Freitag, 2. Mai 2014

Wir sind Helden!

Eigentlich wollte ich ja über den 1. Mai und seine Konfrontationen schreiben. Wenn ich nun aber einen Text über den 1. Mai schreiben würde, ja dann würde ich mir selbst ins Bein schiessen und wäre genau die selbe Pfeife wie alle andern. Also lasse ich es. Der 1. Mai hat nicht stattgefunden und wenn schon, dann nur in den Medien bei den Heerscharen von Schreiberlingen, Journalisten und Weichspülern wie mir.

Also erspare ich mir diese Schmach und greife das nächste Top-Thema auf: Die Abstimmung über das neue Schweizer Kampfflugzeug - den Gripen. Wobei: Auch das sollte ich mir gut überlegen. Da würde ich mich mal wieder weit aus dem Fenster lehnen. Ach was soll’s, lehne ich mich halt aus dem Fenster. Frische Luft tut schliesslich gut.

Wenn ich mich aus dem Fenster lehne dann hat das drei entscheidende Vorteile und das empfehle ich allen vor allem den Militärgrinden:
    1. Ich sehe den Horizont besser
    2. Frische Luft hellt meine umnebelten Gedanken auf
    3. Ich sehe klarer

Also Augen auf und tief durchatmen. Und plötzlich rieselt mir die Erkenntnis durch mein schwammiges Hirn, ich bin erleuchtet und sehe das ganze Panorama vor mir:

Aber Hallo, wir reden von der Schweizer „Luftwaffe“. Von sage und schreibe ganzen
22 Gripen!
Diese 22 Gripen wären dann Bestandteil einer unschlagbaren „Schweizer Air Force“ von total 54!! Kampfflugzeugen.

Wobei diese 54 Kampfflugzeuge nur auf dem Papier und nur zu Bürostunden existieren. Die Realität sieht eher so aus, dass von diesen 54 Flugzeugen etwa 27 im ordentlichen Wartungszyklus sind, 3 derzeit defekt sind, bei 15 gerade Schweizerische Eigenentwicklungen eingebaut werden, von den 9 verbleibenden Kampfflugzeugen 5 Piloten ihre Überzeit kompensieren und es sowieso nach 17.00 Uhr und Feierabend ist und alle nach hause gegangen sind.

Tja, man erinnere sich nur an das entführte äthiopische Flugzeug, das am 17. Februar 2014 um 5:30 Uhr auf Genf zusteuerte, und unsere sagenhafte „Luftwaffe“ noch nicht einsatzbereit war (die Büros waren noch geschlossen). So musste die Maschine der Ethiopian Airlines erst von italienischen Kampfjets abgefangen und später von französischen Militärjets bis zur Landung auf dem Genfer Flughafen eskortiert werden. Bravo Militärgrinde!


Und die ganze Kommunikation dreht sich um die Wehrhaftigkeit der Schweiz im Ernstfall. Gerade heute steht wieder in der Zeitung „Keine ernst zu nehmende Nation gibt freiwillig ihre Luftwaffe auf". (Jonas Grätz, Senior Researcher am Center for Security Studies der ETH).

Ist denn die Schweizer Armee ernst zu nehmen? Eine Luftwaffe von 54 Flugzeugen, die nur zu Bürostunden einsatzbereit ist? Lächerlich!

Die Schweiz sollte erst einmal ihre Hausaufgaben machen und es vermeide sich auf solche „emotionale“ Fragen wie: "Gibt es ohne Schweizer Luftwaffe auch keine Patrouille Suisse mehr"? reduzieren.

Wacht auf, atmet tief durch und seht das ganze Bild:
Es geht nicht um die Beschaffung von 22 Gripen, es geht um den effizienten und sinnführenden Einsatz von 3,2 Milliarden Franken.

Stimmt ab was ihr wollt - Bedrohungen halten sich nicht an Bürostunden.


Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus

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