Freitag, 20. Februar 2015

Konfetti

In weiten Teilen der Schweiz ist die Fasnacht, die schönste Jahreszeit bereits zu Ende. Leider! Aber Gott sei Dank dauert in einigen Städten dieser wunderbare Brauch noch ein paar Tage länger an.

Ich bin der Meinung, wir sollten dieses riesige Heer von Freischärlern mit ihren fantasievollen oder gruseligen Kostümen und Masken heilig sprechen. Es ist beinahe unvorstellbar, aber einmal im Jahr passiert's und es stehen die unterschiedlichsten Menschen zusammen und vertreiben unisono die bösen Geister die wir riefen. Ja, selbst hier in der Schweiz!

Die Fasnacht zeigt uns deutlich: So schlecht wären wir Schweizer doch gar nicht. Eigentlich wären wir gar keine Miesepeter, Bünzli, Pessimisten und Spielverderber!

Wir können auch ganz anders.


Einmal im Jahr können wir alle gemeinsam raus auf die Strasse und unsere strengen, grauen, unnahbaren Uniformen gegen fröhliche, dialogfördernde und mutige Kostüme eintauschen. Einmal im Jahr lacht und schwatzt jeder mit jedem. Alle sind ungezwungen. Jeder ist mit Jedem per Du. Hindernisse wie Bildung, Religion, Alter und Kontostand werden grosszügig ausgeblendet und man trinkt mit wildfremden Menschen Bruderschaft. Jeder Einzelne zelebriert das Positive und ist im Hier und Jetzt. An Fasnacht macht man sich selbst zur Karikatur und lacht mit anderen Karikaturen zusammen. An der Fastnacht bestimmt das Kollektiv über Vernunft und Unvernunft. Zum Gefallen aller siegt die Unvernunft.

Wem an Fasnacht die Energie- oder Bargeldreserven auf Null zu laufen drohen, der wird vom kostümierten Netzwerk aufgefangen und mitgetragen. Grosszügig wird überbrückt und geholfen. Gemeinsam ist man stark und nimmt den Kampf gegen die Widrigkeiten des Lebens auf. Wem an Fasnacht die Motivation zu verlassen droht oder die Mundwinkel der Erdanziehungskraft unterliegen, der wird motiviert, dem wird freundschaftlich auf die Schulter geklopft.



Erst wenn nach Tagen der Entbehrungen, Schlafentzug und gefolterten Lachmuskeln gar nichts mehr geht, hakt man einander ein und grölt gemeinsam lauthals „Ig ma nümm“. Wehmütig schwört man sich, dass die Fasnacht noch nie so schön war. Das Leben war so herrlich leicht und das Glas war ständig halbvoll. Nichts konnte die Stimmung trüben. Man wurde allseits verstanden. Verständnis und Respekt wurde zelebriert. Alle Gespräche waren witzig und die Kostümbälle rauschend. Ja, an der Fastnacht ist alles soooo schön anders - alles ungerobsi!

Kaum ist die Fasnacht vorbei, hat uns der Ernst des Lebens wieder fest im Griff. Die Mundwinkel sinken nach unten, Humor ist nur noch was für Komiker und fremde Menschen sind eine Bedrohung. Das Glas ist höchstens halbleer und unaufgefordert tauschen wir Leichtigkeit gegen Schwermut und Fröhlichkeit gegen Trübsinn ein.

Unser Leben ist ein einziger Ernstfall. Schliesslich haben für den Ernstfall alle Haushalte Jodtabletten bekommen. Ein Sack Konfetti wäre günstiger und lustiger gewesen!
 

Be happy!

Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche

Euer Flaschengeist
Markus

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