes in die Waagschale geworfen. War ich ungenügend? Hab ich nicht genug gelitten, gejammert, geflucht, nicht genug Negatives gesehen? War denn mein Glas nicht immer halb leer? Jahrelang habe ich das Mantra „Alles ist schlecht, alles ist negativ, Gutes gibts gar nicht“ immer und immer wieder runtergeleiert. Ich war ein Musterschüler, ich war die Krönung, ich war die Reinkarnation des Pessimismus!
Aber klar - ich hätte es schon damals wissen müssen. Ich war einfach nicht Pessimist genug.
Aber nein, ich Trottel glaube wie ein hoffnungsloser Optimisten dieser Studie der Universität Erlangen-Nürnberg: „Pessimisten leben länger als Optimisten“. Wäre ich doch nur pessimistisch gewesen und hätte es nicht geglaubt!

Tja, und dann kommen diese US-Forscherin Rosalba Hernandez, analysiert, beweist, und dokumentiert, dass Optimisten länger leben.
Gut, nun muss halt ich meine ganze Lebenseinstellung ändern - will ich doch 120 Jahre alt werden. Ja, das werde ich. Wow, ich werde 120 Jahre alt! Als geborener Optimist ist das für mich ein Kinderspiel - 120 - ein Klacks.
Ja, liebe Wirtschaft- und Börsenanalysten, nehmt euch doch mal vor, etwas optimistischer zu sein. Seht nicht immer gleich das Ende der Welt, wenn sich ein Titel oder Index nicht in die Richtung bewegt wie es ihr Halbgötter gern hättet (worauf ihr eine Menge Geld verwettet, das nicht euch gehört). Wenn mal eine einzelne Wolke vor der Sonne steht, die ihr nicht habt kommen sehen, dann heisst das nicht gleich, das ewige Dunkelheit über uns hereinbricht.
Optimisten leben länger und vor allem positiver. Optimisten sind gesünder und haben eine anziehende Ausstrahlungskraft. Und vor allem: Optimisten erholen sich schneller von Schicksalsschlägen.
Aber, wie mmer gibt’s auch da einen Haken. Nehmen wir die Aussage der Studie: „Das positive Denken verringert das Sterberisiko“! Hääää? Soviel ich weiss, ist das Sterberisiko 100%. Habe jedenfalls bisher noch keinen Unsterblichen getroffen.
In diesem Sinne - ein Hoch auf das Leben.
Schönes Weekend
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus
Hallo liebe Leute
Es ist schon immer wieder erstaunlich, was die Wissenschaft für unnütze Forschungsresultate hervorbringt. Aber Gott sei Dank gibt es für diese Sparleuchten den „Ig-Nobelpreis“ (ignoble = unwürdig, schmachvoll). Das ist der Anti-Nobelpreis. So hat z.B. letztes Jahr der Physiker Kiyoshi Mabuchi diesen Preis erhalten, weil er eine wissenschaftliche Studie zum Thema „Was passiert, wenn man auf eine Bananenschale tritt“ veröffentlicht. Ganz ohne Flachs, wirklich wahr!
Meiner Meinung nach hat ihn auch der Forscher Arko Gosh vom Institut für Neuroinformatik von der Universität und der ETH Zürich mit Applaus verdient. In seiner Studie, die er in der wissenschaftlichen Zeitung „Cell“ veröffentlicht hat, beweist er dass:
"Wer oft Smartphones benutzt, gewisse Hirnregionen trainiert".
Hurra, wie bahnbrechend ist denn diese Erkenntnis? Das liegt ja wohl auf der Hand. Wer etwas Neues lernt, regt immer seine Hirnaktivität an, ist doch logo. Sei es nun der Dreikäsehoch im Sandkasten, der lernt mit dem Backförmchen einen perfekten Gugelhupf zu machen, der Kindergärtner sich die Schuhe zu binden, später komplizierte Matheaufgaben zu lösen, Snowboard zu fahren oder das neue Smartphone zu bedienen.
Egal wer was auf welcher Stufe lernt, da werden immer gewisse Zonen im Gehirn angeregt und werden aktiver als andere. Da spielt es keine Rolle, ob wir gewisse Bewegungsabfolgen intuitiv machen oder ob wir sie zuerst Schritt für Schritt lernen müssen.
Ja und nun kommt Arko Gosh und sagt uns, dass wer täglich auf seinem Smartphone mit Wischbewegungen, Drehgesten, Zoomgesten, Tap und Double Tap rumfuchtelt, die Aktivitäten in seinem Hirn extrem beeinflusst. Die Kernaussage seiner Forschung ist: „Die digitale Technik, die wir im Alltag nutzen, formt die Sinnesverarbeitung in unserem Gehirn“. Tja, wer hätte das gedacht?
Da wurde mal wieder bewiesen was schon 1928 in der Dreigroschenoper klar wurde: „Denn die einen sind im Dunkeln und die andern sind im Licht. Und man sieht die im Lichte und die im Dunkeln sieht man nicht".
Mich würde da viel mehr interessieren, welche Hirnregionen wegen den Smartphones jämmerlich verkümmern ? Aber wo bekanntlich keine Hirnströme mehr vorhanden sind, gibt es auch nichts mehr zu messen.
Wir kennen alle diese Situationen wenn unsere geliebten Mitmenschen völlig weggetreten und nicht mehr ansprechbar sind, wenn sie ihr VIP-Profil administrieren oder nur noch schnell alle neuen Posts checken. Wer sitzt denn heute noch im Zug oder an der Bushaltestelle ohne Smartphone in der Hand? Nehmen wir die Welt um uns herum noch wahr? In San Francisco zog ein Mann eine Waffe und fuchtelte damit rum und niemand merkte es - bis er einen erschoss! Am Mittagstisch stieren alle lieber auf ihre Smartphone, als sich über das leckere Essen oder die netten Gesprächspartner zu freuen.
Wo führt das hin? Sind wir schon bald alle hirntot? Egal wohin wir uns bewegen - Hauptsache wir haben noch die Wischbewegung drauf.
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus