Freitag, 23. Mai 2014

Das Ende des Einheitsbreis

Wohin bewegen wir uns? Bewegen wir uns überhaupt noch? Bewegen wir uns nur noch, wenn uns der Yoga- oder Zumba-Instruktor anschreit, ein Schritt- oder Pulszähler motiviert oder uns 20x Cumulus-Punkte oder 10’000 Superpunkte locken?

Was stimuliert uns noch, dass wir unseren Allerwertesten aus dem Chillmodus erheben? Was braucht es, dass wir in den den Ausgang gehen oder in die Stadt zum Lädelen?

Sind unsere Reize so überstrapaziert, dass wir zu hause nur noch abhängen und sinnentleertes Zeugs machen? Kann es sein, dass die Evolution vorsieht, dass der Mensch zu einem zweidimensionalen Wesen mutiert? Morgens aufsteht, dann Computerarbeit, Touchscreen und Controlpanel bedient? Abends auf dem Heimweg sich mittels iPad und iPhone ablenkt und zu Hause auf Gameconsole, Flatscreen, iPad und iPhone Inhalte und Reize sucht? Haben wir keine Motivation und Kraft mehr für den sozialen Austausch aus Fleisch und Blut.

Sind wir eventuell selber schuld an dieser Misere? Ja, und es gibt nur einen einzigen Ausweg aus dieser Sackgasse:


Wir müssen das Ranking abschaffen!

Die ganze Welt ist indexiert und bewertet:

- Die reichsten Menschen
- Der beste Mitarbeiter
- Das schnellste Auto
- Die besten Restaurants
- Hitparade
- Miss / Mister Universe, World, Schweiz
- Best Club
- Best Film
- Best Act
- Best DJ
- Best Partypic
- Top 10 of…

Kein Wunder getraut sich niemand mehr anders zu sein - jeder ahmt wie ein blökendes Schaf diesen „Besten“ nach. Wer hat noch Mut etwas gut zu finden was nicht in den Top 10 ist? Wer hat Charakter und schwimmt gegen den zähen, stinkenden Strom des stumpfen Einheitsbreis?

Man hört nur noch Musik die in der Hitparade ist und die meisten Likes hat.

Man chillt nur noch in hippen Szene-Bars und Lounges mit dem ewig gleichen, flauen Design ob New York, Shanghai oder Berlin.

Shoppen tut man nur noch in den angesagten Modehäuser von Zara, H&M, Esprit oder Calvin Klein mit der selben Auslage egal ob in Boston, Zürich oder Singapore.

In die Clubs geht man höchstens noch wenn man auf der Gästeliste steht, eine Rose erhält und in den Genuss von Freeflow von irgend einer neokultigen Plörre kommt.

Die Deejays oder nennen wir sie fortan „unfreiwillige Agenten der Musictycoons“ spielen nur noch was gestern, heute oder morgen in den globalen Charts rangiert.


Aber der Mensch und Konsument hat es unbewusst schon längst durchschaut. Warum soll er sich noch die Mühe machen und in den Ausgang gehen? Alles ist berechen- und vorhersehbar. Alles ist Copy/Paste.

Unsere Reize sind überstrapaziert. Was nutzt es da, wenn man mit immer schnellerer Kadenz immer wieder die Plätze 1 bis 10 zelebriert? Nichts ausser, dass sich das Rad noch schneller dreht und noch mehr frustrierte Konsumenten den Kreis der Abstumpfung verlassen.

Was es braucht es der Mut des „Andersseins“. Auf Facebook entdeckt man nur noch, was Millionen Andere schon vor einem entdeckt haben. Wer die Hitparade hört, reizt höchstens noch Rezeptoren, die schon vor langer Zeit abgestumpft sind. Und wer bei H&M einkauft, trägt höchstens das was gestern In war, heute kaputt und morgen in der Kleidersammlung nach Bangladesch.

Also habt Mut anders zu sein: forscht, probiert, schmeckt und hört anderes als die andern. Lehnt euch auf und glaubt keinem Ranking, das nicht von euch selbst ist.

Be different!

Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus

Freitag, 16. Mai 2014

Mit Freunden feiern

Man kann von Fussball halten was man will, aber ich bin wirklich froh darüber, dass die Fussball-WM schon sehr bald losgeht. Und dabei bin ich nicht einmal ein Fussballfan.

Die Fussball-WM in Brasilien ist die letzte Chance der Menschheit. Danach ist Schluss, Ende, Aus, Zappenduster.
Wenn wir das nicht hinkriegen, dann wird die Menschheit zu Zombies. Da bin ich mir ganz sicher. Wir werden zu Untoten, zu Hirntoten Lebewesen die nur noch sinnentleert in den Social-Medias rumscrollen und nach Leben suchen. Und … natürlich in der digitalen Welt nie finden werden. Das Ende der Menschheit, der Menschlichkeit.

Aber noch ist es nicht so weit - eine Chance (vielleicht auch 2-3 mehr) haben wir noch.

