Freitag, 12. Dezember 2014

Advent, Advent - 3 Lichtlein brennen


Hallo liebe Leute.
Nicht dass ihr mich falsch versteht, ich will hier nicht etwa Unruhe oder eine ungemütliche Stimmung verbreiten, aber verdammt nochmal: „In 12 Tagen ist Weihnachten“! Hey, Sonntag zünden wir die 3. Kerze an! Der Countdown läuft. Was ist los? Wacht auf und schraubt mal eure Valium forte Dosierung etwas zurück.


Gestern Donnerstag schlendere ich am traditionellen Abendverkauf durch unsere wunderschöne Barockstadt mit ihrer genialen und überschaubaren Einkaufs- und Flaniermeile und bekomme grosse Augen. Ich sag’s euch, ich bin schon zu hause mit einem unguten Gefühl gestartet. Und als ich dann noch problemlos einen Parkplatz an vorderster Front fand, schwante mir schon Ungutes. Und dabei habe ich mir extra 3 dicke Pullies und eine Daunenjacke unter meine Heavy Duty Carhartt Winterjacket gezogen - damit ich beim Weihnachtsverkauf keine blauen Flecken bekomme. Die extra Polsterung habe ich dann gleichmal im Auto gelassen.

So schnell kann mich nichts erschüttern und ich bin noch immer luftig locker und voll freudiger Erwartung auf Glühweindüfte und  Zimtstangen durch die Solothurner Altstadt geschlendert. Durch die Vorstadt schlendern bringt eh nichts. Im Bermudadreieck zwischen Gassenküche, Bahnhof und Methadonabgabestelle macht Shopping keinen Spass.

Wie gesagt: Ich schlendere durch die Altstadt und meine Euphorie schmilzt wie die Gletscher im Winter 2014 zusammen.

Bei dieser Trostlosigkeit wabert mir ein Song durch mein trübes, von spärlicher Weihnachtsbeleuchtung erhelltes Hirn:

Sag mir wo die Mädchen sind.
Wo sind sie geblieben?
Sag mir wo die Mädchen sind.
Was ist geschehn?
Wann wird man je verstehn?

Sag mir wo die Männer sind.
Wo sind sie geblieben?
Sag mir wo die Männer sind.
Was ist geschehn?
Wann wird man je verstehn?





So steh ich da, genau wie Marlene Dietrich: Unbeweglich, frustriert und ratlos. Eine tiefe Melancholie macht sich in mir breit:

Hey, es ist Weihnachten. Wo sind die lärmenden Weihnachtsessen, das emsige Geschenke-Kaufen, die entspannten Weihnachtsfeiern im Freundeskreise? Wo sind sie geblieben? Wo ist der alt bekannte „Weihnachtsstress“? Eigenartigerweise höre ich alle klönen: „Weihnachtsstress, Weihnachtsstress“. Ähh, von welcher Weihnacht und von welchem Stress reden die?

Okay, wir haben noch 12 Tage Zeit bis zu Weihnachten. Das kann ja noch einpendeln. Hoffentlich. Ich wünsche es mir. Ich vermisse die Herrscharen von Menschen, das emsige Treiben und das ganze Weihnachtsgefühl. Da hilft nur eins: Glühwein trinken. Einen guten Glühwein mit Zimt (Diabeteskiller und Fatburner), Nelke (antibakteriell, krampflösend), Muskat (anregend, nervenstärkend) und Sternanis (antibakteriell, entspannend). Ah Voilà: Glühwein macht euch gesund und locker und Weihnachten kann kommen. Aber Achtung - immer nur in Massen geniessen!

Übrigens: Weihnachten findet unter Menschen statt - zur Not auch noch in einem Stall. Aber niemals im WWW. Also raus in die Stadt, stürmt die Läden und die Beizen. Ihr seid unter euresgleichen.


Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Glühwein-Flasche

Euer Flaschengeist
Markus


Dienstag, 9. Dezember 2014

Advent, Advent - 2 Lichtlein brennen


Ja, Weihnachten steht definitiv vor der Tür. Woran erkennt man das? Klar doch, sagt nun der Dödel: „An den billig dekorierten Schaufenster und der peinlichen Weihnachtsbeleuchtung“.

Nein, es ist noch viel schlimmer. Weihnachten erkennt man an Instagram. Instagram? Okay, es feiern nicht alle Menschen Weihnachten und können daher auch nicht allzuviel über das „Fest des Schenkens ähhh der Liebe“ wissen. Und es gibt auch tatsächlich noch Menschen die ein intaktes Immunsystem gegenüber Instagram haben.

Für alle Instagram-Resistenzen: "Instagram ist ein Foto- und Video Sharing im Internet". Auf Deutsch: Man kann sich an meist grotteschlechten Fotos und Videos von wildfremden Menschen ergötzen und diese sogar mittels sogenannten #Hashtags suchen.

Auf Instagram ist Weihnachten - und zwar das ganze Jahr. Instagram ist die Weihnachtsplattform schlechthin. Es ist sozusagen das WWWW: Der World Wide Web Wunschliste.

Instagram ist der Weihnachtsstrumpf des 21. Jahrhunders.

Die weibliche Instagram-Community postet im Sekundentakt ihre Bling Bling-, Perfect Body- und Kitty Cat-Träume und die holde Männlichkeit ergötzt sich an Muskel-, PS-, Big Booty und Titty-Träumen. Da wird einem eine Scheinwelt mit einer so hohen Dichte projiziert, dass selbst das Schwarz Loch darin verschwindet.


Auf Instagram posten gewöhnlichste Menschen, also Menschen wie Du und vor allem Ich, Schweinwelten, dass daneben die Sonne erblasst. Aus Katalogen werden teuerste Markenartikel abfotografiert und gepostet und mit den obligaten #Hashtags: #loveit, likeall, #likeforlike und dergleichen Gedöns versehen. Oft werden auch schon leere Einkaufstüten liebevoll drapiert und gepostet. So armselig sind wir schon. Wo soll diese Scheinwelt hinführen?

Ich gebe zu: Ich bewege mich oft auf Instagram und „beobachte“ dort unter anderem 13-Jährige Girlies, wie sie den ganzen Tag ihre Wunschträume von Channel, Ralph Lauren, YSL, Michael Kors, etc posten - während der Schule wohlverstanden.

Wir haben uns längst damit abgefunden, dass 18-Jährige ihre teuren Neuwagen leasen. Zum Kaufen reicht schliesslich das Geld nicht und sich mit einer billigen Occasion abgeben ist unter jeder Würde. Auf Instagram gaukeln wir uns selbst eine High Society Welt für Jedermann vor. Genau deshalb boomen wohl auch die Pauschalferien in Dubai und den Arabischen Emirate. Da kann man für wenig Geld vor protziger Kulisse posieren - und dafür auf Instagram und Facebook ein paar "Likes" seiner "Freunde" erhoffen.

Früher haben wir Kinder mit grossen Augen den Spielzeugkatalog angeschaut. Heute haben wir Instagram. Aber vielleicht ist das heute gar nicht mal so anders als früher. Als Kinder haben wir auch das Spielzeug, das wir uns wünschten, ausgeschnitten und auf den Wunschzettel aufgeklebt. Heute machen wir Copy/Paste und posten es auf Instagram. Wir selbst werden zum viralen Multiplikator. Bravo!

Fazit: Poste nur das, was Du wirklich selbst besitzt - dann findest Du zu Deinem wahren ich.

Insta#ich



Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche

Euer Flaschengeist
Markus