Nicht dass ihr mich falsch versteht, ich will hier nicht etwa Unruhe oder eine ungemütliche Stimmung verbreiten, aber verdammt nochmal: „In 12 Tagen ist Weihnachten“! Hey, Sonntag zünden wir die 3. Kerze an! Der Countdown läuft. Was ist los? Wacht auf und schraubt mal eure Valium forte Dosierung etwas zurück.
Gestern Donnerstag schlendere ich am traditionellen Abendverkauf durch unsere wunderschöne Barockstadt mit ihrer genialen und überschaubaren Einkaufs- und Flaniermeile und bekomme grosse Augen. Ich sag’s euch, ich bin schon zu hause mit einem unguten Gefühl gestartet. Und als ich dann noch problemlos einen Parkplatz an vorderster Front fand, schwante mir schon Ungutes. Und dabei habe ich mir extra 3 dicke Pullies und eine Daunenjacke unter meine Heavy Duty Carhartt Winterjacket gezogen - damit ich beim Weihnachtsverkauf keine blauen Flecken bekomme. Die extra Polsterung habe ich dann gleichmal im Auto gelassen.
So schnell kann mich nichts erschüttern und ich bin noch immer luftig locker und voll freudiger Erwartung auf Glühweindüfte und Zimtstangen durch die Solothurner Altstadt geschlendert. Durch die Vorstadt schlendern bringt eh nichts. Im Bermudadreieck zwischen Gassenküche, Bahnhof und Methadonabgabestelle macht Shopping keinen Spass.
Wie gesagt: Ich schlendere durch die Altstadt und meine Euphorie schmilzt wie die Gletscher im Winter 2014 zusammen.
Bei dieser Trostlosigkeit wabert mir ein Song durch mein trübes, von spärlicher Weihnachtsbeleuchtung erhelltes Hirn:
Sag mir wo die Mädchen sind.
Wo sind sie geblieben?
Sag mir wo die Mädchen sind.
Was ist geschehn?
Wann wird man je verstehn?
Sag mir wo die Männer sind.
Wo sind sie geblieben?
Sag mir wo die Männer sind.
Was ist geschehn?
Wann wird man je verstehn?
…
So steh ich da, genau wie Marlene Dietrich: Unbeweglich, frustriert und ratlos. Eine tiefe Melancholie macht sich in mir breit:
Hey, es ist Weihnachten. Wo sind die lärmenden Weihnachtsessen, das emsige Geschenke-Kaufen, die entspannten Weihnachtsfeiern im Freundeskreise? Wo sind sie geblieben? Wo ist der alt bekannte „Weihnachtsstress“? Eigenartigerweise höre ich alle klönen: „Weihnachtsstress, Weihnachtsstress“. Ähh, von welcher Weihnacht und von welchem Stress reden die?
Okay, wir haben noch 12 Tage Zeit bis zu Weihnachten. Das kann ja noch einpendeln. Hoffentlich. Ich wünsche es mir. Ich vermisse die Herrscharen von Menschen, das emsige Treiben und das ganze Weihnachtsgefühl. Da hilft nur eins: Glühwein trinken. Einen guten Glühwein mit Zimt (Diabeteskiller und Fatburner), Nelke (antibakteriell, krampflösend), Muskat (anregend, nervenstärkend) und Sternanis (antibakteriell, entspannend). Ah Voilà: Glühwein macht euch gesund und locker und Weihnachten kann kommen. Aber Achtung - immer nur in Massen geniessen!
Übrigens: Weihnachten findet unter Menschen statt - zur Not auch noch in einem Stall. Aber niemals im WWW. Also raus in die Stadt, stürmt die Läden und die Beizen. Ihr seid unter euresgleichen.
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Glühwein-Flasche
Euer Flaschengeist
Markus