Die Fussball-WM wird schaffen, was das Social Network (Deutsch auch gemeinschaftliches Netzwerk genannt) nie schaffen wird. Und dabei sollten doch gerade die sozialen Netzwerke wie z.B. Facebook mit 1 Milliarde Mitgliedern, die Menschen miteinander verbinden. Aber alles was Facebook und Co. schaffen, sind Menschen die sozial vereinsamen, sich selbst administrieren, nach virtuellen Freunden und Ereignissen im Netzwerk suchen … und nicht finden. Arme Online-Welt.

Also: zum Glück geht in 4 Wochen die Weltmeisterschaft los! Dann vereinen wir uns vor den Fernsehern und partizipieren an echten Emotionen, an Freundschaft, am perfekten Fussballabend mit Chips, Bier und Grillwürsten. Wir bekennen Farbe: jubeln und schreien, fallen uns um den Hals und ziehen stolz farbige Fussballdress über. Egal welches Alter, welche Religion, welche Kultur, wieviele Likes wir haben - vor den Fernsehern der Nationen sind wir alle gleich!

Die Fussball-WM wird in über 200 Länder auf über 250 Kanälen live übertragen. Vor den flimmernden Altaren werden täglich über 700 Millionen Menschen die Spiele verfolgen. Das ist sozial, das ist Netzwerk. Da kommt kein Facebook, Instagram, Whatsapp, Path oder wie das ganze Gedöns auch heisst gegen an.


Frei nach dem römischen Zitat von Luvenal: „Panem et Circenses“ also Chips und Spiele, ist die Fussball-WM unsere letzte Chance, mal für einen kurzen Moment die kalten Smartphones stecken zu lassen und der Geselligkeit zu frönen.

Ihr da draussen - Ja, ihr Smartphonebesitzer und Social-Network Junkies:
Freut euch auf die Fussball-WM, seid gesellig und nehmt an der Grundform des menschlichen Miteinanders und Austauschs teil, partizipiert, seid dabei und spürt das echte und warme Leben.

Macht Party!

Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus

Freitag, 9. Mai 2014

Psst, Solothurn schloft!

Was ist los mit unserer schönen Barockstadt? In Solothurn rockt ausser dem Kofmehl und dem ELEVEN so gar nichts mehr. Da wartet man auf die HESO und redet sich ein, dass Besucher von Nah und Fern in die Stadt strömen und wird bitter enttäuscht, dann hofft man, dass das Weihnachtsgeschäft Mensch und Geld in die Stadt spült, hofft auf einen tollen Frühling und damit auf Menschentrauben vor den Schaufenstern. Man hofft und hofft und hofft.

Was ist los mit Solothurn, seinen Geschäften und Beizen, die den Impuls geben und die Lebensader unserer schönen Stadt sind?

Donnerstag Abend, Wetter schön, Temperaturen angenehm: Ich mache einen Bummel durch die Stadt. Es ist 20 Uhr. Oder halt, ist es doch schon nach 21 Uhr? Ich checke nochmals meine Uhr. Nein, es ist 20 Uhr. Was ist passiert? Ein Epedemie? Bin ich der letzte Überlebende? Oder wurde das WM-Finale vorgezogen? Solothurn ist wie ausgestorben, leer und gespenstig still.

Donnerstag Abend: Seit ich denken kann hat Solothurn als einzige Stadt weit und breit Abendverkauf. (Für diejenigen die es nicht wissen oder wieder vergessen haben: Die Geschäfte haben bis 21.00 Uhr geöffnet). Solothurn war mit diesem Ladenöffnungskonzept  trendsetting in der Schweiz. Man könnte behaupten Solothurn war wegweisend und vorausschauend und hat unsere Konsum- und Zerstreuungsgesellschaft und die Liberalisierung der Öffnungszeiten vorausgesehen und hat in weiser Voraussicht gehandelt. Ja, das war einmal.

Und was ist heute? Der Treffpunkt am Manorbrunnen ist verwaist, der Märetplatz ist leer. Okay, vielleicht findet Solothurn am Landhausquai statt. Nein, auch nicht. Es ist wohl doch noch etwas zu feucht und kühl. Solheure? Für einen Donnerstagabend… trostlos. Gasbar, Tiger, Wengihaus dito. Aber okay. Es ist ja auch noch nicht Ladenschluss. Oder doch? Die Ladenbesitzer machen das was jeder macht wenn es schlecht läuft: Protektionismus. Jeder schaut auf sich und nicht mehr auf die andern. Es wird kurzerhand oder vielleicht eher schleichend der Solothurner Abendverkauf boykottiert. Die Ladenöffnungszeiten sind nicht mehr geregelt. Nein, jeder macht was er für richtig hält. Viele Geschäfte schliessen schon um 18.30 Uhr andere um 19.30 wieder andere um 20.00 Uhr, einer sogar um 20.45 Uhr. Ein paar Tapfere halten bis um 21.00 Uhr durch. Wie lange noch? Aber auch die Beizen sind nicht besser. An bester Lage werden bei Ladenschluss flugs die Tische hochgeklappt.

