Schlaflose Nächte bei Kindern und Erwachsenen sind ja grundsätzlich anders gelagert. Für die gesunde Entwicklung bei Kindern ist es wichtig, dass sie in andere Identitäten und Rollen schlüpfen können. Kinder lernen durch Nachahmen die Welt zu begreifen. Solange man noch ein Kind ist, ist es völlig okay, wenn man im Rollenspiel seine eigene Schwächen in Stärken umfunktioniert und Ängste überwindet. So wird aus dem schüchternen Mädchen eine unerschrockene Heldin und der schmächtige Knabe zeigt, dass er eigentlich gross und unheimlich stark ist.
Bei uns Erwachsenen ist es ganz anders. Da liegen die Meisten schlaflos im Bett und wälzen Fragen herum wie: Wie nutze ich Maskerade und Alkohol möglichst effizient, um die eine oder andere Prinzessin oder Prinzen flachzulegen? Somit ist die Fasnacht für Erwachsene nun eigentlich auch gar nicht so anders als für Kinder. Da wird schnell mal aus der grauen Maus ein männerverzehrender Vamp oder aus dem langweiligen Beamten ein Casanova. Fasnacht sei Dank.
Früher, ja früher, da war alles noch einfacher. Da hatten wir noch Idole. Idole, das sind eben Vorbilder - so wie man auch gerne wäre. Die eine Hälfte wollte "Old Shatterhand" sein und die andere Hälfte "Winnetou - der Häuptling der Apachen" . Ja, so einfach war das. Da haben wir stundenlang im Garten (Garten, das ist das Ding hinter der Glasscheibe und ich meine nicht den Flatscreen) gespielt. Zuerst verbrachten wir Stunden damit uns Pfeil und Bogen oder ein Gewehr aus Holz zu basteln. Übrigens: Plastik wächst nicht im Garten. Das ist nämlich auch der Grund weshalb die heutige Jugend nicht mehr draussen spielen geht. Dann haben wir bis zur Erschöpfung Cowboy und Indianer gespielt. Manchmal als wir nach Hause kamen und die Mutter gefragt hatte, wo denn die kleine Schwester sei, haben wir gemerkt, dass wir die noch am Marterpfahl gefesselt vergessen hatten.
Aber jetzt kommt's: In Zürich haben die Eltern der Chindsgäggeler und Schüler ein Schreiben erhalten, dass das Tragen von Spielzeugwaffen an der Fasnacht verboten sei. Fertig lustig. Alle Cowboys, Indianer, Ritter, Piraten und Bankräuber werden entwaffnet.
Aber macht nichts - die Kinder in Zürich haben ja auch ganz andere Vorbilder und Idole als wir auf dem unschuldigen Lande. Die werden wohl eher im schwarzen Anzug als Banker gehen, oder als Bordsteinschwalbe oder Drögeler. Das Kostüm "Carlos" wird dieses Jahr wohl auch hoch im Kurs sein. Oder als Proll-BMW verkleidet gehen ist doch auch sicherlich aller Kinder Traum.
Also liebe Mütter, macht was draus. Hauptsache das Kind kommt an die frische Luft.
Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus

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