Freitag, 11. Oktober 2013

Stadt adé

Da haben wir es mal wieder auf dem Tapet. Diese Forderung kommt mit der Regelmässigkeit der Menstruation einer Frau und ist notabene genauso unpassend und schwer zu verstehen.

Die Rede ist von der Wiedereinführung der Polizeistunde in Städten.


Es ist noch gar nicht lange her, da haben wir uns von Gessler und seinen Schergen befreit. Erfolgreich haben wir damals gegen die Unterjochung und das Diktat angekämpft. Offensichtlich geht es heute der Politik wieder mal zu gut und es erspriessen diktatorische Gedanken "zum Wohle der Allgemeinheit". Okay, kein Problem, Gedanken sind ja bekanntlich frei.

Dann machen wir uns mal Gedanken zum Thema: Sperrstunde um 1 Uhr in Städten:


Was ist überhaupt eine Stadt? Per Definition ist eine Stadt ein grössere, zentralisierte und abgegrenzte Siedlung mit eigener Kultur.

Nun wenn man sich über die Entwicklung der Städte etwas Gedanken macht, erkennt man auch Sinn und Funktion einer Stadt: In einer Stadt erhält man zentralisiert alles, was in den weit verstreuten Dörfern keinen Sinn macht, oder nicht rentabel ist. Und das ist noch heute so: Man geht in die Stadt weil man dort auf engstem Raum alles erhält: Einkäufe, Arztbesuche, Theater und Gesellschaftsanlässe.

Städte haben eine Zentrumsfunktion. Eine interessante Stadt lockt Touristen an aus nah und fern. Damit meine ich auch uns selbst. Wir gehen in die Stadt weil wir dort finden, was uns im Dorf immer mehr fehlt: Abwechslung!

Und so war es schon immer. Es macht keinen Sinn, das jedes Dorf Theater, Museen, Schulen oder Weiterbildungsmöglichkeiten, verschiedene Restaurants oder Lokale anbietet. Dafür wird auch ein Kulturausgleich bezahlt. Die Dörfer bezahlen der Stadt einen Ausgleich für ein abwechslungsreiches kulturelles Angebot!

So, nur schon deshalb geht es gar nicht, dass eine Stadt eigenmächtig die Öffnungszeiten festlegen will. Da haben die mitfinanzierenden Dörfer ein gewaltiges Wörtchen mitzureden.




Nun, was macht eine interessante Stadt aus? Eine interessante Stadt beherbergt verschiedene Kulturen: Die Offensichtlichen und die weniger Offensichtlichen - die Subkulturen. Aus Mainstream wird kaum etwas Neues entstehen - aus Subkulturen schon. Subkulturen sind die Avantgarde - sind der Zeit voraus. Im täglichen Leben nehmen wir das kaum wahr. Zu laut ist der Alltag, zu dominierend sind die Routinen. Aber in unserer Freizeit sind wir alle etwas avantgardistisch und wollen ausbrechen, wollen raus aus der Routine. Wir gehen auf Reisen und wollen entdecken was wir zuhause nicht haben. Abends wollen wir raus auf die Gasse, uns treiben lassen und eine Freiheit geniessen, die wir am Arbeitsplatz nicht haben. Dort steht nämlich eine Stempeluhr, die uns diktiert wann wir anfangen und aufhören müssen. Genau das wollen wir in unserer Freizeit nicht. Es kann nicht angehen, dass der Staat oder die Stadt vorschreibt, wann die Freizeit aufzuhören hat. Mündige Menschen müssen darüber selbst bestimmen dürfen.



Eine Sperrstunde um 1 Uhr in Städten würde seltsame Früchte tragen. Plötzlich würde das Kulturangebot ins Dorf nebenan abwandern und es würden Wildwüchse entstehen, die ein Dorf nicht bewältigen kann. Warum? Weil ein Dorf dafür keine Struktur hat. Konsequenterweise müsste ein Dorf die nötigen Strukturen und Ressourcen (Infrastruktur, Parkplätze, öffentlichen Verkehr, Behördenapparat etc) dafür aufbauen - was wäre ein Dorf dann? Eine Stadt! Und somit schliesst sich der Kreis. Nur das bei diesem Sturm im Wasserglas extrem viel aus dem Kreis geschleudert, und niemand dafür die Verantwortung übernehmen würde.

Deshalb liebe Städte: Pflegt Eure Kulturen und Subkulturen, passt sie den neuen Bedürfnissen an. Wir leben nicht mehr im 18. Jahrhundert. Inzwischen haben wir über 8 Millionen Menschen in der Schweiz mit vielfältigen kulturellen Hintergründen. Wir können es uns nicht leisten, zu Mauern und sagen, die Städte seien zum Schlafen da. Städte sind zum Leben da. Wer schlafen will soll aufs Land!

ELEVEN - Kultur in Solothurn


Mit einem verzerrten Blick aus meiner kleinen Flasche
Euer Flaschengeist
Markus

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