Nein, das ist kein Einkaufs- Stadterlebnis mehr. Das ist deprimierend. Da begehen die Läden Selbstmord auf Raten und die Mutter aller Läden, die Stadtvereinigung, unternimmt nichts. Traurig. Keine Innovationen, kein Gegensteuer. Hauptsache gäng wie gäng. Ganz nach dem Motto: Wer sich als erster bewegt fliegt raus.

Jetzt ist natürlich guter Rat teuer. Nein, ist er nicht. Solothurn braucht das Rad nicht neu zu erfinden. Es gibt genügend Städte und gute Beispiele wie es funktionieren könnte. Wir alle sind viel gereist und wissen was toll und gut ist.

Ja aber: … das ist nicht so einfach, das geht in Solothurn nicht, ja aber der Märet am Samstag, das braucht neue Gesetze, da mach ich nicht mit… Eben, wer sich zuerst bewegt hat verloren.

Solothurn, meine Heimatstadt verlass mich nicht, ich liebe Dich! Wir tun alles dafür, dass es nicht wieder heisst: „Psst, Solothurn schloft“.

Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus

Freitag, 2. Mai 2014

Wir sind Helden!

Eigentlich wollte ich ja über den 1. Mai und seine Konfrontationen schreiben. Wenn ich nun aber einen Text über den 1. Mai schreiben würde, ja dann würde ich mir selbst ins Bein schiessen und wäre genau die selbe Pfeife wie alle andern. Also lasse ich es. Der 1. Mai hat nicht stattgefunden und wenn schon, dann nur in den Medien bei den Heerscharen von Schreiberlingen, Journalisten und Weichspülern wie mir.

Also erspare ich mir diese Schmach und greife das nächste Top-Thema auf: Die Abstimmung über das neue Schweizer Kampfflugzeug - den Gripen. Wobei: Auch das sollte ich mir gut überlegen. Da würde ich mich mal wieder weit aus dem Fenster lehnen. Ach was soll’s, lehne ich mich halt aus dem Fenster. Frische Luft tut schliesslich gut.

Wenn ich mich aus dem Fenster lehne dann hat das drei entscheidende Vorteile und das empfehle ich allen vor allem den Militärgrinden:
    1. Ich sehe den Horizont besser
    2. Frische Luft hellt meine umnebelten Gedanken auf
    3. Ich sehe klarer

Also Augen auf und tief durchatmen. Und plötzlich rieselt mir die Erkenntnis durch mein schwammiges Hirn, ich bin erleuchtet und sehe das ganze Panorama vor mir:

Aber Hallo, wir reden von der Schweizer „Luftwaffe“. Von sage und schreibe ganzen
22 Gripen!
Diese 22 Gripen wären dann Bestandteil einer unschlagbaren „Schweizer Air Force“ von total 54!! Kampfflugzeugen.

Wobei diese 54 Kampfflugzeuge nur auf dem Papier und nur zu Bürostunden existieren. Die Realität sieht eher so aus, dass von diesen 54 Flugzeugen etwa 27 im ordentlichen Wartungszyklus sind, 3 derzeit defekt sind, bei 15 gerade Schweizerische Eigenentwicklungen eingebaut werden, von den 9 verbleibenden Kampfflugzeugen 5 Piloten ihre Überzeit kompensieren und es sowieso nach 17.00 Uhr und Feierabend ist und alle nach hause gegangen sind.

Tja, man erinnere sich nur an das entführte äthiopische Flugzeug, das am 17. Februar 2014 um 5:30 Uhr auf Genf zusteuerte, und unsere sagenhafte „Luftwaffe“ noch nicht einsatzbereit war (die Büros waren noch geschlossen). So musste die Maschine der Ethiopian Airlines erst von italienischen Kampfjets abgefangen und später von französischen Militärjets bis zur Landung auf dem Genfer Flughafen eskortiert werden. Bravo Militärgrinde!


Und die ganze Kommunikation dreht sich um die Wehrhaftigkeit der Schweiz im Ernstfall. Gerade heute steht wieder in der Zeitung „Keine ernst zu nehmende Nation gibt freiwillig ihre Luftwaffe auf". (Jonas Grätz, Senior Researcher am Center for Security Studies der ETH).

Ist denn die Schweizer Armee ernst zu nehmen? Eine Luftwaffe von 54 Flugzeugen, die nur zu Bürostunden einsatzbereit ist? Lächerlich!

Die Schweiz sollte erst einmal ihre Hausaufgaben machen und es vermeide sich auf solche „emotionale“ Fragen wie: "Gibt es ohne Schweizer Luftwaffe auch keine Patrouille Suisse mehr"? reduzieren.

Wacht auf, atmet tief durch und seht das ganze Bild:
Es geht nicht um die Beschaffung von 22 Gripen, es geht um den effizienten und sinnführenden Einsatz von 3,2 Milliarden Franken.

Stimmt ab was ihr wollt - Bedrohungen halten sich nicht an Bürostunden.


Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus