Die Solothurner Filmtage sind passé. Jetzt beginnt das grosse Schulterklopfen, analysieren und das Erstellen von aussagekräftigen Statistiken zum Schweizer Film.
Zugegeben, für den Schweizer Film ist Solothurn wichtig, sehr wichtig. Ungefähr so wichtig wie damals die Höhle für den Steinmenschen. Die Höhle symbolisiert Schutz, Wärme, Geborgenheit. Wenn er könnte, wäre der Höhlenmensch noch heute in seiner Gruft. Aber er musste raus und sich den Widrigkeiten des Lebens stellen.
Solothurn Gäng wie gäng!
Okay, ertappt, ich habe eine etwas eigenartige Beziehung zu den Solothurner Filmtagen. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen: Da war die Solothurner Kanti schuld! Damals, vor gefühlten 30 Jahren (genauer gesagt im Januar 1988) MUSSTEN wir Kantischüler an die Solothurner Filmtage einen Block von Kurzfilmen anschauen gehen.
Erlaubt mir an dieser Stelle einen kleinen Exkurs in die Welt des Geldes: Der Staat bezahlte uns Kantonsschüler den Eintritt ins Kino in den von Bundesamt für Kultur subventionierten Filmtagen. Danke!
Also, der obligatorische Besuch der Solothurner Filmtage gehört mit zum Versuch, mich zu bilden und zu formen. Irgendwie ist das gänzlich in die Hosen gegangen. Denn ich war zutiefst erschüttert und schockiert nach dem Besuch der Filmtage. Für mich als Teenager stand ganz schnell fest: „Ne, das ist nicht meine Welt“!
Was ging in diesem Winter 1988 schief, was war geschehn?
Also: unsere Klasse musste den Film „A Slice of Pizza“ von Simon Aebi, besuchen und wir waren gezwungen, uns den Film von Anfang bis zum Schluss anzusehen. Es war der blanke Horror! Die Hauptrolle im Film spielt ein Stück Pizza, dass auf seinem Weg durch den Verdauungstrakt filmisch begleitet wurde. Da sind Splatterfilme geradezu harmlos dagegen. Die anderen Kurzfilme waren auch so eigenartige, für mich Teenager völlig unverständliche psychedelische Werkfilme, wo junge Schweizer Filmschaffende wohl eher mit Drogen, als mit der Thematik Film herumexperimentiert hatten. Nein, ihr müsst jetzt nicht suchen. Der Film ist so schlecht, dass er es nichtmal auf Youtube geschafft hat. Und bekanntlich ist ja Youtube ein Sammelbecken filmischen Irrsinns. Aber, halt stopp: Es gibt auch gute Filme. Auch in Solothurn.
Inzwischen sind 30 Jahre vergangen und der Schweizer Film, Solothurn und das Publikum haben sich weiterentwickelt.
Just zum 50. Jubiläum spendieren sich die Solothurner Filmtage ein neues Erscheinungsbild. Frisch, jung und modern ist es. Das Logo ist gelungen. Auch die Plakatekampagne ist total verständlich und informativ. Die Visuals sind verständlich, sind klar im Kontext und überraschen. Man kann ganz klar ein Corporate Design erkennen.
Endlich haben es auch die Macher der Filmtage verstanden, Glamour nach Solothurn zu holen. Da wurden nationale und vor allem internationale Grössen aus dem Showgeschäft eingeladen und man hat an der Gala-Bar bei einem prickelnden Cüpli das Who is Who zelebriert. Überhaupt, ganz Solothurn schien die vergangene Woche wie umgekrempelt zu sein. In den Bars wehte das Parfum von Aufbruch zu neuen (Show-)Ufern. Überall Celebrities, Glamour, lachende, vor Lebensfreude glühende Menschen. Die Restaurants und Gourmettempel waren hilflos ausgebucht. Riesige Tische mit witzigen, schwatzenden Gästen. Die Nerds mit Horn- oder John Lennon-Brille sowie rotem Schal und schwarzem Mantel gehörten eindeutig der Vergangenheit an. Die Solothurner Filmtage haben sich gemacht. Selbst der Auto-Sponsor „Vorsprung durch Technik“ bringt mit seiner schwarzen, staatskarossen-ähnlichen Fahrzeugflotte neuen Wind nach Solothurn. Ja, in Solothurn merkt man: Der Schweizer Film möchte in Zukunft nicht mehr belächelt werden. Er will international durchstarten. Die Solothurner Filmtage tun schliesslich alles dafür.
Oder, wenn ich es mir recht überlege… als Fahrzeugflotte wären eventuell 2CVs treffender gewesen.
Schönes Weekend, ich schaue dann mal Monty Python's "Meaning of Life".
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus
Zugegeben, für den Schweizer Film ist Solothurn wichtig, sehr wichtig. Ungefähr so wichtig wie damals die Höhle für den Steinmenschen. Die Höhle symbolisiert Schutz, Wärme, Geborgenheit. Wenn er könnte, wäre der Höhlenmensch noch heute in seiner Gruft. Aber er musste raus und sich den Widrigkeiten des Lebens stellen.
Solothurn Gäng wie gäng!
Okay, ertappt, ich habe eine etwas eigenartige Beziehung zu den Solothurner Filmtagen. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen: Da war die Solothurner Kanti schuld! Damals, vor gefühlten 30 Jahren (genauer gesagt im Januar 1988) MUSSTEN wir Kantischüler an die Solothurner Filmtage einen Block von Kurzfilmen anschauen gehen.
Erlaubt mir an dieser Stelle einen kleinen Exkurs in die Welt des Geldes: Der Staat bezahlte uns Kantonsschüler den Eintritt ins Kino in den von Bundesamt für Kultur subventionierten Filmtagen. Danke!
Also, der obligatorische Besuch der Solothurner Filmtage gehört mit zum Versuch, mich zu bilden und zu formen. Irgendwie ist das gänzlich in die Hosen gegangen. Denn ich war zutiefst erschüttert und schockiert nach dem Besuch der Filmtage. Für mich als Teenager stand ganz schnell fest: „Ne, das ist nicht meine Welt“!
Was ging in diesem Winter 1988 schief, was war geschehn?
Also: unsere Klasse musste den Film „A Slice of Pizza“ von Simon Aebi, besuchen und wir waren gezwungen, uns den Film von Anfang bis zum Schluss anzusehen. Es war der blanke Horror! Die Hauptrolle im Film spielt ein Stück Pizza, dass auf seinem Weg durch den Verdauungstrakt filmisch begleitet wurde. Da sind Splatterfilme geradezu harmlos dagegen. Die anderen Kurzfilme waren auch so eigenartige, für mich Teenager völlig unverständliche psychedelische Werkfilme, wo junge Schweizer Filmschaffende wohl eher mit Drogen, als mit der Thematik Film herumexperimentiert hatten. Nein, ihr müsst jetzt nicht suchen. Der Film ist so schlecht, dass er es nichtmal auf Youtube geschafft hat. Und bekanntlich ist ja Youtube ein Sammelbecken filmischen Irrsinns. Aber, halt stopp: Es gibt auch gute Filme. Auch in Solothurn.
Inzwischen sind 30 Jahre vergangen und der Schweizer Film, Solothurn und das Publikum haben sich weiterentwickelt.
Just zum 50. Jubiläum spendieren sich die Solothurner Filmtage ein neues Erscheinungsbild. Frisch, jung und modern ist es. Das Logo ist gelungen. Auch die Plakatekampagne ist total verständlich und informativ. Die Visuals sind verständlich, sind klar im Kontext und überraschen. Man kann ganz klar ein Corporate Design erkennen.
Endlich haben es auch die Macher der Filmtage verstanden, Glamour nach Solothurn zu holen. Da wurden nationale und vor allem internationale Grössen aus dem Showgeschäft eingeladen und man hat an der Gala-Bar bei einem prickelnden Cüpli das Who is Who zelebriert. Überhaupt, ganz Solothurn schien die vergangene Woche wie umgekrempelt zu sein. In den Bars wehte das Parfum von Aufbruch zu neuen (Show-)Ufern. Überall Celebrities, Glamour, lachende, vor Lebensfreude glühende Menschen. Die Restaurants und Gourmettempel waren hilflos ausgebucht. Riesige Tische mit witzigen, schwatzenden Gästen. Die Nerds mit Horn- oder John Lennon-Brille sowie rotem Schal und schwarzem Mantel gehörten eindeutig der Vergangenheit an. Die Solothurner Filmtage haben sich gemacht. Selbst der Auto-Sponsor „Vorsprung durch Technik“ bringt mit seiner schwarzen, staatskarossen-ähnlichen Fahrzeugflotte neuen Wind nach Solothurn. Ja, in Solothurn merkt man: Der Schweizer Film möchte in Zukunft nicht mehr belächelt werden. Er will international durchstarten. Die Solothurner Filmtage tun schliesslich alles dafür.
Oder, wenn ich es mir recht überlege… als Fahrzeugflotte wären eventuell 2CVs treffender gewesen.
Schönes Weekend, ich schaue dann mal Monty Python's "Meaning of Life".
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus

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